Panorama

Kritik an BahnZugverkehr läuft nur langsam wieder an

07.10.2017, 21:17 Uhr
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Die Folgen von Sturm "Xavier" - an hunderten Stellen waren Bäume und Äste auf Gleise und Oberleitungen gefallen. (Foto: imago/7aktuell)

Die Sturmschäden werden nach und nach beseitigt. Auf der ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover rollen nun wieder Züge. Andere wichtige Verbindungen sind aber nach wie vor gesperrt. Außerdem wird Ärger über das Krisenmanagement der Bahn laut.

Zwei Tage nach dem verheerenden Sturm "Xavier" in Norddeutschland normalisiert sich die Lage im Bahnverkehr nur allmählich. Am späten Samstagnachmittag wurde die ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin wieder vollständig freigegeben, es kam aber noch zu Fahrplanabweichungen. Kritik gab es an der Informationspolitik der Bahn zu Unwetter-bedingten Zugausfällen und Fahrplanänderungen.

Wieder freigegeben wurden die Strecken zwischen Hannover und Hamburg sowie zwischen Berlin und Dresden, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Dagegen sollen auf der ICE-Strecke zwischen Berlin und Hamburg erst am Montag wieder Züge verkehren. Allerdings seien Bahnreisen zwischen der Hansestadt und der Hauptstadt auf einer Ersatzstrecke über Uelzen möglich, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Andere Verbindungen des Fern- und Regionalverkehrs blieben allerdings im Norden und Osten Deutschlands weiterhin unterbrochen. Dazu gehört die Strecke Hannover-Magdeburg-Berlin, die ebenfalls am Montag wieder befahrbar sein soll. Die Strecke Leer-Oldenburg-Bremen soll sogar erst am Mittwoch wieder geöffnet werden.

Oberleitungen sind beschädigt

Ein Problem sind umgeknickte Oberleitungsmasten. So seien die Leitungen auf der Strecke Berlin-Hamburg auf sechs Kilometern Länge massiv beschädigt, hieß es. Umgestürzte Bäume und heruntergerissene Äste hatten nach Angaben der Bahn an mehr als 500 Stellen Schäden in Nord- und Ostdeutschland angerichtet. Insgesamt seien mehr als tausend Kilometer Strecke von den Sturmschäden betroffen, erklärte die Bahn.

Wegen der andauernden Aufräumarbeiten müssen Fahrgäste auf allen Strecken weiter mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Eingestellt blieb der Verkehr zudem zunächst noch auf einigen von nicht-bundeseigenen Unternehmen betriebenen Verbindungen - andere dagegen waren uneingeschränkt wieder befahrbar. Die S-Bahn fährt in Hamburg wieder auf dem kompletten Streckennetz, in Berlin soll es dagegen noch während des gesamten Wochenendes auf einigen Strecken Einschränkungen geben.

Fahrgästen wird empfohlen, sich im Internet oder per Telefon vor Reiseantritt zu informieren. Die Deutsche Bahn hat dazu eine kostenlose Sonderhotline unter der Nummer 08000/996633 eingerichtet. Auch in der Nacht zum Samstag stellte die Bahn für gestrandete Reisende noch einmal Hotelzüge bereit, unter anderem in Hamburg, Berlin, Hannover, Dortmund, Bremen und Kiel.

Beschwerden über mangelnde Kommunikation

Kritik am Krisenmanagement der Bahn übte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. "Wir haben alle Verständnis, dass kein Zugverkehr stattfinden kann, wenn Bäume auf die Schienen fallen oder Oberleitungen beschädigt werden", sagte er der "Passauer Neuen Presse", "aber man muss dann auch sauber informieren". Dies sei der Bahn nicht gelungen, "warum auch immer".

Zudem habe es in vielen Fällen für unterbrochene Verbindungen Ausweichstrecken gegeben, die aber nicht genutzt worden seien, sagte Naumann weiter. Grund seien unter anderem fehlende Streckenkenntnisse bei Lokführern.

Kritik übte auch der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel. "Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren. Das sollte zumindest am Tag nach dem Orkan möglich sein", erklärte Hommel in Frankfurt am Main. Die Kommunikationsmängel seien für Bahn-Mitarbeiter, von denen viele "einen tollen Job gemacht" hätten, oft "beschämend" gewesen.

"Xavier" war am Donnerstag über die Nordhälfte Deutschlands gezogen. Sieben Menschen wurden getötet, Feuerwehren und Rettungsdienste

Quelle: hul/AFP

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