Panorama

Fünf Menschen noch vermisst Zwei Tote nach Explosion in Leverkusener Chempark-Anlage

Eine große Rauchwolke ist über Leverkusen zu sehen und schreckt Anwohner auf. Wenig später ist klar: In einer Anlage des Chemparks gab es eine Explosion. Mindestens zwei Menschen sterben dabei, mehrere werden noch vermisst. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, schwindet.

Die Detonation ist gewaltig, die Rauchwolke weithin sichtbar, die Anwohner sind verängstigt: Bei einer verheerenden Explosion in einer Müllverbrennungsanlage des Chempark Leverkusen sind mindestens zwei Mitarbeiter ums Leben gekommen. Fünf weitere werden nach dem Unglück nach Angaben der Betreiberfirma Currenta noch vermisst.

"Die Suche nach den Vermissten läuft weiter auf Hochdruck. Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden, zusehends", sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich laut Mitteilung. 31 Menschen verletzten sich, fünf von ihnen werden laut Polizei intensivmedizinisch versorgt. Die Ursache für die gewaltige Explosion ist bisher unklar.

"Wir sind tief betroffen über diesen tragischen Unfall und den Tod eines Mitarbeiters. Unser besonderes Mitgefühl gilt vor allem den Angehörigen, aber auch den Kollegen, die mit ihm zusammengearbeitet haben", sagte Friedrich. Es seien schwere Stunden, viele Anwohner hätten Angst, berichtete Friedrich bei einer Pressekonferenz.

Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath von der SPD sprach von einem "tragischen Tag" für die Stadt mit ihren mehr als 167.000 Einwohnern, die eng mit der Chemie verbunden sei. Auch er selbst habe die Erschütterung gespürt.

Explosion weithin zu spüren

Den Bewohnern des Rheinlandes machte der Vorfall auch deshalb so große Sorgen, weil sie innerhalb weniger Wochen ein weiteres Mal bang auf die Warn-Meldungen der Behörden blicken mussten. Jüngst hatte man ja schon die Hochwasserkatastrophe erlebt - in Leverkusen etwa musste eine Klinik zeitweise geräumt werden.

Die gewaltige Explosion, die laut Zeugenaussagen noch im Umkreis von gut zehn Kilometern zu hören war, ereignete sich nach Angaben des Betreibers gegen 9.30 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Eine gewaltige Rauchwolke stieg auf. Die Erschütterung war derart heftig, dass sogar mehrere Stationen des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen sie messen konnten. Unter anderem sei sie an einer Station im Hespertal registriert worden - rund 40 Kilometer entfernt.

Nach der Explosion brannte das Tanklager mit Lösungsmitteln stundenlang, ehe das Feuer gegen Mittag unter Kontrolle und weitgehend gelöscht war. "Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war", erklärte die Stadt. Sogar die Feuerwehr im rund 60 Kilometer entfernten Dortmund warnte vor möglichen Geruchsbelästigungen.

Kein Gemüse aus dem Garten essen

Anwohner wurden vorsorglich aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe "Extreme Gefahr" ein. Die Stadt Leverkusen sperrte vorübergehend Spielplätze in den Stadtteilen Bürrig und Opladen. Von einer Eskalation der Lage sei nicht auszugehen, teilte die Stadt aber auf ihrer Homepage mit. Wegen des möglichen Schadstoffausstoßes warnte die Stadt die Anwohner der beiden Stadtteile darüber hinaus vor dem Verzehr von Obst und Gemüse aus dem Garten. Bei nicht aufschiebbaren Arbeiten im Garten sollten zudem vorsorglich Handschuhe getragen werden.

Eine Einschätzung, ob in den Niederschlägen nach dem Brand "relevante Stoffe" zu finden seien, sei nach Auskunft des Landesumweltamtes (LANUV) noch nicht möglich. Für den Fall, dass sich Rückstände und Ruß-Niederschlag auf den Grundstücken und Straßen finden, konnten sich die Menschen an eine Telefon-Hotline (0214 406-33333) wenden.

Zahlreiche Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr, der Polizei sowie Luftmesswagen waren bei dem Unglück im Einsatz. Erste Luftmessungen der Umweltschutzeinheiten im Kölner Norden ergaben laut Feuerwehr, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestand. Die Messungen würden fortgesetzt. Gleichwohl wurden Autofahrer in der Region zunächst aufgefordert, Fahrzeugfenster geschlossen zu halten.

Wegen der "größeren Schadenslage" wurden zahlreiche Autobahnen gesperrt. Von der Vollsperrung betroffen waren das Autobahnkreuz Leverkusen-West, die A1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und Köln-Nord, die A3 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und dem Autobahndreieck Langenfeld sowie die A59 zwischen Autobahnkreuz Monheim-Süd und Autobahnkreuz Leverkusen-West, wie die zuständige Autobahn GmbH mitteilte. Sofort eingestellt wurden auch die Arbeiten an der unmittelbar angrenzenden Baustelle der Leverkusener Rheinbrücke. Selbst die Rheinfähre "Fritz Middelanis" stellte den Betrieb zwischen Köln-Langel und Leverkusen-Hitdorf für mehrere Stunden ein.

Der Chempark ist nach Unternehmensangaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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