Panorama

Nach Sturz in Brunnen Zweijähriger Julen starb vermutlich sofort

Die Trauer um den kleinen Julen ist groß. Nachdem er tot geborgen wird, bleiben Fragen nach den genauen Umständen des Unglücks. Ein hochrangiger Beamter äußert die Vermutung, dass das Kind wohl nicht lange leiden musste.

Nach der traurigen Gewissheit, dass der im Süden Spaniens in einem tiefen Loch verschollene kleine Julen tot ist, gibt es erste Details zu den Umständen des Unglücks. So soll der Zweijährige nach jüngsten amtlichen Erkenntnissen am 13. Januar durch das enge Loch rund 71 Meter tief "im freien und schnellen Fall" gestürzt sein. "Darauf deutet die Stellung des Körpers hin", erklärte vor Journalisten der Delegierte der Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez de Celis.

Laut "Bild" äußerte de Celis die Vermutung, dass Julen "vermutlich sofort tot" war. Ein tagelanges Martyrium in dem dunklen Schacht wäre dem kleinen Jungen somit erspart geblieben. Eine Autopsie soll noch am Samstag dazu beitragen, die genauen Todesumstände zu ermitteln. Die Justiz hatte schon vor Tagen eine Untersuchung eingeleitet.

Nach tagelangen Bohrungen wurde Julen in einer Tiefe von mehr als 70 Metern gefunden. "Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert", twitterte Rodríguez Gómez de Celis. Die spanische Zivilgarde schrieb: "Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft ... Ruhe in Frieden Julen." Auf Twitter veröffentlichte sie ein Video, welches laut Medienberichten die Arbeiten an dem Quertunnel zeigen, durch welche die Helfer schließlich zu Julen vorstoßen konnten.

Retter hatten seit dem 13. Januar versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, nur 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand. Das Loch wurde nach Aussagen der Familie vom Freund einer Cousine des Vaters in Auftrag gegeben.

Hoffnung bis zuletzt

Experten hatten bis zuletzt versichert, dass es nicht ausgeschlossen sei, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende mit jeder Minute geschrumpft. Besonders bei der Bohrung eines Parallel-Tunnels war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen. Experten betonten, normalerweise seien für eine solche Aktion, bei der 40.000 Tonnen Erde abgetragen wurden, Monate nötig. Einen vergleichbaren Notfall in einer solchen Tiefe habe es weltweit noch nie gegeben.

Seit Donnerstagabend hatten erfahrene Bergarbeiter aus der nordspanischen Kohleregion Asturien unter schwierigsten Bedingungen vom Grund des Parallelschachts aus einen vier Meter langen horizontalen Tunnel gegraben, um zu Julen vorzudringen. Sie konnten dabei 36 Stunden lang nur kniend oder liegend in Zweier-Teams arbeiten und kämpften sich mit Spitzhacken und Presslufthämmern durch den Felsen. Mehrmals waren Mikrosprengungen nötig, so noch am späten Freitagabend, als die Männer nur noch wenige Zentimeter von Julen trennten. Bis zuletzt war unklar, ob der Junge tatsächlich in der von den Experten vermuteten Tiefe gefunden werden würde.

Quelle: ntv.de, kst/dpa