Politik

Flaggen-Diskussion nach Massaker 13 Mal Hass auf rotem Grund

Nach dem Massaker in Charleston mit neun Toten entfacht in den USA eine Debatte über die Flagge der Konföderierten. Sie weht noch immer vor dem Kapitol in South Carolina. Der mutmaßliche Attentäter war vernarrt in die Flagge.

Das Massaker in einer Kirche in Charleston hat in den USA erneut eine Diskussion um die Flagge der Konföderierten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) entfacht. Hunderte Menschen versammelten sich in South Carolina, um die Abschaffung des Symbols zu fordern.  "Nehmt die Flagge ab", ist auf Schildern zu lesen. Auf einem steht sogar: "Ihr könntet ebenso gut ein Hakenkreuz hissen!"

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(Foto: REUTERS)

Es ist eine simple Flagge: roter Grund, darauf ein blaues Kreuz mit 13 Sternen. Die Sterne stehen für die Staaten des Südens, die sich im Bürgerkrieg gegen die Regierung in Washington gewandt hatten. Zwar nicht nur, aber vor allem wegen einer Frage: die nach der Sklaverei. Während die regierungstreue "Union" sich gegen die Haltung von Sklaven stemmte, wollten die südlichen Staaten der Konföderation an der Praxis festhalten.

Die Konföderierten gingen 1865 in den Vereinigten Staaten auf. Ihre Flagge weht noch heute. Für diejenigen, die sie hissen, ist sie Symbol für eine kulturelle Identität, eine lange Tradition, für ein rebellisches Selbstbewusstsein der Südstaaten. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Die Flagge ist vor allem in rechtsradikalen und rassistischen Kreisen sehr beliebt. Denn sie steht für den Kampf gegen die Gleichheit von Schwarzen und Weißen, sie steht für Unterdrückung und Ausbeutung. Und dennoch weht sie auch vor dem Kapitol in South Carolina, dem Bundesstaat, in dem Dylann R. neun Menschen in einer Kirche kaltblütig hinrichtete, weil sie nicht seine Hautfarbe hatten.

Der mutmaßliche Attentäter von Charleston war offenbar vernarrt in die Südstaaten-Flagge. Die amerikanische Flagge hingegen verachtet der 21-Jährige. In dem Manifest, das aller Wahrscheinlichkeit nach von R. stammt, schreibt er: "Ich hasse den Anblick der amerikanischen Flagge. Moderner amerikanischer Patriotismus ist ein absoluter Witz." Auf den Bildern, die auf einer Webseite verbreitet werden, ist der junge Mann zu sehen, wie er in den unterschiedlichsten Situation mit der Konföderierten-Flagge posiert. Die US-Flagge hingegen verbrennt er.

"Entfernt sie jetzt"

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In den USA wird nicht zum ersten Mal hitzig darüber diskutiert, ob die Flagge abgeschafft wird. Manche südliche Bundesstaaten wie Florida haben diesen Schritt bereits vor Jahren vollzogen. Während der Gouverneurszeit von Jeb Bush, der sich derzeit um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, wurde das Symbol aus dem öffentlichen Raum verbannt. "Meine Position zum Umgang mit der Konföderierten-Flagge ist deutlich. In Florida haben wir gehandelt und die Flagge ins Museum verbannt, wo sie auch hingehört", schreibt er auf Facebook.

Und auch für andere hochrangige Politiker ist klar: Die Flagge muss weg. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, verkündete via Twitter: "Nehmt die Konföderierten-Flagge vom Kapitol in Soutch Carolina. Es ist für viele ein Symbol für Rassen-Hass. Entfernt sie jetzt, zu Ehren der Charleston-Opfer." Zustimmung kommt vom US-Präsidenten Barack Obama.

Und doch: Noch immer ist dieses Symbol in den USA im öffentlichen Raum zu sehen. Nicht nur in South Carolina. Im Bundesstaat Mississippi ist sie sogar 150 Jahre nach dem Ende des Sezessionskrieges noch Teil des Staatsbanners. Zu verdanken ist dies wohl Stimmen wie der von Mississippis Ex-Gouverneur Haley Barbour. Barbour sagte nach dem Charleston-Attentat der "Washington Post" zufolge, die Fahne habe absolut nichts mit dem Massaker zu tun. "Sie ist Teil der Geschichte, genau wie George Washington, Thomas Jefferson und Andrew Jackson, die alle Sklavenbesitzer waren. Werden wir jetzt den Namen des Washington-Denkmals ändern?"

Doch ist die Südstaaten-Flagge ist ein Symbol des Stolzes auf die eigene Tradition, das es wert wäre, erhalten zu bleiben? Denn die Tradition, die diese Flagge repräsentiert, ist eine des Hasses. Ein blaues Andreaskreuz mit 13 Sternen auf rotem Grund - das steht für den Kampf gegen eine Welt, in der jeder Mensch gleich ist. Ein Kampf gegen elementare, universale Menschenrechte. Und deshalb gibt es nur einen Ort, an dem diese Flagge wehen sollte: das Museum.

Quelle: ntv.de