Politik
Bis zu 300 Schüler haben gegen die Abschiebung ihres Schulkameraden protestiert.
Bis zu 300 Schüler haben gegen die Abschiebung ihres Schulkameraden protestiert.
Donnerstag, 01. Juni 2017

Proteste an Nürnberger Schule: 20-jähriger Afghane drohte mit Anschlag

Ein 20-jähriger Afghane soll in Nürnberg abgeschoben werden. Hunderte Mitschüler protestieren, der Polizeieinsatz eskaliert. Gegenüber der Polizei drohte der Mann mit Rache, falls er abgeschoben wird.

Der junge Afghane, bei dessen Abschiebeversuch es in Nürnberg Tumulte gegeben hatte, hat bei dem umstrittenen Polizeieinsatz mit Rache gedroht. Als Polizisten ihn von einem von Demonstranten umstellten Streifenwagen in ein in der Nähe stehendes Polizeifahrzeug bringen wollten, habe er wütend gerufen: "Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um", sagte der Nürnberger Polizeidirektor Hermann Guth. Gegen den Einsatz der Beamten habe sich der 20-Jährige aggressiv zur Wehr gesetzt.

Nach offiziellen Angaben hat der Mann die bayerischen Ausländerbehörden jahrelang systematisch getäuscht. Der Anfang 2012 in Deutschland illegal Eingereiste sei nach Ablehnung seines Asylantrags acht Mal aufgefordert worden, sich für die Rückführung in sein Heimatland einen afghanischen Pass zu beschaffen. Das habe er jedes Mal abgelehnt, berichtete der mittelfränkische Regierungspräsident, Thomas Bauer.

Als der heute 20-Jährige schließlich im März eine Aufenthaltserlaubnis beantragt habe, habe er zur Überraschung der Zentralen Ausländerbehörde plötzlich einen bereits 2007 ausgestellten afghanischen Pass vorgelegt. Damit sei klar geworden, dass er die Behörden in der Passfrage seit Jahren getäuscht habe. "In dem Sinne ist das eine Straftat", unterstrich Bauer.

Neun Polizisten bei Einsatz verletzt

Polizisten wollten den Mann gestern im Unterricht an einer Berufsschule in Nürnberg verhaften und in Abschiebehaft nehmen. Hunderte Mitschüler reagierten mit einer Sitzblockade. Die Folge war ein größerer Polizeieinsatz, es kam zu tumultartigen Szenen. Neun Polizisten wurden verletzt, fünf Menschen vorübergehend festgenommen. An der Härte des Polizeieinsatzes hatte es massive Kritik gegeben. Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer etwa hatte das Vorgehen als "alles andere als sensibel" bezeichnet.

Zurzeit ist der 20-Jährige wieder auf freiem Fuß. Das örtliche Amtsgericht lehnte die von der Zentralen Ausländerbehörde der Regierung von Mittelfranken beantragte Abschiebehaft ab. Das Gericht sehe dafür keinen Anlass, sagte der Anwalt des jungen Mannes.

Abschiebungen nach Afghanistan sind wegen der unsicheren Lage in dem Land höchst umstritten. Ein für Mittwoch geplanter Abschiebeflug nach Kabul wurde wegen des verheerenden Anschlags in der afghanischen Hauptstadt verschoben. An ihrer Abschiebepraxis will die Regierung jedoch festhalten.

Quelle: n-tv.de