Politik

SPD verliert, Union bleibt schwach 21 Prozent für die Grünen

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Ein anonymer Zettel an einem Holzmast in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

70 Prozent der Deutschen stimmen den Thesen des früheren Berliner Finanzsenators Sarrazin zu. Eine Mehrheit hält seinen Rauswurf aus der SPD und seine Entlassung aus dem Bundesbank-Vorstand für falsch. Der SPD schadet die Debatte um Sarrazin: Sie verliert an Zustimmung. Die Grünen erreichen mit 21 Prozent einen neuen Rekord.

Jeder zweite Deutsche (50 Prozent) lehnt eine Entlassung des umstrittenen Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin ab. Das ergab eine Forsa-Umfrage für den "Stern". Dass die Bundesbank ihn vor die Tür setzen will, findet rund ein Drittel (34 Prozent) richtig. 16 Prozent haben bei der Frage keine Meinung.

In der vergangenen Woche hatte der Vorstand der Bundesbank entschieden, sich von Sarrazin wegen dessen Äußerungen Integrationsfähigkeit und genetische Disposition von Migranten zu trennen. Über die Abberufung muss nun Bundespräsident Christian Wulff entscheiden.

Das gleiche Bild ergibt sich bei der Frage, ob Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen werden sollte. 50 Prozent halten es für falsch, dass die Partei den früheren Berliner Finanzsenator nicht mehr als Mitglied dulden will. 34 Prozent sagen, es sei richtig, dass die Partei ihn loswerden will. Auch in der Anhängerschaft der SPD überwiegen die Ausschluss-Gegner: 50 Prozent der SPD-Wähler sind der Umfrage zufolge gegen einen Parteiausschluss des einstigen Berliner Finanzsenators, nur 43 Prozent befürworten ihn.

70 Prozent stimmen Sarrazin zu

Insgesamt finden Sarrazins Thesen in der Bevölkerung wenig Widerspruch. Gefragt, wie sie alles in allem Sarrazins Äußerungen bewerten, sagten 61 Prozent, sie stimmten ihnen teilweise zu, 9 Prozent teilten sie sogar ganz. 22 Prozent erklärten, Sarrazins Ansichten seien inakzeptabel. 8 Prozent hatten keine Meinung dazu.

Dennoch beurteilt Forsa-Chef Manfred Güller die Chancen einer "Sarrazin-Partei" skeptisch. Zwar könnten sich 16 Prozent der Deutschen vorstellen, eine solche Partei zu wählen. Aber das sei lediglich ein Indikator "für den Unmut in der Bevölkerung". Ein realistisches Wählerpotenzial sei dies nicht.

SPD verliert zwei Punkte, Grüne bei 21 Prozent

Die Debatte um Sarrazin kostet die SPD Zustimmung bei den Wählern. Im wöchentlichen "Stern"-RTL-Wahltrend, der ebenfalls von Forsa erhoben wird, sinken die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte auf 25 Prozent. Es ist ihr schlechtester Wert seit Mitte Mai. Die Grünen klettern dagegen um zwei Punkte und erzielen mit 21 Prozent ein neues Allzeithoch.

Schwarz-Gelb kann von dem Rückgang der SPD-Werte nicht profitieren. Die Union erreicht wie in der Vorwoche 31 Prozent. Die FDP geht um einen Punkt auf 5 Prozent zurück. Für "sonstige Parteien" würden sich 8 Prozent der Wähler entscheiden. Die Linke steigt um einen Punkt auf 10 Prozent. Damit liegt die Opposition aus SPD, Linken und Grünen 20 Punkte vor Union und FDP.

Forsa-Chef Güllner erklärte den Stimmenverlust der SPD damit, dass vielen ihrer Anhänger das, was Sarrazin anspreche, auf den Nägeln brenne. Gerade bei Arbeitern und ärmeren Schichten sei die Zustimmung zu den Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators groß. "Die sind sauer, dass die SPD ihre Energie auf den Parteiausschluss Sarrazins verschwendet, statt sich um ihre Probleme zu kümmern", sagte Güllner. Die Grünen würden profitieren, da deren Wähler Sarrazins Thesen am stärksten ablehnten.

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Teil 1: Die Linke

Teil 2: Die FDP

Teil 3: Die Grünen

Quelle: ntv.de, hvo/dpa/rts