Politik

Die Welt erlebt ein Déjà-vu Absturz von Flug MH17 erinnert an 1983

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Während der Trauerfeier für die verunglückten Passagiere der südkoreanischen Verkehrsmaschine im Sportstadion von Seoul. (Archivbild vom 07.09.1983)

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Parallelen sind erstaunlich: Am 1. September 1983 wird eine südkoreanische Passagiermaschine von sowjetischen MIGs abgeschossen. Wie beim Absturz von MH17 überlagern Schuldzuweisungen das tragische Schicksal der Opfer. Wie heute werden 1983 die Bergungsarbeiten behindert. Beide Fälle ereignen sich in Zeiten höchster Anspannung zwischen Ost und West.

Die dramatischen Ereignisse rund um den mutmaßlichen Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine wecken Erinnerungen an einen ähnlichen Vorfall zur Zeit des Kalten Krieges. In der Nacht zum 1. September 1983 wurde eine südkoreanische Passagiermaschine vor der Ostküste Russlands von sowjetischen Streitkräften abgeschossen. An Bord des Fluges 007 der Fluggesellschaft KAL waren 269 Menschen. Sie alle kamen im Japanischen Meer vor der russischen Insel Sachalin ums Leben.

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Die Parallelen zum Absturz der Boeing 777 von Malaysia Airlines sind erstaunlich: In beiden Fällen wurde in Zeiten höchster Anspannung zwischen Moskau und den westlichen Staaten die Passagiermaschine einer asiatischen Fluggesellschaft abgeschossen. Damals wie heute machten die USA und ihre Verbündeten Moskau direkt oder indirekt für das Unglück verantwortlich. 1983 wie 2014 überlagerte der Lärm gegenseitiger Schuldzuweisungen die tragischen Schicksale der gestorbenen Passagiere und Besatzungsmitglieder.

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1983 in Seoul: Angehörige erfahren vom Verschwinden der Boeing 747.

(Foto: AP)

Nachdem die südkoreanische Boeing 747 auf dem Weg von New York über Alaska nach Seoul verschwunden war, dauerte es fünf Tage bis Moskau einräumte, dass das Flugzeug von sowjetischen Kampfjets abgeschossen worden war. Der Kreml begründete den Abschuss mit dem Vorwurf, das Flugzeug sei auf einer Spionagemission gewesen. Tatsächlich kam die Boeing hunderte Kilometer vom Kurs ab und drang in den sowjetischen Luftraum ein.

Das Sterben dauerte zwölf Minuten

Anfang der 90er Jahre von Moskau herausgerückte Flugschreiber bewiesen aber, dass der Autopilot des Flugzeugs falsch eingestellt war. Es konnte ebenso nachgewiesen werden, dass ein Kampfjet vom Typ Suchoi-15 das Flugzeug zwar beschossen, aber nicht zerstört hatte. Vielmehr wurde die Maschine so schwer beschädigt, dass sie rapide in den Sinkflug überging. Zwölf Minuten lang trudelte die Boeing abwärts, bevor sie im Meer zerschellte.

Die Katastrophe geschah just zu einem der angespanntesten Momente des Kalten Krieges. Nicht zuletzt die harsche Rhetorik des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und die Rüstungspläne seiner Regierung hatten Moskau aufgeschreckt. Reagan hatte die Sowjetunion unter anderem als "Reich des Bösen" tituliert und eine Rüstungsinitiative angestrengt, die geeignet war, das militärische Gleichgewicht der Nuklearmächte zugunsten der USA zu verschieben.

Nach dem Absturz der südkoreanischen Maschine sprach Reagan von einem "Massaker" in der Luft. Washington beschuldigte zudem Moskau wiederholt, die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle und die Suche nach Opfern mit der Entsendung eigener Schiffe und U-Boote zu behindern.

Bis heute gilt der Vorfall als nicht zweifelsfrei aufgeklärt. Moskau beteuert, die Piloten der Passagiermaschine seien zunächst gewarnt worden, hätten aber nicht reagiert. Außerdem hielt sich ein US-Aufklärungsflugzeug in der Nähe der Unglücksmaschine auf. Vielen erscheint unwahrscheinlich, dass die Maschine zu einem solch sensiblen Zeitpunkt rein zufällig im sowjetischen Luftraum auftauchte.

Quelle: ntv.de, Giles Hewitt, rts