Politik

"Ganz neues Maß an Brutalität"Ärzte berichten von mehr als 16.000 Todesopfern im Iran

18.01.2026, 08:59 Uhr
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Auch in Madrid wurde am Samstag demonstriert. (Foto: REUTERS)

Das Mullah-Regime lässt auf die Demonstranten im Iran gnadenlos schießen. Die Opferzahlen könnten weit höher liegen als bereits befürchtet. Mediziner vor Ort erleben die Gräuel hautnah.

Ärzte im Iran gehen davon aus, dass bei der Niederschlagung der Massenproteste mindestens 16.500 bis 18.000 Menschen getötet sowie 330.000 bis 360.000 Männer, Frauen und Kinder verletzt wurden. Das berichtet die britische "Sunday Times". Die Zahlen wurden demnach in 16 Notaufnahmen und acht großen Augenkliniken im ganzen Land zusammengestellt. Die meisten Opfer sollen jünger als 30 Jahre gewesen sein.

Die Mediziner übermittelten die Zahlen dem Bericht zufolge via Elon Musks Satellitentechnologie Starlink, der iranisch-deutsche Augenchirurg Amir Parasta gab sie an die Zeitung weiter. "Das ist ein ganz neues Ausmaß an Brutalität", sagte Parasta. Er habe mit Dutzenden Ärzten vor Ort gesprochen, diese seien tief geschockt und weinten. Der Arzt hatte während der Proteste 2022 zahlreiche Verletzte behandelt und beim Aufbau eines Ärzte-Netzwerks im gesamten Iran mitgeholfen. Ein anderer Augenarzt sagte nun, "es gibt so viele Schussverletzungen am Auge, dass wir nicht wissen, wen wir zuerst behandeln sollen".

Iranische Aktivisten hatten berichtet, Sicherheitskräfte seien mit großer Gewalt gegen Demonstrierende vorgegangen. Menschen sollen gezielt mit Kopfschüssen getötet worden sein. Menschenrechtler meldeten bereits mehrere Tausend Todesopfer, allerdings deutlich weniger als nun die Ärzte. Auch Ajatollah Ali Chamenei hatte eingeräumt, dass es während der Proteste Tausende Tote gab. Einige Menschen seien auf "unmenschliche, brutale Weise" getötet worden. Der oberste Führer machte dafür die "Aufständischen" verantwortlich. Für die landesweiten Massenproteste hatte Chamenei US-Präsident Donald Trump verantwortlich gemacht.

Trump hatte zuletzt behauptet, die iranischen Behörden hätten die Hinrichtung von 800 Menschen abgesagt. Der Teheraner Staatsanwalt Ali Salehi wies eine Absage jedoch zurück - die Reaktion auf die jüngsten Demonstrationen werde "entschlossen, abschreckend und schnell" sein. Zuvor hatte Trump mit einem Militärschlag gedroht.

Ausgelöst wurden die Proteste Ende Dezember von einer dramatischen Wirtschaftskrise und sehr hoher Inflation. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Protesten gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Chamenei ist seit fast 37 Jahren als geistliches und politisches Oberhaupt der Islamischen Republik an der Macht.

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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