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Weder Fachanwalt noch Professor AfD-Europakandidat verwendet falsche Titel

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Auch in seiner Bewerbungsrede sagte Beck: "Ich bin Professor und Fachanwalt für EU-Recht in London".

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein AfD-Kandidat für die Europawahl verwendet einen Professorentitel und eine Jobbezeichnung, die er - zumindest in Deutschland - gar nicht hat. Gunnar Beck will sich nichts zu Schulden gekommen lassen haben. Doch seine Partei löscht seinen Titel nun von ihrer Seite.

Die AfD hat Konsequenzen aus dem Wirbel um das Führen eines Professorentitels durch ihren Europakandidaten Gunnar Beck gezogen und den Titel auf ihrer Internetseite gestrichen. Am Mittag war der 53-Jährige auf der Seite der Kandidaten für die Europawahl noch als "Prof. Dr. Gunnar Beck" vorgestellt worden. Darunter stand: "Prof. Dr. Gunnar Beck ist 53 Jahre alt." Am Abend wurde er als "DPhil Barrister-at-Law Gunnar Beck" präsentiert. Darunter steht nun nur noch: "Gunnar Beck ist 53 Jahre alt."

Zuvor hatte der Deutschlandfunk berichtet, Beck sei gar nicht Professor. Er unterrichte an der SOAS-University in London Europarecht und Rechtstheorie und trage dort die Bezeichnung "Reader in Law", nicht Professor. Das zuständige NRW-Wissenschaftsministerium habe mitgeteilt, die schlichte Umwandlung einer englischen Hochschulfunktion in einen deutschen Titel sei ausgeschlossen.

In seiner Bewerbungsrede auf dem AfD-Europawahlparteitag im vergangenen November hatte Beck gesagt: "Ich bin Professor und Fachanwalt für EU-Recht in London." Auch die Bezeichnung als Fachanwalt für Europarecht ist dem Deutschlandfunk-Bericht zufolge unzulässig. Ein Sprecher der Bundesrechtsanwaltskammer sagte dem DLF-Hauptstadtstudio, die Bezeichnung als Fachanwalt sei in Deutschland berufsrechtlich geschützt. Einen "Fachanwalt für Europarecht" gebe es nach deutschem Recht nicht.

Beck lehnt EU "grenzenlos" ab

Beck hatte sein Verhalten zuvor als "juristisch einwandfrei und inhaltlich richtig" verteidigt. "Viele britische Universitäten haben die Berufsbezeichnung des Readers mittlerweile durch die Bezeichnungen Associate Professor, Professor oder zuweilen Titular Professor ersetzt", so der AfD-Politiker. Wenn er seine Berufstätigkeit als Professur und Fach- oder Prozessanwalt für EU-Recht in London angegeben habe, sei "diese Übersetzung zutreffend".

Auf den Wahlunterlagen für die Europawahl am 26. Mai wird Beck dennoch mit dem Professorentitel geführt. Laut Bundeswahlleiter lasse sich das nicht mehr ändern, so der Deutschlandfunk. Beck hat auf Platz zehn der AfD-Liste für die Europawahl am 26. Mai gute Chancen, dem neuen EU-Parlament anzugehören. Die EU hält der 53-Jährige für den "größten Rechtsbrecher überhaupt". Seine Ablehnung der EU sei "grenzenlos", sagte er in seiner Bewerbungsrede für den Listenplatz. In London berate er die Brexit-Befürworter.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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