Politik

Lockerbie-Anschlag Al-Megrahi lebt noch immer

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Bei dem Anschlag am 22. Dezember 1988 starben 270 Menschen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor mehr als einem Jahr wurde der Libyer Al-Megrahi aus britischer Haft entlassen. Angeblich hatte er nur noch drei Monate zu leben. Heute lebt er noch immer, darf sein Haus aber nicht verlassen.

Der wegen des Lockerbie-Anschlages zu lebenslanger Haft verurteilte Libyer Abdel Basset al-Megrahi ist offenbar immer noch krank. Jim Swire, der Vater eines der Opfer des Anschlages, sagte der arabischen Zeitung "Al-Sharq al-Awsat", es gehe Al-Megrahi "aber gesundheitlich besser, als ich vermutet hatte". Swire, der seine Tochter bei dem Anschlag verlor, hält Al-Megrahi für unschuldig. Der Brite hatte ihn nach eigenen Worten kürzlich in Libyen besucht.

Der frühere libysche Geheimdienstagent war 2001 als einziger Täter für den Anschlag auf ein US-Flugzeug verurteilt worden, das nach einer Explosion an Bord 1988 über dem schottischen Ort Lockerbie abgestürzt war. Dabei waren 270 Menschen getötet worden. Die schottische Regierung hatte ihn im August vergangenen Jahres begnadigt und vorzeitig freigelassen, weil er wegen einer Krebserkrankung angeblich nur noch drei Monate zu leben hatte. Heute, mehr als ein Jahr später, lebt er in Libyen im Kreise seiner Familie.

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Abdel Basset al-Megrahi durfte am 20. August 2009 Großbritannien verlassen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Er kann das Haus nicht verlassen", erklärt ein Libyer, der Zugang zu der Familie hat, wobei nicht ganz klar ist, ob ihn seine Krankheit daran hindert oder ob er von den Behörden angewiesen wurde, sich nicht in der Öffentlichkeit blicken zu lassen.

Denn die Kritik an seiner Freilassung reißt nicht ab. Vor allem Politiker und Angehörige der Opfer in den USA sind der Meinung, dass er begnadigt wurde, damit die britische Ölfirma BP bessere Aussichten auf lukrative Geschäfte in Libyen hat. Einige von ihnen hatten sogar die Vermutung geäußert, Al-Megrahi sei gar nicht so krank, wie in einem ärztlichen Gutachten vor seiner Freilassung festgestellt worden war.

Swire hatte Al-Megrahi bereits in der Haft in Schottland besucht. Er glaubt, dass nicht er, sondern eine vom Iran gesteuerte palästinensische Splittergruppe den Anschlag auf das Flugzeug der US-Gesellschaft Pan-Am verübt hat. Al-Megrahi hat seine Schuld stets bestritten. Seine Berufung hatte er jedoch zurückgestellt, nachdem seine Freilassung beschlossen worden war.

Quelle: ntv.de, dpa

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