Politik

Landtagswahl im SüdwestenAlle Daten zur Wahl in Baden-Württemberg

09.03.2026, 12:51 Uhr
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Lange Wahlnacht in Baden-Württemberg: Beim ersten großen Votum des Jahres fahren die Grünen einen knappen Wahlsieg ein. Knapp zweieinhalb Stunden nach Mitternacht gibt die Landeswahlleiterin das vorläufige Endergebnis bekannt. Der Ausgang der Landtagswahl im Überblick.

Baden-Württemberg hat gewählt: Rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag, 8. März dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse im Stuttgarter Landtag neu zu bestimmen. Schon in den ersten Hochrechnungen am Wahlabend lagen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir knapp vorn. Mit dem vorläufigen Auszählungsergebnis ist klar: Die Grünen haben die erste Landtagswahl im Superwahljahr 2026 gewonnen.

Die Partei, die mit dem Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg bisher bereits den Ministerpräsidenten stellte, erreichte demnach 30,2 Prozent. Zweitstärkste Kraft im Land ist die CDU, die mit Spitzenkandidat Manuel Hagel 29,7 Prozent der Stimmen erhielt. Bei der Anzahl der Sitze im Landtag liegen beide Parteien gleichauf. Wie sehen die Wahlergebnisse im Detail aus?

Hinweis: Die Infografiken wurden am Wahlabend laufend aktualisiert.

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild von den politischen Kräfteverhältnissen im Südwesten: Grüne und CDU kommen im Fall einer Fortsetzung der grün-schwarzen Regierungskoalition weiterhin auf eine solide Mehrheit. Als drittstärkste Kraft und aller Voraussicht nach größte Oppositionspartei kann die AfD deutliche Stimmenzuwächse verzeichnen. Die Rechtspartei kam bei der Landtagswahl auf 18,8 Prozent.

Die SPD schafft es in Baden-Württemberg mit - für sozialdemokratische Verhältnisse - historisch schwachen 5,5 Prozent knapp in den Landtag. FDP und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde: Die Liberalen sind damit erstmal seit Jahrzehnten nicht mehr im Stuttgarter Landesparlament vertreten.

Der Urnengang im Südwesten markiert den Auftakt ins Superwahljahr 2026 mit insgesamt fünf Wahlentscheidungen auf Landesebene sowie mehreren Kommunalwahlen. Die Neubesetzung des Stuttgarter Landtags betrifft gleich einen beachtlichen Anteil der Bundesbürger: Mit rund 11,3 Millionen Einwohnern steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich auf Platz drei der bevölkerungsreichsten Bundesländer - hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Der Ausgang der Landtagswahl macht den Weg frei für eine mögliche Fortsetzung der bisherigen Regierungskoalition. Der seit 2011 regierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann will sein Amt allerdings abgeben. Grün-Schwarz kann in Stuttgart in den bisherigen Rollen mit den Grünen als stärkste Kraft und den Christdemokraten als Juniorpartner weitermachen.

Für die Wähler hielt die Landtagswahl ein Novum bereit: Bei der Stimmenvergabe und der Sitzverteilung kommt erstmals das veränderte Landeswahlrecht zur Anwendung. "Mit dem Gesetz zur Änderung der Verfassung des Landes Baden-Württemberg und des Gesetzes über die Landtagswahlen vom 26. April 2022 wurde das Landtagswahlrecht umfassend reformiert", fasste die Landeswahlleitung die Entwicklung zusammen. "Künftig haben die Wähler im Gegensatz zu den bisherigen Landtagswahlen nicht mehr nur eine, sondern zwei Stimmen."

Das reformierte Landeswahlrecht sieht nicht mehr nur eine, sondern zwei Stimmen je Wähler vor. Wie bei der Bundestagswahl wird in Baden-Württemberg damit zwischen Erst- und Zweitstimme unterschieden: Die Erststimme geht an Kandidierende im Wahlkreis und entscheidet über Direktmandate, die Zweitstimme geht an Parteien und deren Landeslisten.

"Mit der Erststimme wird ein Abgeordneter im Wahlkreis persönlich gewählt", erklärte Landeswahlleiterin Cornelia Nesch im Vorfeld. Das Direktmandat erhält die Kandidatin oder der Kandidat, der vor Ort die meisten Stimmen erreicht. Die Zweitstimme legt das Verhältnis der Sitzverteilung im Landtag fest und ist maßgeblich für die Verteilung der Sitze insgesamt auf die einzelnen Parteien. Erhält eine Partei über das Zweitstimmenergebnis mehr Sitze als Direktmandate, vergrößert sich der Landtag um entsprechend viele Überhangmandate.

Zugleich sank bei der Landtagswahl das Wahlalter: Erstmals waren am 8. März in Baden-Württemberg auch Jungwähler ab 16 Jahren wahlberechtigt. Dadurch vergrößert sich nur die Gesamtzahl der Wahlberechtigten auf den neuen Höchststand von rund 7,7 Millionen. Zugleich erhalten die jüngeren Generationen bei der Neubesetzung im Landtag mehr Gewicht. Rund 8,4 aller Wahlberechtigten können erstmals ihre Stimme abgeben. Das Statistische Landesamt rechnet mit bis zu 650.000 Neu- und Jungwählern.

Regionale Ergebnisse der Parteien

Rückblick: das Wahlergebnis 2021

Der baden-württembergische Landtag setzt sich regulär aus mindestens 120 Abgeordneten zusammen. Genau 70 dieser 120 Sitze wurden erstmals per Direktmandat in den 70 Wahlkreisen vergeben. Kandidatinnen und Kandidaten, die im Wahlkreis die meisten Erststimmen auf sich vereinigen konnten, erhalten damit ein Direktmandat - ihr Sitz im Landesparlament ist gesichert.

Die übrigen Sitze (regulär: 50) werden anschließend über Listenmandate aus den Landeslisten der Parteien aufgefüllt. Die Zuschnitte der Wahlkreise sind bekannt: Ihre Ausdehnung hat sich nach Angaben des Landesinnenministeriums seit der zurückliegenden Landtagswahl nicht verändert.

So hat Baden-Württemberg früher gewählt

Die Entwicklung der Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Landeswahlleiterin bei 69,6 Prozent und damit deutlich über dem Niveau der vorausgegangenen Landtagswahl 2021. Damals hatten nur 63,8 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Die bisher höchste Wahlbeteiligung bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg verzeichnete das Landesamt für Statistik im Jahr 1972 mit 80,0 Prozent, die niedrigste im Jahr 2006 mit lediglich 53,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, mmo

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