Landtagswahl im SüdwestenAlle Daten zur Wahl in Baden-Württemberg

Auftakt zum Superwahljahr 2026: Am zweiten Sonntag im März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Erstmals kommt das neue Wahlrecht zum Einsatz. Das Wahlalter sinkt, die Parteien bekommen über Landeslisten mehr Einfluss. Wie sehen die aktuellen Umfragen aus?
In Baden-Württemberg läuft der Wahlkampf auf vollen Touren: Am 8. März sind rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte - so viele wie noch nie - dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse im Stuttgarter Landtag neu zu bestimmen. In den Umfragen liegt die CDU bisher vorn. Die Grünen, die mit Winfried Kretschmann den ersten und bisher einzigen grünen Ministerpräsidenten stellen, ringen mit der AfD um Platz zwei.
Deutlich abgeschlagen wirken die Umfragewerte von Sozialdemokraten, Linken und FDP. Die SPD sehen die Meinungsforscher bislang bei nicht mehr als zehn Prozent. Die Linke kann mit leichten Gewinnen rechnen. Für die FDP könnte sich der Wiedereinzug ins Landesparlament schwierig gestalten: Die jüngsten Umfragen ergaben für die Liberalen lediglich Werte an der Fünf-Prozent-Schwelle. Bis zum Wahltag bleiben allerdings noch einige Wochen Zeit.
Der Urnengang im Südwesten markiert den Auftakt ins Superwahljahr 2026 mit insgesamt fünf Wahlentscheidungen auf Landesebene sowie mehreren Kommunalwahlen. Die Neubesetzung des Stuttgarter Landtags betrifft gleich einen beachtlichen Anteil der Bundesbürger: Mit rund 11,3 Millionen Einwohnern steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich auf Platz drei der bevölkerungsreichsten Bundesländer - hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Der Ausgang der Landtagswahl dürfte zudem die politischen Verhältnisse im Land verändern: Der seit 2011 regierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an. Ob Grün-Schwarz in Stuttgart mit vertauschten Rollen als Schwarz-Grün weitermachen kann, ist noch offen.
Die bisher als Juniorpartner in der grün-schwarzen Koalition mitregierenden Christdemokraten treten bei der Wahl mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel an. Die Grünen müssen im Wahlkampf durch Kretschmers Rückzug ohne Amtsbonus auskommen. Mit ihrem prominenten Spitzenkandidaten Cem Özdemir, bekannt unter anderem als früherer Bundeslandwirtschaftsminister, kämpfen sie um jede Stimme.
Spitzenkandidat der AfD ist Markus Frohnmaier, der für die Rechten bisher im Bundestag sitzt und im Landtag kein eigenes Mandat anstrebt. Die SPD zieht zum zweiten Mal mit Andreas Stoch in den Wahlkampf. Die Linke wirbt mit einer weiblichen Dreierspitze - Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei - um Stimmen. Bei der FDP steht wieder der Landesvorsitzende der Liberalen, Hans-Ulrich Rülke, auf Listenplatz 1.
Für die Wähler hält die Landtagswahl ein Novum bereit: Bei der Stimmenvergabe und der Sitzverteilung kommt erstmals das veränderte Landeswahlrecht zur Anwendung. "Mit dem Gesetz zur Änderung der Verfassung des Landes Baden-Württemberg und des Gesetzes über die Landtagswahlen vom 26. April 2022 wurde das Landtagswahlrecht umfassend reformiert", fasste die Landeswahlleitung die Entwicklung zusammen. "Künftig haben die Wähler im Gegensatz zu den bisherigen Landtagswahlen nicht mehr nur eine, sondern zwei Stimmen."
Neues Wahlrecht
Das reformierte Landeswahlrecht sieht nicht mehr nur eine, sondern zwei Stimmen je Wähler vor. Wie bei der Bundestagswahl wird in Baden-Württemberg künftig zwischen Erst- und Zweitstimme unterschieden: Die Erststimme geht an Kandidierende im Wahlkreis und entscheidet über Direktmandate, die Zweitstimme geht an Parteien und deren Landeslisten.
"Mit der Erststimme wird ein Abgeordneter im Wahlkreis persönlich gewählt", erklärte Landeswahlleiterin Cornelia Nesch. Das Direktmandat erhält die Kandidatin oder die Kandidat, der vor Ort die meisten Stimmen erreicht. Die Zweitstimme legt das Verhältnis der Sitzverteilung im Landtag und ist maßgeblich für die Verteilung der Sitze insgesamt auf die einzelnen Parteien. Erhält eine Partei über das Zweitstimmenergebnis mehr Sitze als Direktmandate, vergrößert sich der Landtag um entsprechend viele Überhangmandate.
Zugleich sinkt bei der Landtagswahl das Wahlalter: Erstmals sind am 8. März in Baden-Württemberg auch Jungwähler ab 16 Jahren wahlberechtigt. Dadurch vergrößert sich nur die Gesamtzahl der Wahlberechtigten auf den neuen Höchststand von rund 7,7 Millionen. Zugleich erhalten die jüngeren Generationen bei der Neubesetzung im Landtag mehr Gewicht. Rund 8,4 aller Wahlberechtigten können erstmals ihre Stimme abgeben. Das Statistische Landesamt rechnet mit bis zu 650.000 Neu- und Jungwählern.
Rückblick: Das Wahlergebnis 2021
Der baden-württembergische Landtag setzt sich regulär aus mindestens 120 Abgeordenten zusammen. Genau 70 dieser 120 Sitze werden künftig per Direktmandat in den 70 Wahlkreisen vergeben. Kandidatinnen und Kandidaten, die im Wahlkreis die meisten Erststimmen auf sich vereinigen können, erhalten damit ein Direktmandat - ihr Sitz im Landesparlament ist gesichert.
Die übrigen Sitze (regulär: 50) werden anschließend über Listenmandate aus den Landeslisten der Parteien aufgefüllt. Die Zuschnitte der 70 Wahlkreise sind bekannt: Ihre Ausdehnung hat sich nach Angaben des Landesinnenministerium seit der zurückliegenden Landtagswahl nicht verändert.
Am Wahltag, den 8. März, sind die Wahllokale wie üblich von 9.00 bis 18 Uhr geöffnet. "Die Stimmenauszählung erfolgt unmittelbar nach Schließung der Wahllokale", beschreibt die Landeswahlleiterin den geplanten Ablauf. Mit ersten Prognosen zum Wahlausgang ist unmittelbar nach Schließung der Wahllokale zu rechnen. Im Laufe des Abends werden zunehmend genauere Hochrechnungen folgen. Ein vorläufiges Wahlergebnis soll in Baden-Württemberg "noch am Abend des Wahltags" feststehen.
Das weitere Vorgehen ist bis ins Detail geregelt: Für die Berechnung der einer Partei zustehenden Sitze werden zunächst für jede Landesliste die gültigen Zweitstimmen aus allen Wahlkreisen addiert. Bei der Sitzverteilung werden nur jene Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent aller im Land abgegebenen gültigen Zweitstimmen erhalten haben. Direktmandate bleiben von der Fünf-Prozent-Hürde unberührt.
So hat Baden-Württemberg früher gewählt
Von der für die Vergabe der übrigen Sitze erforderlichen Gesamtzahl aller gültigen Zweitstimmen werden die Stimmen jener Wähler abgezogen, die mit ihrer Erststimme bereits für einen im Wahlkreis erfolgreichen Einzelbewerber gestimmt haben. Die Sitzverteilung wird sodann nach den verbliebenen Zweitstimmen der Landeslisten berechnet, die die Fünf-Prozent-Hürde erreicht haben. Von der Anzahl der Sitze einer Partei, die nach dem Zweitstimmenanteil ermittelt wird, werden zunächst die von der Partei in den Wahlkreisen erlangten Direktmandate abgezogen.
Direktmandat schlägt Landesliste
Wurden in den Wahlkreisen weniger Sitze erlangt, als der Partei nach ihrem Zweitstimmenanteil zustehen, kommt es in Höhe der Differenzzahl zur entsprechenden Verteilung von Listenmandaten. Die Reihenfolge der Sitzvergabe richtet sich nach der Reihenfolge der Bewerber auf der Landesliste. Wurden in den Wahlkreisen mehr Direktmandate erlangt als der Partei Sitze nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, bleibt die Landesliste der Partei unberücksichtigt.
Es entstehen Überhangmandate, die vollständig durch Ausgleichsmandate ausgeglichen werden. Zu diesem Zweck wird die Gesamtzahl der zu vergebenden Sitze über 120 hinaus erhöht und die Berechnung der Sitzverteilung auf die anderen Parteien nach dem Höchstzahlverfahren so lange fortgesetzt, bis die Anzahl der Sitze der Partei mit den meisten Überhangmandaten erreicht ist. Dadurch erhöht sich die Zahl der Sitze im Landtags entsprechend.
Insgesamt bewerben sich bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 566 Kandidatinnen und Kandidaten von insgesamt 18 Parteien um die Direktmandate in den Wahlkreisen. Dazu kommen nach Informationen der Landeswahlleitung fünf Einzelbewerberinnen beziehungsweise Einzelbewerber.
Das Bewerberfeld hat sich deutlich verkleinert: Bei der zurückliegenden Landtagswahl 2021 waren es noch 21 Parteien mit insgesamt 872 Wahlvorschlägen. Das Geschlechterverhältnis verändert sich nur langsam: Bei den aktuell Kandidierenden der Parteien handelt es sich den amtlichen Angaben zufolge um 389 Männer, 175 Frauen und zwei Personen mit diverser Geschlechtsidentität.
Der Frauenanteil von 30,92 Prozent liegt damit höher als noch 2021 (27 Prozent). Die fünf im Landtag vertretenen Parteien Grüne, CDU, SPD, FDP und AfD sind in allen 70 Wahlkreisen mit Bewerberinnen und Bewerbern vertreten, ebenso wie die Partei Die Linke, die es vor fünf Jahren zum ersten Mal überhaupt in den baden-württembergischen Landtag geschafft hatte.