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Monatelang in Türkei inhaftiert Amnesty-Mitarbeiter kommt frei

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Eine Frau demonstriert in Istanbul für die Freilassung des Amnesty-Ehrenvorsitzenden Kilic.

(Foto: AP)

Die türkischen Behörden werfen Taner Kilic vor, ein Gülen-Anhänger zu sein. Mehrere Monate sitzt er deswegen in U-Haft. Nun wird der Menschenrechtler auf freien Fuß gesetzt. Aber ihm droht immer noch eine langjährige Gefängnisstrafe.

Wenige Stunden nach der gerichtlich angeordneten Freilassung des Ehrenvorsitzenden von Amnesty International in der Türkei ist Taner Kilic auf freien Fuß gekommen. Der Amnesty-Türkeiexperte Andrew Gardner schrieb bei Twitter: "Okay jetzt können wir anfangen zu feiern. Taner ist wirklich frei!" Dazu veröffentlichte er ein Foto von Taner in Freiheit mit seiner Familie.

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Taner Kilic (hier ein Foto von 2016) durfte nun seine Familie endlich wieder in die Arme schließen.

(Foto: AP)

Kilic war am 6. Juni 2017 in Izmir unter dem Vorwurf festgenommen worden, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden türkischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülen bestreitet die Vorwürfe.

Amnesty forderte seit langem Kilics Freilassung und verwies darauf, dass es keinerlei Beweise gegen ihn gebe. Am 21. Juni hatte die türkische Justiz entschieden, ihn weiter in Untersuchungshaft zu behalten. Die nächste reguläre Anhörung war erst für den 7. November angesetzt.

Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidoo zeigte sich nach der Entscheidung des Istanbuler Gerichts "überwältigt von Freude". Über die nationalen Netzwerke schickte er ein Foto, auf dem Kilic seine Familienmitglieder umarmt. Zuvor hatte Naidoo geschrieben, bei aller Freude und Erleichterung bleibe auch Trauer darüber, was Kilic aufgrund seiner Inhaftierung verpasst habe. Außerdem mache es wütend, dass die Vorwürfe gegen ihn und die "Istanbul 10" nicht fallen gelassen worden seien. Kilic drohen im Fall seiner Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

Noch zehn weitere Aktivisten angeklagt

Zusammen mit Kilic sind zehn weitere Menschenrechtsaktivisten angeklagt. Sie waren im Juli 2017 während eines Workshops auf der Insel Büyükada bei Istanbul festgenommen worden. Unter ihnen sind die türkische Amnesty-Direktorin Idil Eser, der Deutsche Peter Steudtner und der Schwede Ali Gharavi. Sie wurden bei der ersten Anhörung Ende Oktober auf freien Fuß gesetzt, Steudtner und Gharavi kehrten daraufhin in ihre Heimatländer zurück.

Die Justiz wirft Kilic vor, den Messengerdienst ByLock auf seinem Handy gehabt zu haben. Dieser sei exklusiv zur Kommunikation von Gülen-Anhängern geschaffen worden. Laut Amnesty belegen mehrere Gutachten, dass es dafür keinen Beweis gibt. Außerdem habe Kilic ByLock nicht auf seien Handy gehabt. Zehntausende Menschen wurden in der Türkei wegen Nutzung von ByLock festgenommen, obwohl die App Experten zufolge auch außerhalb der Gülen-Bewegung benutzt wurde.

Die Entscheidung über Kilics Freilassung erfolgte wenige Stunden, nachdem ein anderes Gericht einen Antrag zurückgewiesen hatte, den US-Pastor Andrew Brunson aus der U-Haft zu entlassen. Die Inhaftierung des evangelikalen Pfarrers aus Izmir belastet seit Monaten das Verhältnis zu den USA, die deshalb Strafmaßnahmen gegen zwei türkische Minister verhängt haben. Der Streit hat die türkische Lira drastisch einbrechen lassen.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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