Politik

Gezielte Schüsse auf Studenten Angreifer stürmen Universität in Kabul

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Die Angreifer lieferten sich auf dem Campus Schusswechsel mit Sicherungskräften.

(Foto: REUTERS)

Es ist der zweite blutige Anschlag binnen Tagen auf eine Bildungseinrichtung in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Angreifer stürmen den Universitäts-Campus und schießen gezielt auf Studenten. Mindestens 19 Menschen sterben. Wer für den Angriff verantwortlich ist, ist bislang unklar.

Bei einem Angriff auf das Gelände der Universität von Kabul sind nach Angaben des afghanischen Innenministeriums mindestens 19 Menschen getötet und 22 weitere verletzt worden. Demnach hatten drei Bewaffnete das Areal gestürmt und sich sechs Stunden lang ein Feuergefecht mit afghanischen Eliteeinheiten geliefert. Der Einsatz dauere weiter an, hieß es. Einem Bericht zufolge wurde mindestens ein Angreifer getötet. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden nach Angaben eines US-Militärbeamten von der Nato-geführten Mission Resolute Support unterstützt.

Augenzeugenberichten zufolge hatten die Angreifer in Militäruniform bekleidet den Campus betreten und sich dann in einer der Fakultäten stundenlang ein Feuergefecht mit den afghanischen Sicherheitskräften geliefert. Über dem Campus waren Hubschrauber zu sehen. Zudem waren Explosionen sowie Schüsse zu hören. Augenzeugenberichten zufolge flüchteten Hunderte von Studenten, Professoren und Verwaltungsmitarbeitern aus dem Gebäude. Hunderte weitere Menschen seien von Sicherheitskräften in Sicherheit gebracht worden.

Die Schützen hätten Studenten ins Visier genommen und das Feuer auf Fliehende eröffnet, berichten Zeugen laut der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie schossen auf jeden Studenten, den sie sahen", sagte Fathullah Moradi. Er selbst sei mit einer Gruppe von Freunden durch eines der Tore der Universität entkommen.

Laut dem afghanischen Nachrichtenportal "Ariana News" begann der Angriff um 11 Uhr morgens (Ortszeit). Die Angreifer zündeten demnach Sprengstoff am Universitätseingang und stürmten danach die juristische Fakultät. Die Polizei hat laut dem Bericht bisher bestätigt, dass bisher mindestens ein Angreifer getötet wurde, andere halten sich jedoch weiter in der Universität versteckt.

Nato-Vertreter verurteilt Angriff

Die Nato verurteilte den Angriff: "Dies ist der zweite Angriff auf Bildungseinrichtungen in Kabul innerhalb von 10 Tagen. Afghanische Kinder und Jugendliche müssen sich sicher fühlen, wenn sie zur Schule gehen", schrieb der Hohe Zivile Vertreter des Militärbündnisses, Stefano Pontecoro, auf Twitter. Vor etwas mehr als einer Woche hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Selbstmordanschlag auf ein Bildungszentrum in Kabul verübt, bei dem 24 Menschen starben und 57 verletzt worden waren.

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Bisher hat sich noch niemand zu dem Anschlag auf die Universität in Kabul bekannt. Die militant-islamistischen Taliban dementierten, für das Attentat verantwortlich zu sein. Die Regierung in Kabul und die Taliban führen derzeit in der katarischen Hauptstadt Doha Friedensgespräche, die den jahrelangen Konflikt in dem Land beenden sollen.

Die Verhandlungen waren durch ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban zustande gekommen, das den schrittweisen Abzug der US-Truppen aus dem Land regelt. Wegen der anhaltenden Gewalt in Afghanistan gestalten sich die Friedensgespräche jedoch schwierig. Die afghanischen Behörden machen die Taliban immer wieder für Anschläge auf Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich; die radikalen Islamisten nutzen die Gewalt ihrerseits als Druckmittel in den Verhandlungen.

Quelle: ntv.de, kst/hul/dpa