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Noch 47 Plädoyers erwartet Anklage: Zschäpe dokumentierte NSU-Morde

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Der NSU-Prozess dauert inzwischen über vier Jahre. Beate Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen des NSU angeklagt.

(Foto: dpa)

Beate Zschäpe soll über die NSU-Morde genau Bescheid gewusst haben. Nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätte sie einen Schlussstrich ziehen können, erklärt die Bundesanwaltschaft. Stattdessen habe sie die Opfer bewusst verhöhnt.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft die Anschläge der Terrorzelle NSU fein säuberlich dokumentiert und damit von den Taten gewusst. Oberstaatsanwältin Anette Greger sagte im Münchner NSU-Prozess, nach der Beweisaufnahme sei davon auszugehen, dass Zschäpe das Archiv geführt habe und für die Dokumentation der begangenen Taten verantwortlich gewesen sei.

Das werde unter anderem durch Fingerabdrücke und DNA-Spuren der Hauptangeklagten auf Zeitungsartikeln belegt, die wiederum in Bekennervideos des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) zu sehen seien, sagte Oberstaatsanwältin Greger. Sie sprach im Anklage-Plädoyer von "starken Indizien", dass Zschäpe in die Materialsammlung und die Erstellung der Videos eingebunden gewesen sei.

Zudem soll Zschäpe bis zum Schluss hinter den Zielen des Nationalsozialistischen Untergrunds gestanden haben. Wie wichtig ihr der NSU gewesen sei, zeige sich daran, dass Zschäpe auch nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch die Bekennervideos zu den Mordtaten des NSU versandt habe, argumentierte die Oberstaatsanwältin.

Zschäpe verhöhnte die Opfer laut Anklage bewusst

Zschäpe habe nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos im November 2011 die Möglichkeit gehabt, einen Schlussstrich zu ziehen. Stattdessen sei es ihr darauf angekommen, die Opfer des NSU zu "verhöhnen". Deshalb habe sie möglichst viele Bekenner-DVDs verschickt mit Bildern der Ermordeten in ihrem Blut. Dass Zschäpe angegeben hatte, sie habe geglaubt, die Filme seien ein Bekenntnis zu den Raubüberfällen des NSU, nannte Greger absurd.

Zschäpe lebte mehr als 13 Jahre mit den beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. In dieser Zeit sollen die beiden Männer zehn Menschen ermordet haben. Neun der Opfer waren Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln. Zschäpe hat nach Überzeugung der Anklage von den Taten gewusst und diese unterstützt.

Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft ging an diesem Donnerstag in seinen dritten Tag. Insgesamt soll es 22 Stunden dauern. Die Strafmaßforderung wird voraussichtlich erst kommende Woche erfolgen. Außerdem stehen noch die Schlussvorträge der Nebenkläger an. Ihre Plädoyers sind nach dem der Bundesanwaltschaft dran.

In einem an die Prozessparteien verteilten Schriftsatz ist von 47 Einzelplädoyers die Rede. Nach Auskunft des Gerichts sind 95 Geschädigte oder Hinterbliebene von Mordopfern des NSU als Nebenkläger registriert. Sie werden von 60 Anwälten vertreten.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

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