Politik

R-Wert könnte Lage überschätzen Ansteckungsrate sinkt wieder auf 0,9

Nach wie vor gilt als zentrales Epedemie-Ziel, den Reproduktionswert in Deutschland auf unter 1 zu drücken. Zuletzt ist die Ansteckungszahl aber wieder gestiegen, was zu Zweifel an den ersten Lockerungsmaßnahmen führte. Doch ein neuer RKI-Bericht bringt wieder Hoffnung.

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass die Corona-Ansteckungsrate wieder auf 0,9 gesunken ist. Das geht aus dem aktuellen Lagebericht mit Datenstand 28. April 2020, 00 Uhr hervor. Zuvor war sie laut RKI von Sonntag auf Montag erstmals seit zwei Wochen wieder auf 1 gestiegen. Vom Wert 1 hatte RKI-Chef Lothar Wieler auch am Vormittag in einer Pressekonferenz berichtet. Er betonte dabei, die Reproduktionszahl dürfe bei der Bewertung des Epidemieverlaufs nicht isoliert betrachtet werden.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen im Schnitt von einem Infizierten angesteckt werden. In die Berechnung fließen laut RKI alle gemeldeten Fälle mit Erkrankungsbeginn bis drei Tage vor Datenstand an. "Fälle mit neuerem Erkrankungsbeginn wurden nicht berücksichtigt, da sie noch nicht in ausreichender Zahl übermittelt wurden und zu instabilen Schätzungen führen würden", heißt es.

In die Schätzung fließen bestimmte Annahmen ein: zum Beispiel, dass zwischen der Ansteckung und dem Einsetzen erster Symptome im Mittel fünf Tage vergehen. Laut RKI sind manche Annahmen veränderlich. In einem Bericht zur Methodik gibt das RKI zudem zu bedenken, dass auch die deutliche Erhöhung der Testkapazitäten - und dadurch vermehrt sichtbare Infektionen - dazu führen könnten, "dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätzt".

Als "entscheidenden Faktor, die Epidemie eindämmen zu können", bezeichnete Wieler bei der Pressekonferenz die Fähigkeit der Gesundheitsämter, Neuinfektionen zurückzuverfolgen. Da es allerdings starke regionale Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit gebe, forderte er, "die Gesundheitsämter massiv zu stärken".  Insgesamt lobte Wieler die bisherige Disziplin der Deutschen im Kampf gegen das Coronavirus. Die sinkenden Fallzahlen seien auf Basis der frühzeitig ergriffenen Maßnahmen "ein Erfolg, den wir uns hier alle erarbeitet haben".

Experten hatten vor einem Wiederansteigen des Werts über 1 gewarnt. Auch das RKI schreibt: "Gelingt das dauerhafte Niedrighalten der Reproduktionszahl unter 1 nicht, so setzt sich der anfängliche exponentielle Anstieg wieder fort."

Quelle: ntv.de, vmi/dpa

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