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Sex, Politik, Clinton Anthony Weiners schmutzige Geschichte

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Politisches Glamour-Paar: Anthony Weiner und seine künftige Ex-Frau Huma Abedin.

(Foto: imago/Future Image)

Eine Frau trennt sich von ihrem Mann, weil er sein Handy für sexuelle Eskapaden nutzt. Oder: Ein abgehalfterter Politiker wird in eine Sex-Falle gelockt, weil seine Frau für Hillary Clinton arbeitet. Die Geschichte von Anthony Weiner lässt viele Interpretationen zu.

Auf den ersten Blick hat dieser Skandal, der die US-Medien derzeit beschäftigt, nicht viel mit Politik zu tun. Eine Frau trennt sich von ihrem Mann, weil der anzügliche Bilder von sich an eine andere Frau geschickt hat.

Doch die Frau, die ihren Mann verließ, ist nicht ganz unbekannt. Es handelt sich um Huma Abedin, die engste Mitarbeiterin von Hillary Clinton. Und auch der Mann ist nicht irgendwer. Es ist Anthony Weiner, ein ehemaliger Kongressabgeordneter, der sich zweimal erfolglos darum beworben hat, Kandidat der Demokratischen Partei für die Bürgermeisterwahl in New York zu werden. Die beiden – sie Muslima, er Jude – waren seit 2010 verheiratet. Kein geringerer als Ex-Präsident Bill Clinton nahm seinerzeit die Trauung vor.

Was Weiner gemacht hat, nennt sich Sexting. Und es war nicht das erste Mal. 2011 gab er zu, dass er "Botschaften und Fotos eindeutiger Art mit ungefähr sechs Frauen im Laufe der letzten drei Jahre" ausgetauscht habe. Er nutzte dazu die Direktnachrichten-Funktion bei Twitter. Direktnachrichten sind nur für Sender und Empfänger zu sehen. Wiener bereute öffentlich und gab sein Abgeordnetenmandat auf.

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Die Frau hinter der Frau: Abedin und Clinton im Juni 2002. Clinton war damals Senatorin für New York.

(Foto: imago/Levine-Roberts)

Zwei Jahre später musste er mitten in den New Yorker Bürgermeister-Vorwahlen eingestehen, dass er mit dem Sexting nicht aufgehört hatte. 2012 habe er mindestens drei Frauen entsprechende Nachrichten geschickt. Bei der Pressekonferenz, auf der er sein Geständnis ablegte, stand seine Frau neben ihm. Abedin erklärte damals, ihre Entscheidung, bei ihrem Mann zu bleiben, sei ihr nicht leichtgefallen. "Anthony hat ein paar schreckliche Fehler gemacht", sagte sie. "Viel Arbeit und eine Menge an Therapie waren nötig, damit ich an den Punkt gelangen konnte, wo ich Anthony verzeihen konnte." Kurz bevor dieser zweite Skandal bekannt wurde, hatte Weiner die Wähler gebeten, ihm eine zweite Chance zu geben. Anders als seine Frau waren die dazu nicht bereit: In den Vorwahlen von 2013 scheiterte er.

Fotos für eine vollbusige Trump-Anhängerin

Seine dritte und jüngste Sexting-Affäre wurde am vergangenen Sonntag von der "New York Post" enthüllt. Weiner habe einer "vollbusigen Brünetten" Fotos von sich geschickt, schrieb das Boulevardblatt. Eines davon zeigt ihn mit weißen Boxershorts bekleidet und offensichtlich sexuell erregt. Das Bild, das die Zeitung am Montag auf ihrem Titelbild veröffentlichte, zeigt, dass Weiners und Abedins vierjähriger Sohn in diesem Moment direkt neben ihm lag.

Woher die "New York Post" das Foto hat, verrät sie nicht – aber man darf annehmen, dass es die Frau war, mit der Weiner sich austauschte, denn sie wird in dem Blatt zitiert. Beschrieben wird sie dort als Anhängerin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die ihren eigenen Twitter-Account bereits genutzt habe, um die demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton und US-Präsident Barack Obama zu attackieren.

Für Huma Abedin war der dritte Vorfall dieser Art zu viel. Am Montag teilte sie in einer schriftlichen Erklärung mit, dass sie sich von ihrem Mann trenne. Die 40-Jährige begleitet Hillary Clinton bereits seit 20 Jahren; sie war als Studentin Praktikantin im Weißen Haus, als Clinton First Lady war. Seit dem Jahr 2000 ist sie ununterbrochen Clintons Mitarbeiterin – in Wahlkämpfen, im Senat sowie im Außenministerium und zeitgleich in der Clinton Foundation. Der Sender NBC News nennt sie "die Frau hinter der Frau".

Trump sorgt sich um die USA

Für eine Rolle hinter den Kulissen war Abedin in den letzten Monaten allerdings recht häufig in den Schlagzeilen. Der Grund: Ihre Doppelrolle in der Stiftung und als Angestellte des Außenministeriums bringt auf den Punkt, was nicht nur Republikaner seit Jahren an Hillary und Bill Clinton kritisieren. Der Vorwurf lautet, dass die Clinton Foundation nur eine menschenfreundlich verbrämte Geldsammelmaschine ist, und dass Spender einen leichteren Zugang zu Hillary Clinton hatten, als diese Außenministerin war – vor allem Abedin soll solche Kontakte vermittelt haben. Für Clinton sind Vorwürfe wie dieser hochgefährlich. Einer Umfrage zufolge sagen nur 11 Prozent der Wähler, dass sie "ehrlich und glaubwürdig" ist. 16 Prozent sagen dies über Trump.

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Mittlerweile ist Huma Abedin selbst eine Berühmtheit - Clinton-Fans wollen auch mit ihr Selfies machen.

(Foto: imago/UPI Photo)

Da wundert es nicht, dass Trump sich den Weiner-Skandal nicht entgehen ließ. In einer Pressemitteilung äußerte er zwar Verständnis dafür, dass Abedin sich von ihrem Mann getrennt hat: "Huma hat eine weise Entscheidung getroffen. Ich kenne Anthony Weiner gut, und sie ist ohne ihn sehr viel besser dran", sagt er darin. Aber er nutzte den Vorfall auch, um Clinton anzugreifen. "Ich sorge mich um das Land, weil Hillary Clinton so leichtsinnig und nachlässig war, Weiner so nah an hochgradig geheime Informationen heranzulassen. Wer weiß, was er in Erfahrung gebracht und wem er es gesagt hat? Das ist nur ein weiteres Beispiel für Hillary Clintons schlechtes Urteilsvermögen. Es ist möglich, dass unser Land und seine Sicherheit dadurch großen Schaden genommen haben."

Republikanische Kongressabgeordnete vom Tea-Party-Flügel der Partei hatten schon 2012 versucht, Clinton über Abedin anzugreifen. Was sie aus deren Sicht verdächtig machte: Abedin spricht nicht nur fließend Arabisch, sie wuchs auch in Saudi-Arabien auf, weil ihr Vater dort als Herausgeber einer Zeitschrift arbeitete. Aus Sicht der Abgeordneten war sie damit eine potenzielle muslimische Spionin. Diese Vorwürfe wurden am Montag von der konservativen Nachrichtenseite Breitbart aufgegriffen. Dazu muss man wissen: Breitbart-Chef Stephen Brannon leitet seit zwei Wochen Trumps Wahlkampfteam.

Breitbart veröffentlichte am Montag ebenfalls neue E-Mails, die belegen sollen, dass Abedin Geldgebern der Clinton-Stiftung Zugang ins Außenministerium ermöglichte. Abedin habe "offensichtlich als Kanal zwischen Spendern der Clinton Foundation und Hillary Clinton gedient, während Clinton Außenministerin war".

Ganz unvorbereitet traf der jüngste Skandal weder Clintons Wahlkampfteam noch Huma Abedin. Bereits Mitte August hatte die "New York Post" berichtet, dass eine junge Republikanerin Weiner in einen Sex-Chat gelockt hatte.

In Clintons Umfeld hofft man nun laut "New York Times", dass sich der "fieberhafte Nachrichtenkreislauf" bald einem neuen Thema widmet. Dabei kann man die Geschichte auch als gute Nachricht für Clinton sehen, der konservative Verschwörungstheoretiker praktisch jede Missetat zutrauen. Anthony Weiner sei der lebende Beweis, dass die Clintons doch keine Menschen ermorden lassen, wie eine Journalistin auf Twitter schreibt.

Quelle: ntv.de