Politik

24 Prozent rechtsextrem Antisemitismus wird stärker in Thüringen

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Die neue Synagoge in Erfurt: Antisemitismus wird stärker in Thüringen.

(Foto: picture alliance / Bodo Schackow)

Eine Studie alarmiert die Regierung in Erfurt: In Thüringen bekommt der Antisemitismus Zulauf. Auch die Zahl von Menschen mit rechtsextremer Einstellung nimmt zu. Bei Jüngeren verfangen rechtsextreme Ideen allerdings deutlich weniger als bei Thüringern im mittleren Alter.

In Thüringen haben sich antisemitische Haltungen verstärkt. 16 Prozent der Thüringer stimmten in einer Umfrage der Aussage zu, Menschen jüdischen Glaubens hätten "etwas besonderes an sich und passen nicht so recht zu uns". Bei der Studie im Vorjahr hielten diese Aussage nur neun Prozent für richtig. Besonders deutlich steigt die Ablehnung gegenüber Juden bei Facharbeitern an. Dagegen gibt es bei Jüngeren zwischen 18 und 24 Jahren und Thüringern mit höherem Bildungsabschluss praktisch keine Veränderung ihrer Einstellung zu Menschen jüdischen Glaubens.

Die repräsentative Umfrage wird jährlich im Auftrag der thüringischen Landesregierung von der Universität Jena erarbeitet. Die Wissenschaftler registrierten auch eine größere Zahl von Thüringern, die der Ansicht sind, dass Deutsche anderen Nationen überlegen seien. Ebenso verharmlosen mehr Menschen den Nationalsozialismus. Insgesamt ist der Anteil der rechtsextrem eingestellten Thüringer laut Studie von 20 Prozent im Jahr 2018 auf 24 Prozent im Jahr 2019 gestiegen.

Rechter Antisemitismus dringt in gesellschaftliche Mitte vor

Wie bei der Zustimmung zu antisemitischen Thesen zeige sich auch beim Rechtsextremismus, dass jüngere Menschen sehr viel weniger anfällig für dieses Gedankengut seien als Menschen in der Mitte ihres Lebens, so die Studie. Vertreter der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen hatten schon vor dem Anschlag von Halle mehrfach vor einem Erstarken von antisemitischen und rechtsextremen Einstellungen gewarnt.

"Die Juden sind ängstlicher geworden. Und der Antisemitismus ist breiter geworden", hatte bereits im März der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, gesagt. Gerade der rechte Antisemitismus sei stärker in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. "Es ist nicht so, dass ich mehr Drohbriefe bekommen würde also früher", hatte Schramm gesagt. "Aber manche von denen, die ich heute bekomme, sind in bestem Deutsch verfasst."

Quelle: ntv.de, fni/dpa