Politik

Mit rauer Stimme für den Angeklagten Anwalt Berton vertritt Abdeslam

Es ist ein schwieriges Mandat, das Frank Berton da übernommen hat. Er soll Frankreichs ferzeitigen Staatsfeind Nummer eins verteidigen - Salah Abdeslam. Doch der 53-Jährige scheut keine Auseinandersetzung und auch nicht das Rampenlicht.

Frank Berton hat schon Angeklagte in einem aufsehenerregenden Missbrauchsskandal verteidigt, einen Islamisten nach einer Anschlagsserie Mitte der 90er und eine achtfache Kindesmörderin. Doch so sehr wie jetzt stand der 53-jährige Verteidiger mit der tiefen Stimme noch nie im Rampenlicht: Als Anwalt des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam vertritt er Frankreichs bekanntesten Häftling, der mitverantwortlich sein soll für die Ermordung von 130 Menschen.

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Den mächtigen Körper in eine schwarze Anwaltsrobe gehüllt, das Haar streng nach hinten gegelt, grauer Dreitagebart, so trat Berton am Pariser Justizpalast vor die Presse, nachdem er das Mandat übernommen hatte. Gegen Abdeslam war nach seiner Auslieferung aus Belgien gerade ein Terrorverfahren eingeleitet und Untersuchungshaft verhängt worden. "Er will zu einem späteren Zeitpunkt Rede und Antwort stehen, aber er betont, dass er Rede und Antwort stehen wird", gab der Anwalt mit rauer Stimme die Aussagen seines Mandanten wieder.

Die Verteidigung des 26-jährigen Islamisten ist die wohl größte Herausforderung in der Karriere des in der nordfranzösischen Stadt Lille niedergelassenen Anwalts, dessen dunkle Augen eingerahmt sind von dichten Augenbrauen und markanten Tränensäcken. Der Druck ist enorm: Abdeslam soll bei Planung und Ausführung der Anschläge vom 13. November eine zentrale Rolle gespielt haben, außerdem ist er vermutlich der einzige noch lebende Islamist, der an den Attacken direkt beteiligt war.

Keine Milde

Ermittler und Öffentlichkeit erwarten nicht nur neue Erkenntnisse zur Dschihadistenzelle; bei einem späteren Prozess dürften die Franzosen auch eine harte Strafe für den in Belgien geborenen Franzosen mit marokkanischen Wurzeln erwarten. Anwalt Berton vertritt jetzt den wohl meistgehassten Mann Frankreichs, den "Staatsfeind Nummer 1", mit Anfeindungen muss er rechnen.

"Er liebt Herausforderungen", sagt der französische Politiker Jean-Luc Romero, der Berton von einem früheren Fall kennt. "Er nimmt die Rolle des Anwalts an. Und in einer Demokratie muss man auch mutmaßliche Terroristen verteidigen."

Der im nordfranzösischen Amiens geborene Berton wurde 1989 in die Anwaltskammer von Lille aufgenommen. Landesweit bekannt wurde er Ende der 90er Jahre, als er einen wegen der Anschlagsserie in Paris im Jahr 1995 angeklagten Islamisten verteidigte. In einer Affäre um angeblichen Kindesmissbrauch in dem nordfranzösischen Städtchen Outreau, die sich als gewaltiger Justizskandal entpuppte, erzielte er einen Freispruch für seine beiden Mandanten.

Sein letzter großer Prozess liegt erst ein Jahr zurück: Im schlimmsten bekannten Fall von Kindstötung in Frankreich verteidigte Berton die Angeklagte Dominique Cottrez, die acht ihrer Babys nach der Geburt erwürgt hatte. Das Urteil fiel mit neun Jahren Gefängnis vergleichsweise milde aus.

Loyaler Gegner

Ein Jurist aus Lille bezeichnet Berton als besonders "kampflustigen" Verteidiger, der nicht nur seine Mandanten zu entlasten versuche, sondern auch immer auf der Suche nach Verfahrensfehlern sei. "Er war ein gefürchteter Gegner, aber loyal. Er machte keine Geschenke und mit niemandem gemeinsame Sache."

Aber auch kritische Stimmen gibt es. "Er ist in seinen Plädoyers immer an der Grenze zum Exzess", sagt ein Anwalt aus Lille. Außerdem liebe Berton medienwirksame Fälle. Über mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit jedenfalls wird sich Abdeslams neuer Anwalt nicht beschweren können.

Ein Prozess sei zur Wahrheitsfindung nötig, "sonst können wir auch die Guillotine aufbauen", sagte er vor Millionen von Fernsehzuschauern in den 20 Uhr-Nachrichten. Abdeslam dürfe nicht für die Anschläge insgesamt verantwortlich gemacht werden, nur weil er der einzige Überlebende der islamistischen Kommandos sei.

Unwohl schien Berton sich nicht zu fühlen vor den Kameras, und in einem Nebensatz ließ er fallen, dass Abdeslam so alt sei wie sein ältester Sohn. Die Verteidigung des Islamisten hat für Berton schon lange vor dem Prozess begonnen.

Quelle: n-tv.de, Renaud Lavergne und Fabian Erik Schlüter/AFP

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