Politik

Geheimnisverrat im Fall Lübcke Anwalt von Stephan E. verklagt Ermittler

121922813.jpg

Der Mordverdächtige Stephan E. beim Haftprüfungstermin in Karlsruhe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Geständnis des inhaftierten Stephan E. enthält brisante Details über den Mord an Walter Lübcke. Der Verdächtige hat die Aussage zurückgezogen, doch die Inhalte sind bereits öffentlich. Der Anwalt des Beschuldigten verklagt nun die Ermittler. Sie hätten gezielt die Medien informiert.

Nach Berichten über das widerrufene Geständnis im Mordfall Lübcke hat der Anwalt des Hauptverdächtigen Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Geheimnisverrats erstattet. Mehrere Redaktionen verfügten über Details zu dem Geständnis, "die nach Lage der Dinge nur aus der originalen Ermittlungsakte der Generalbundesanwaltschaft stammen können", teilte der Dresdner Jurist Frank Hannig auf seiner Webseite mit. Er vermutet ein Leck bei der Bundesanwaltschaft: "Es muss jemanden innerhalb der Ermittlungsbehörden geben, der diese Informationen gezielt an die Öffentlichkeit bringt."

Sein Mandant wolle nicht hinnehmen, dass die Öffentlichkeit geheime Akteninhalte kenne, so der Anwalt. Daher habe er eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe gestellt. Dem "Spiegel" sagte der Jurist, er selbst habe die mehr als 300-seitige Akte noch nicht vollständig gelesen, da habe er bereits wesentliche Details in der Presse gefunden. Die beiden vorhergehenden Anwälte des Tatverdächtigen schieden laut Hannig als Quellen aus, denn sie hätten keinen Zugang zu den Akten gehabt.

Der Rechercheverbund aus "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR hatte zuerst über Details aus dem Geständnis berichtet, das der Tatverdächtige Stephan E. vergangene Woche widerrufen hatte. So hatten die Medien unter Berufung auf die ursprüngliche Aussage des Hauptverdächtigen berichtet, dieser sei die Tat in den vergangenen Jahren schon mehrfach angegangen: Mindestens zwei Mal sei E. zu Lübckes Haus gefahren, jedes Mal bereits mit einer Waffe in der Tasche. Als er den CDU-Politiker schließlich am 2. Juni doch getötet habe, sei dies wortlos geschehen, hieß es in den Berichten.

Unklar ist, was der Widerruf für das Verfahren bedeutet - prinzipiell kann das Geständnis jedoch verwertet werden. E., der seit Mitte Juni unter dringendem Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzt, hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist. Er fiel wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

Mehr zum Thema