Politik

Vier Todesopfer bei Anschlag Attentäter von Wien wollte in Syrien kämpfen

In einem Ausgehviertel in der Wiener Innenstadt fallen am Abend Schüsse. Dabei werden vier Passanten getötet und mehrere Menschen verletzt. Sicherheitskräfte erschießen einen Angreifer. Die Behörden sprechen von einem Terroranschlag eines IS-Sympathisanten.

Bei der Terrorattacke am Montagabend in Wien sind nach Angaben der österreichischen Polizei vier Passanten getötet worden. Es handele sich um einen älteren Mann und eine ältere Frau, einen jungen Passanten und eine Kellnerin, sagte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dazu kommt der von der Polizei erschossene Täter. Die Polizei sprach außerdem von mindestens 15 zum Teil schwer verletzten Menschen, darunter ein Polizist.

Die Attacke geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Karl Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen, sagte Nehammer. Kujtim F. war 20 Jahre alt, österreichischer Staatsbürger und hatte nordmazedonische Wurzeln. Er war einschlägig wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft.

Bei dem Anschlag sei F. mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen. Darüber hinaus habe er eine große Menge Munition, eine Machete und eine Pistole getragen, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Der Attentäter sei "sehr umfassend vorbereitet" gewesen.

Laut den Behörden wollte der erschossene F. in der Vergangenheit nach Syrien ausreisen, um sich dort dem IS anzuschließen. Er sei daran gehindert worden und stattdessen am 25. April 2019 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, teilte Nehammer mit. Er sei am 5. Dezember "vorzeitig bedingt entlassen" worden. Demnach galt er als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes. Namen und Herkunft nach gehörte F. der albanischen Minderheit in Nordmazedonien an. Wie lokale Medien berichteten, stammt seine Familie aus dem Dorf Celopek (albanisch: Cellopek) nahe der Stadt Tetovo.

*Datenschutz

Im Umfeld des Täters wurden mehrere Objekte durchsucht. Es seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es am Morgen aus dem Innenministerium, wie die Nachrichtenagentur APA meldete. Das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt wurde weiträumig abgesperrt. Die Wohnung von F. sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz, neben Polizisten auch Soldaten. "Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt", sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Bevölkerung habe der Polizei inzwischen Tausende von Videoaufnahmen für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen wurden die Bürger aufgerufen, die Innenstadt zu meiden.

Der Terrorangriff hatte am Montagabend gegen 20 Uhr in einem Ausgehviertel begonnen, wo kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs waren. Dort befindet sich auch eine Synagoge. Der Polizei zufolge gab es sechs verschiedene Tatorte. Auf Videos, die der Privatsender Oe24 ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse auf einen Mann abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. Bei dem Angriff sei "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen worden - vor allem auf Menschen, die draußen saßen, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Kurz verurteilte den Angriff als "widerwärtigen Terroranschlag". Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte auf Twitter: "Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf." Sie sei "in diesen schrecklichen Stunden" in Gedanken bei den Wienern und den Sicherheitskräften. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer, den Verletzten wünsche sie vollständige Genesung.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: "Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nicht nachgeben." In Frankreich hatte es in den letzten Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa