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Tragödie nach Wahl im Norden Aufstieg und Fall des Jost de Jager

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Vielleicht entpuppt sich de Jagers Niederlage noch als Sieg - frühestens allerdings bei den nächsten Landtagswahlen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erst verliert die CDU in Schleswig-Holstein ihren beliebtesten Politiker. Dann stolpert sein Nachfolger über eine Affäre mit einer 16-jährigen Schülerin. Jost de Jager, Spitzenkandidat der Union im Norden, schafft es trotzdem, die Partei bei den jüngsten Landtagswahlen zur stärksten Kraft zu machen. Nur hat er nichts davon.

Wer hoch aufsteigt, fällt tief. Diese Binsenweisheit beschreibt die Lage des Spitzenkandidaten der CDU in Schleswig-Holstein ziemlich trefflich. Als Jost de Jager in den Wahlkampf einstieg, lag seine Partei am Boden. Sie hatte ihren Nord-CDU sortiert sich neu , den beliebten Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen. Und sie hatte ein Stück ihres Anstandes verspielt. Carstensen designierter Nachfolger, Boetticher kandidiert nicht mehr geführt zu haben. "Es war Liebe", sagte er. Ein Desaster für die wertkonservative Union. De Jager, ein 47-jähriger weitgehend unbekannter Mann in Schleswig-Holstein, führte die Union trotzdem zu einem Sieg. Doch nur einen Tag später stand er als größter Verlierer der Landtagswahlen da.

30,8 Prozent (22 Sitze) der Schleswig-Holsteiner stimmten für de Jagers CDU – mehr als für alle anderen Parteien. Noch am Wahlabend kündigte der Unionspolitiker an, Sondierungsgespräche mit allen anderen Kräften zu führen. Einige seiner Anhänger umjubelten ihn schon als den nächsten Ministerpräsidenten. Auch die Bundes-CDU sah die Führungsrolle bei ihrem Spitzenkandidaten. "Er ist der richtige Mann, Schleswig-Holstein in eine gute Zukunft zu führen", sagte Generalsekretär Hermann Gröhe. Gegen die Union sei "keine stabile Regierungsbildung möglich", fügte der parlamentarische Geschäftsführer Peter Altmaier hinzu.

Doch für eine schwarz-gelbe Regierung reicht es nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis nicht. Zwar hat die Kubicki siegt Rösler kaputt geschafft, doch im Vergleich zu den Landtagswahlen 2009 verlor sie einfach zu viele Stimmen. Sie fiel von 14,6 auf 8,2 Prozent (6 Sitze).

Kurz vor der Wahl schloss de Jager ein Dreierbündnis im Gespräch mit n-tv.de noch aus. Und auch am Tag danach gab es diese Option nicht – weil entweder die CDU nicht mit dem möglichen Koalitionspartner leben kann oder der Koalitionspartner nicht mit der CDU. Obwohl die Unions stärkste Kraft ist, erscheint selbst eine Große Koalition unter de Jagers Führung ausgeschlossen.

Ein Denkzettel für die Christdemokraten

Die SPD kommt mit ihren 30,4 Prozent (22 Sitzen), den Grünen (10 Sitze) und der Partei der dänischen Minderheit SSW (3 Sitze) genau auf die benötigte Mehrheit im Landtag. Alle drei Parteien ziehen die sogenannten "Dänenampel" einer Koalition mit der CDU vor. Eine Dänenampel verfüge "über eine verfassungskonforme Mehrheit von mindestens einer Stimme", sagte denn auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. "Am Ende werden wir mit Torsten Albig einen neuen Ministerpräsidenten der SPD im Norden haben." Ähnlich äußerte sich auch die Generalsekretärin der Sozialdemokraten, Andrea Nahles, bei n-tv: "Wir sind die stärkste Fraktion geworden, alle anderen Wahlziele haben wir erreicht. Wir können mit unseren Lieblings-Koalitionspartnern, das sind die Grünen und der SSW, regieren."

De Jager wird also trotz seines Aufstiegs aller Voraussicht nach in der Opposition landen. Und nicht nur das. Der Schleswig-Holsteiner CDU-Vorsitzende wird nicht einmal mehr im Landtag sitzen. De Jager trat in keinem Wahlkreis als Direktkandidat an. Er setzte darauf, über die Landesliste in den Landtag einzuziehen. Doch alle CDU-Mandate gingen an Direktkandidaten.

Dieser bittere Ausgang der Wahl muss für de Jager und seine CDU fast wie ein Denkzettel wirken. Denn bei den Landtagswahlen 2009 errang die CDU in Schleswig-Holstein mit der FDP auch keine Mehrheit der Stimmen. Dank elf Überhangmandate der Union konnte sie aber trotzdem regieren -  Carstensen geht von der Fahne

Am Tag nach der Wahl wollte de Jager die Niederlage nach dem vermeintlichen Sieg offenbar noch nicht an sich heranlassen. Allen Widerständen zum Trotz verkündete er am Morgen: Seine Partei habe nach einem sehr starken Schlussspurt die Nase vorn gehabt: "Knapp, aber vorn." Damit gehe der Auftrag einher, die Regierung zu bilden. "Wir wollen uns dieser Verantwortung stellen."

Vielleicht sagte de Jager das aber auch aus einem anderen Grund: Mit seinen 47 Jahren ist er noch jung. De Jager hat einen starken Wahlkampf geführt - daran gibt es kaum Zweifel. Er hat gezeigt, er kann die Union nach vorne bringen. Das könnte sich eines Tages für ihn auszahlen. Frühestens allerdings bei den nächsten Landtagswahlen.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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