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Erste Zahlen der Arbeitsagentur Ausbildungsprämie ist "Rohrkrepierer"

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Wenn Firmen das Ausbildungsniveau beibehalten, erhalten sie für jeden ab dem 1. August laufenden Vertrag 2000 Euro.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit einer Geldspritze will die Bundesregierung Ausbildungsplätze in der Corona-Krise erhalten. Doch bislang ziehen die Prämien nicht so richtig. Die FDP kritisiert "Mitnahmeeffekte".

Die Prämien der Bundesregierung zur Absicherung von Ausbildungen in der Corona-Krise stoßen bei den Firmen bislang auf mageres Interesse. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die ntv.de vorliegen. Demnach wurden bis Ende November 26.180 Anträge gestellt. 20.331 davon hat die BA bewilligt und 1594 Prämien ausgezahlt. Mit dem Programm "Ausbildungsplätze sichern" will die Bundesregierung kleine und mittelgroße Ausbildungsbetriebe unterstützen, die von der Corona-Krise nachweislich besonders stark betroffen sind.

Ziel ist, das Ausbildungsniveau trotz Corona-Krise aufrechtzuerhalten und Kurzarbeit bei Azubis zu vermeiden. Wenn Firmen das Ausbildungsniveau beibehalten, erhalten sie für jeden ab dem 1. August 2020 laufenden Vertrag 2000 Euro. Bislang wurde diese Ausbildungsprämie laut BA-Auskunft 7756 Mal beantragt und 526 Mal ausgezahlt.

Betriebe, die das Ausbildungsniveau gegenüber der Zeit vor der Corona-Krise sogar erhöhen, bekommen pro neuem Ausbildungsvertrag 3000 Euro. Dafür gab es 12.547 Anträge und 1068 Auszahlungen. Erst 28 Mal wurde die sogenannte Übernahmeprämie beantragt, die es für die Übernahme von Azubis einer insolventen Firma gibt. Sie wurde noch kein einziges Mal ausgezahlt.

Jens Brandenburg, Sprecher für berufliche Bildung der FDP-Bundestagsfraktion, nennt die Ausbildungsprämie einen "Rohrkrepierer". "Gerade einmal 20.000 Prämien sind bei bundesweit etwa 430.000 Ausbildungsbetrieben erschreckend wenig. Das ist kein Wumms, sondern ein homöopathisches Strohfeuer", so Brandenburg zu ntv.de. Die geringe Nachfrage sei absehbar gewesen. "Kein Unternehmen macht die Entscheidung für oder gegen eine mehrjährige Ausbildung an 3000 Euro mehr oder weniger fest."

Die FDP befürchtet eher einen Mitnahmeeffekt - und den dürfte es in der Tat geben. Laut Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele hatten viele Betriebe Ausbildungsverträge für 2020 bereits vor Beginn der Pandemie unterschrieben. Extra Geld bekommen sie trotzdem. Richtig ungemütlich für junge Menschen dürfte es erst zum nächsten Ausbildungsjahr werden, wenn Betriebe wegen des Katastrophenjahres 2020 bei den Lehrstellen kürzen.

Scheele zeigt sich dennoch zufrieden mit den Prämien. Sie hätten schon jetzt genutzt, das zeigten die Zahlen der Ausbildungsplätze, die den Umständen entsprechend gut seien. Die Hoffnung der Bundesregierung dürfte zudem sein, dass sich in den kommenden Wochen noch mehr Betriebe für die Prämien melden. Denn Geld fließt erst, wenn die Probezeit der Auszubildenden vorbei ist. Viele Arbeitgeber dürften laut Arbeitsagentur also so lange mit ihrem Antrag warten, bis ein Ende der Probezeit absehbar ist. "Mit den meisten Auszahlungen ist daher erst Anfang 2021 zu rechnen", so die BA.

Quelle: ntv.de

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