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760 Gefährder im Fokus BKA-Chef sieht weiter Terrorgefahr

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BKA-Chef Holger Münch bei einer Presseveranstaltung.

picture alliance/dpa

Sechs islamistische Anschläge sollen deutsche Behörden seit 2017 vereitelt haben. Nach Meinung von BKA-Chef Holger Münch ist die Gefahr neuer Anschlage aber nach wie vor vorhanden. Als Risiko bezeichnet der 57-Jährige aus der Haft entlassene Islamisten und Flüchtlinge, die sich radikalisieren.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben nach den Worten von BKA-Chef Holger Münch in den vergangenen zwei Jahren sechs islamistische Attentate verhindert. "Beispiele sind der sogenannte Rizin-Fall von Köln oder die Festnahme in Schwerin wegen eines geplanten Sprengstoffanschlages", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes dem Berliner "Tagesspiegel". Das Risiko eines Anschlags sei nach wie vor vorhanden. "Potenzielle Täter können dabei Personen sein, die sich hier in Deutschland im Stillen oder in der salafistischen Szene radikalisieren, ebenso wie Rückkehrer aus Syrien und dem Irak."

Münch fügte hinzu, dass viele Islamisten, die in Haft sitzen, in einigen Jahren entlassen würden. "Außerdem sehen wir weiterhin ein Risiko für eine Radikalisierung bei Flüchtlingen, die aufgrund von Krieg und Flucht traumatisiert sind, nach Halt suchen und anfällig sind, in die Fänge von radikalen Kräften zu geraten." Nach Auskunft von Münch zählt das BKA aktuell 760 Gefährder. Etwa 440 von ihnen leben in Deutschland, davon sind mehr als 130 in Haft. Das BKA ermittele derzeit in rund 170 von mehr als 1000 Verfahren zu islamistischem Terror in der Bundesrepublik. Seine Behörde übernehme meist komplexere Fälle.

Der BKA-Chef erläuterte zum zweiten Jahrestag des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, seine Behörde habe aus dem Fall des Attentäters Anis Amri Konsequenzen gezogen. "Wir haben gelernt, dass wir uns noch mehr mit der Person an sich beschäftigen müssen."

Am 19. Dezember 2016 war der islamistische Attentäter Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gefahren. Insgesamt wurden bei dem Anschlag 12 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt, viele von ihnen schwer.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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