Politik

Rückkehr nach Afghanistan BMI animiert Hunderte Kinder zur Ausreise

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Kinder vor einer Geflüchtetenunterkunft in Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Bundesinnenministerium fördert die Rückkehr von Kindern und Jugendlichen nach Afghanistan. Trotz der unübersichtlichen Gemengelage in dem Bürgerkriegsland sind seit 2016 über 1200 von ihnen ausgereist - mehr oder minder freiwillig.

Nach Auskunft der Bundesregierung sind seit 2016 bis zu 1257 afghanische Kinder und Jugendliche in Deutschland in ihre Heimat zurückgekehrt. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Inneres auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Demnach reisten 94 von ihnen unbegleitet, also ohne Eltern oder Angehörige. 650 der Rückkehrer waren zwölf Jahre oder jünger. Im ersten Halbjahr 2018 kehrten 36 Kinder und Jugendliche im Rahmen des Rückkehrförderprogramms REAG/GARP in ihre Heimat zurück. Dieses umfasst auch eine finanzielle Unterstützung in Form einer Art Starthilfe.

Die Linke kritisiert dieses Programm. "Was offiziell als freiwillige Rückkehr bezeichnet wird, dürfte in der Praxis meist eine Entscheidung sein, die angesichts einer konkreten Abschiebeandrohung getroffen wird", sagte Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wer kehrt schon ohne Not in ein Land zurück, in dem die Sicherheits- und Menschenrechtslage immer schlimmer wird?" Jelpke sprach von einer "erschreckenden Bilanz behördlicher Kindesfeindlichkeit".

Anlass für die Anfrage bei der Bundesregierung war ein Bericht der Kinderrechtsorganisation "Save the Children", der Mitte Oktober veröffentlicht wurde. 57 Kinder und Jugendliche, die aus Europa nach Afghanistan zurückkehrten, wurden für diesen Bericht befragt, 39 von ihnen fühlen sich in ihrer Heimat nicht sicher. Nur 16 junge Rückkehrer gehen in Afghanistan zur Schule. Bei zehn von ihnen versuchte jemand, sie für den bewaffneten Kampf zu rekrutieren. Acht der Kinder waren noch nie in Afghanistan, weil sie in Pakistan oder im Iran geboren wurden. Drei Viertel der Minderjährigen planen eine erneute Flucht.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Jelpke: "Die vollmundigen Versprechungen über Integrationsleistungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind." Viele dieser Minderjährigen seien in Deutschland aufgewachsen. "Die sogenannte Rückkehrförderung befördert nicht ihr Integration, sondern ihre Traumatisierung, und sie befördert die Kriegstoten von morgen", sagte Jelpke. Sie fordert eine "sichere Aufenthaltsperspektive", anstatt von Beförderung von Minderjährigen in den Bürgerkrieg. Im Regierungspapier zweifelt das Bundesinnenministerium die Aussagekraft des Berichts von "Save the Children" an. Dieser sei nicht repräsentativ. Das Rückkehrförderprogramm REAG/GARP ermögliche eine zusätzliche Förderung für Kinder und Jugendliche.

Quelle: lou

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