Politik

Antibiotikamast ungenügend bekämpft BUND kritisiert Aigner

28190076.jpg

Der Antibiotika-Einsatz ist in der Tiermast gängige Praxis. Der neue Gesetzentwurf tut zu wenig dagegen, sagt der BUND.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Konsequenzen, die aus der exzessiven Gabe von Antibiotika in der Tiermast gezogen werden, gehen dem BUND nicht weit genug. Die Umweltschützer bemängeln, dass der Gesetzentwurf von Agrarministerin Aigner etliche Lücken zulasse. Es werde nicht das Ziel verfolgt, die Medikamentengabe zu senken, heißt es.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) lehnt die von Agrarministerin Ilse Aigner zur Eindämmung des Antibiotika-Missbrauchs geplante Gesetzesänderung als unzureichend ab. In einer Stellungnahme des Verbandes zum Entwurf der Neufassung des Arzneimittelgesetzes heißt es, dort werde nicht das Ziel verfolgt, die Vergabe von Antibiotika zu senken. Es werde laut Entwurf nicht die eingesetzte Menge an Antibiotika erfasst, sondern lediglich die Zahl der Verabreichungen.

"Bei der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Ermittlung der Therapiehäufigkeit würde unberücksichtigt bleiben, welche Wirkstoffe in welcher Dosis zum Einsatz kommen", heißt es in dem BUND-Papier. Es gebe aber Präparate, die einmal eingesetzt einen über Wochen hohen Antibiotika-Spiegel in den Tieren bewirkten.

Im Januar zog das Agrarministerium erste Konsequenzen aus dem Skandal um die exzessive Vergabe der antibakteriellen Mittel in der Tiermast. In Nordrhein-Westfalen war festgestellt worden, dass bei der Hähnchenmast die Medikamente oft eingesetzt werden. Der BUND hatte zudem eine Stichprobe veröffentlicht, nach der in Hähnchenfleisch antibiotikaresistente Keime gefunden wurden. Dies wird auf den massenhaften Einsatz von Medikamenten zurückgeführt. Die resistenten Keime können auch Menschen gefährlich werden.

Verharren auf hohem Niveau

Der BUND kritisierte auch die in dem Entwurf vorgesehene Regel, künftig den Durchschnitt der Antibiotika-Behandlungen zu ermitteln und nur nach oben abweichende Betriebe von den Behörden überprüfen zu lassen. Damit würde man auf einem sehr hohen Behandlungsniveau stehenbleiben. Stattdessen sollte man auf Basis der jetzt tatsächlich eingesetzten Antibiotika eine Verringerung um 50 Prozent bis zum Jahr 2015 anstreben.

Die Umweltschützer monieren auch, dass den Behörden im Wesentlichen die Erfassung der Daten zum Antibiotika-Einsatz übertragen wird, sie aber keine wirksamen Strafen gegen auffällige Mäster beschließen dürfen. Besonders stößt sich der BUND daran, dass aus den Vorschriften zur Eindämmung der Medikamenten-Anwendung Zuchtbetriebe und Fischfarmen ausgenommen werden sollen. Gelobt wird, dass der Entwurf vorsieht, dass bestimmte Medikamente nur eingeschränkt eingesetzt werden dürfen.

Grundlegende Bedenken im Zusammenhang mit der Tiermast äußerte der BUND an der geplanten Tierschutz-Novelle. Die dort enthaltene Nutztierhaltungsverordnung sei eine wichtige Stellschraube für die Gesundheit der Tiere. Dies hänge davon ab, wie viel Platz in Ställen vorhanden sei. Hier seien keine Veränderungen vorgesehen. "Die Bundesregierung versäumt es somit sehenden Auges, diese Ursache für den zu hohem und missbräuchlichen Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung anzugehen", schlussfolgern die Umweltschützer.

Quelle: n-tv.de, rts

Mehr zum Thema