Politik

BUND-Studie zu Antibiotikaeinsatz Bauern sehen "Angstmache"

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Geflügel gilt den Verbrauchern als gesündere Alternative zu Schwein oder Rind. Doch die BUND-Ergebnisse legen einen anderen Schluss nahe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie aufgeschreckte Hühner reagieren Bauern-Vertreter auf eine nicht-repräsentative Studie des BUND, nach der jedes zweite Hähnchen in deutschen Supermärkten antibiotikaresistente Keime trägt. Von "purer Angstmache" ist die Rede. Verbraucherministerin Aigner will indessen handeln.

Nach den Enthüllungen des BUND zu Antibiotika in Hähnchenfleisch wirft die Geflügelwirtschaft der Umweltorganisation Panikmache vor. "Die BUND-Erhebung ist überhaupt nicht hilfreich. Im Gegenteil: Das ist pure Angstmache", sagte der Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Thomas Janning, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Sie verunsichere die Verbraucher, statt die Debatte zu versachlichen. Janning wies darauf hin, dass es sich nicht um eine repräsentative Studie handele. Gleichzeitig aber betonte er, er nehme das Thema "außerordentlich ernst".

Auch der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, sieht in der Erhebung des BUND "keine wirklich neuen Erkenntnisse". Die Menge an eingesetzten Antibiotika sei sogar rückläufig, sagte Born der NOZ. Der BUND attackiere zudem die Massentierhaltung, "ohne zu definieren, was er darunter versteht".

Aigner nimmt Länder in die Pflicht

Der BUND hatte zuvor bekanntgegeben, dass bei 20 Stichproben von Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern etwa jede zweite mit antibiotikaresistenten Keimen belastet war. Analysiert wurde für die nicht-repräsentative Untersuchung Frischfleisch aus Geschäften in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und der Region Stuttgart.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner bekräftigte derweil, die Bestimmungen für den Medikamenteneinsatz in der Tiermast verschärfen zu wollen. "Mein Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Mindestmaß zu beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden der Bundesländer deutlich zu erweitern", sagte sie der "Passauer Neuen Presse".

Grünen wollen weitergehendes Gesetz

Aigner forderte die Länder auf, scharf gegen Medikamentenmissbrauch in der Tiermast vorzugehen. Wo eindeutige Verstöße festgestellt würden, müssten diese "schnell und konsequent" von den Länderbehörden geahndet werden. "Wenn Antibiotika zum Beispiel illegal zur Wachstumsförderung eingesetzt werden, ist das kein Kavaliersdelikt", sagte die CSU-Politikerin.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat sich einem Medienbericht zufolge bei der US-Regierung über Facebook beschwert. Foto/Archiv: Ingo Wagner

Ilse Aigner will Antibiotika in der Geflügelmast den Kampf ansagen.

Der Bund sorge mit einem Gesetz, für den Aigner einen Entwurf vorlegen will, dafür, dass die Landesbehörden ihre Überwachungsaufgaben "noch effektiver, noch schneller und unbürokratischer" erfüllen könnten. Aigner: "Jedes Gesetz ist aber immer nur so gut wie seine Kontrolle. Ich appelliere deshalb an die zuständigen Bundesländer, die Kontrollen zu verstärken."

Das Ministerium will 2012 erstmals genaue Daten über die in Deutschland ausgelieferten Tierarzneimittel veröffentlichen. Dabei werde dann deutlich, in welchen Postleitzahl-Bezirken Tierärzte die meisten Antibiotika bezogen hätten.

Den Grünen geht der Vorstoß der Ministerin indessen nicht weit genug. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, forderte Aigner dazu auf, den Einsatz von Antibiotika "endlich auf die Einzelfallbehandlung bei einem erkrankten Tier zu beschränken".

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP