Politik

Regime-Change fällt wohl ausBericht: Israel ändert Taktik wegen möglichen Kriegsendes

27.03.2026, 09:59 Uhr
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Israelische Kampfjets nahe Teheran kurz nach Beginn des Iran-Kriegs. (Foto: picture alliance / Cover Images)

Noch läuft der Iran-Krieg auf Hochtouren. Die US-Regierung sucht allerdings händeringend nach einem Ausweg. Partner Israel wähnt ein nahes Ende. Daher ändert die Luftwaffe einem Bericht zufolge auch ihre Taktik. Statt Regimewechsel zielt Jerusalem nun auf etwas anderes ab.

Einem Bericht zufolge ändert Israel den Schwerpunkt seiner Luftangriffe im Iran. Hintergrund soll laut "Wall Street Journal" (WSJ) sein, dass die Netanjahu-Regierung ein nahendes Kriegsende annimmt und daher nicht mehr auf einen angestrebten Regimewechsel in Teheran hoffen kann. Demnach sollen nun erneut militärische Ziele in den Fokus genommen und die Fähigkeiten des Iran in diesem Bereich möglichst langfristig dezimiert werden.

In Jerusalem soll demnach die Überzeugung gereift sein, dass die US-Regierung aufgrund des unpopulären Iran-Kriegs an einem schnellen Ende des Konflikts interessiert ist. Mit der US-Politik vertraute Quellen bestätigen dem Magazin ein entsprechendes Vorhaben. Gerade US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach gesagt, dass eigentlich nahezu alle Ziele im Iran erreicht seien, die USA schon längst gewonnen hätten. Es fehle nur noch ein Deal mit Teheran. Der lässt allerdings auf sich warten. Es gibt erhebliche Zweifel, dass Verhandlungen, von denen Trump sprach, schon stattgefunden haben. Derzeit sieht es so aus, als ob Washington und Teheran derzeit nur Nachrichten über Vermittler austauschen, aber nicht direkt miteinander sprechen.

Für Israels Militär bedeutet das nach Einschätzung des "Wall Street Journal" bis zum Kriegsende so viel militärische Kapazität des Iran zu zerschlagen wie möglich. 18.000 Ziele hätten die USA und Israel seit 28. Februar attackiert. Nachdem wichtige Personen der iranischen Führung getötet wurden, nahm die Luftwaffe der beiden Staaten Stützpunkte der iranischen Sicherheitskräfte in den Fokus. Es wurden Flughäfen und Flugzeuge, Häfen und Schiffe sowie Polizeiwaffen angegriffen. Zudem wurden Waffenlager und Rüstungsfabriken attackiert. Auch Standorte des iranischen Atomprogramms wurden beschossen. Einige der bereits attackierten Ziele würden nun erneut unter Feuer genommen, so das WSJ. Die Hoffnung sei, so den Schaden zu vergrößern.

"Es sieht so aus, als würde sich der Fokus von einer Operation, die darauf abzielt, das Regime zu destabilisieren und aus dem Gleichgewicht zu bringen, hin zu einer Operation verlagern, die diese Gelegenheit nutzt, um die militärischen Fähigkeiten des Iran zu schwächen, bevor sie den Vorhang fallen lassen", zitiert das "Wall Street Journal" Farzin Nadimi, ein Iran-Experte des Thinktanks Washington Institute. "Fast jede mir bekannte Fabrik des militärisch-industriellen Komplexes wurde getroffen, die meisten davon mindestens zweimal", sagte er. "In dieser Hinsicht gehen sie sehr systematisch und akribisch vor."

Auch wenn Israel noch weitere Ziele zu treffen habe, würde es die Angriffe als Erfolg betrachten, selbst wenn diese jetzt enden sollten, sagten dem Bericht zufolge israelische Sicherheitsbeamte. Die USA und Israel hätten einen Großteil der Anlagen, die der Iran zum Bau von Raketen, Drohnen und Kriegsschiffen nutzte, schwer beschädigt oder zerstört, teilte das US-Zentralkommando am Mittwoch mit.

Allerdings gibt es an dieser Darstellung auch Zweifel. So zeigten sich einige ehemalige hochrangige israelische Sicherheitsbeamte hinsichtlich der beschworenen Erfolge weniger optimistisch, schreibt das WSJ. So habe der Iran nicht zugestimmt, die Urananreicherung einzustellen oder seine Bestände an hoch angereichertem Brennstoff auszuhändigen. Und er habe auch keinen Einschränkungen seines Arsenals an ballistischen Raketen oder der Finanzierung verbündeter Milizen im Nahen Osten zugestimmt.

Die arabischen Golfstaaten, die in Reaktion auf die Angriffe vom Iran beschossen wurden, befürchten, dass eine Beendigung der Kämpfe jetzt die Kontrolle des Iran über die Straße von Hormus nach dem Krieg ausweiten würde. Teheran könnte so Einfluss auf die Energieindustrie nehmen, die ihre wirtschaftliche Lebensader darstellt. Ein sofortiges Kriegsende würde zudem dazu führen, dass das iranische Regime die Kontrolle über die Straßen und die militärischen Operationen eindeutig behält.

Denn anders als Israel und die USA es erhofften, oder zumindest öffentlich bekundeten, wankt die Führung in Teheran keineswegs. Die Bevölkerung ist trotz Aufforderung nicht auf die Straße gegangen, um Revolutionsgarden oder Basidsch-Milizen zu attackieren. Es gab seit Kriegsbeginn so gut wie keine Proteste im Land. Damit war bei mehreren hundert Bombeneinschlägen täglich auch nicht zu rechnen.

Inwieweit weitere Truppenentsendungen der USA nun noch etwas bewirken sollen, ist unklar. Es ist derzeit allerdings nicht davon auszugehen, dass ein Bodeneinsatz zum Sturz des Regimes geplant ist. Vielmehr könnten US-Truppen strategische Inseln in der Straße von Hormus oder dem Persischen Golf besetzen, um die Blockade dort aufzulösen. Ebenso könnte die Insel Charg besetzt werden, über die 80 bis 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.

Quelle: ntv.de, als

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