Politik

Taskforce im Fall Amri Berliner Polizei machte Hunderte Fehler

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Im Dezember 2016 rast Anis Amri in einem gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Um die Ermittlungspannen gegen den Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri aufzuarbeiten, hat die Berliner Polizei eine Taskforce eingesetzt. Ihr Bericht zählt zahlreiche Fehler der Beamten auf. Die Wirkungen waren verheerend.

Interne Ermittler haben einem "Spiegel"-Bericht zufolge zahlreiche weitere Versäumnisse der Berliner Polizei im Fall des Attentäters Anis Amri entdeckt. So seien abgehörte Telefonate nicht übersetzt und Observationen zu früh beendet worden, berichtet das Magazin aus dem 188 Seiten langen Bericht der Taskforce "Lupe", die der Berliner Polizeipräsident im Mai vergangenen Jahres eingesetzt hatte. Damit seien Chancen verpasst worden, Amri frühzeitig ins Gefängnis zu bringen.

Die Berliner Ermittler hätten es versäumt, "Vorgänge zusammenzuführen, Ermittlungen zu bündeln und auszuweiten sowie zielgerichtet Maßnahmen der Inhaftierung oder der Abschiebung gegen ihn zu initiieren", zitierte der "Spiegel" aus dem Polizeibericht. Insgesamt stellte die Taskforce demnach 254 Mängel im Umgang mit Amri fest. 32 bezeichnete sie als schwer, weil sie sich auf das Ermittlungsergebnis ausgewirkt hätten.

So sei in 590 der abgehörten Telefongespräche von strafbaren Handlungen die Rede gewesen, es habe klare Hinweise auf mindestens zehn verschiedene Straftaten Amris gegeben. Die Ermittler hätten allerdings jedes vierte Telefongespräch erst gar nicht auf Deutsch übersetzen lassen. Andere Dialoge seien nur unzureichend übersetzt worden.

"Grob lückenhafte Aktenführung"

Insgesamt rügten die Kontrolleure eine "grob lückenhafte Aktenführung". Konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag habe es in den Telefonaten allerdings nicht gegeben.

Der Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zwölf Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt. Nach vier Tagen auf der Flucht wurde Amri am 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle im Großraum Mailand erschossen.

In dem Fall gab es eine Serie von schweren Fehlern, die nach und nach ans Licht kamen. Mit den Pannen befassen sich Untersuchungsausschüsse des Bundestags und der Landesparlamente in Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Quelle: ntv.de, lri/dpa/AFP

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