Politik

Müller siegt gegen Chebli Berlins Bürgermeister entgeht Demütigung

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Müller wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf um ein Bundestagsmandat bewerben.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Michael Müller will im kommenden Jahr in den Bundestag einziehen. Doch in gleich zwei Berliner Wahlkreisen wird dem Regierenden Bürgermeister eine Kandidatur streitig gemacht. In einer Mitgliederbefragung setzt er sich gegen SPD-Aufsteigerin Chebli durch - überraschend knapp.

Die Mitglieder der SPD im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf schicken den Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller, im kommenden Jahr in das Rennen um ein Bundestagsmandat. In einer Befragung unter den 2459 Mitgliedern setzte sich Müller mit 58 Prozent der Stimmen gegen Sawsan Chebli durch. Müllers Staatssekretärin erhielt 40 Prozent der abgegebenen 1456 Stimmen, ein beachtliches Ergebnis für die weniger bekannte 42-Jährige.

Müller wurde unter anderem vom SPD-Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann unterstützt, so wie der Kreisverband überhaupt als einer der wichtigsten Unterstützer des in seiner Partei stets umstrittenen Müller gilt. Chebli konnte zumindest auf die Stimmen der meisten Jusos hoffen.

Chebli gratulierte Müller umgehend und bedankte sich für die "grandiose" Unterstützung, die sie in den vergangenen Wochen erfahren habe. "Ich bin überzeugt, dass der faire demokratische Wettbewerb, den wir in den letzten Wochen geführt haben, der SPD nicht geschadet hat, im Gegenteil: Er stand unserer Partei gut zu Gesicht", erklärte Chebli. Sie sicherte Müller ihre Unterstützung für den Bundestagswahlkampf zu. Sie wolle sich weiterhin dafür engagieren, "dass die SPD im Bezirk, in Berlin und auch auf Bundesebene mehr junge, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationsgeschichte" in der Parteiführung und als Kandidaten aufstellt.

Müller bedankte sich bei den Mitgliedern. "Die Mitgliederbefragung war ein guter und intensiver Prozess, mit dem wir die innerparteiliche Demokratie gestärkt haben", erklärte er. Chebli erwähnte er nicht namentlich. Es war in Teilen der Partei als Affront gewertet worden, dass Chebli gegen ihren vermeintlichen Förderer Müller angetreten war und ihn so beinahe um einen würdigen Abgang aus dem Roten Rathaus gebracht hatte.

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Chebli konnte den Kreisverband nicht hinter sich bringen.

(Foto: dpa)

Eine der streitbarsten bis interessantesten Persönlichkeiten

Chebli gilt, je nach Standpunkt, als eine der streitbarsten bis interessantesten Persönlichkeiten im Berliner Politikbetrieb. Die frühere Vize-Pressesprecherin des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier und heutige Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund hat einen Bildungsaufstieg ganz nach dem Geschmack ihrer Parteigenossen hingelegt.

Das zwölfte von 13 Kindern palästinensischer Flüchtlinge sorgt mit ihrem selbstsicheren Auftreten nicht nur in den sozialen Medien immer wieder für Aufmerksamkeit, wo sie insbesondere auf Twitter mitteilungsfreudig und zuweilen streitlustig ist. Chebli fordert Anerkennung für die geleisteten Integrationsbemühungen vieler Einwanderer ein und macht sich für deren Integration in allen Bereichen der Gesellschaft stark. Dass Chebli ihren eigenen Aufstieg immer wieder als Beispiel dafür anführt, was Einwanderer Deutschland geben können, legen ihr Kritiker als Eigenlob und Egozentrik aus. Chebli wurde in den vergangenen Jahren immer wieder rassistisch, muslimfeindlich und sexistisch angefeindet.

Giffey übernimmt Landesverband

Müller hatte sich Anfang des Jahres - auch mit Blick auf schwache Umfragewerte - zu einem Rückzug von der Parteispitze bereit erklärt und dazu, nicht erneut als Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 anzutreten. Die Parteiführung sollen sein Widersacher, der SPD-Fraktionschef Raed Saleh, und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Tandem übernehmen. Es wird erwartet, dass die frühere Bürgermeisterin des Bezirks Neukölln im kommenden Jahr Spitzenkandidatin wird. Beide sollen am kommenden Samstag beim Landesparteitag gewählt worden, der wegen der Corona-Maßnahmen allerdings inzwischen auf der Kippe steht.

Müller wollte sich ursprünglich in seinem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg um die Kandidatur für ein Bundestagsmandat bewerben. Dort war ihm jedoch der scheidende Juso-Chef Kevin Kühnert zuvorgekommen. Als er in den benachbarten Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ausweichen wollte, meldete dort auch Chebli ihr Interesse an. Die Bewerber einigten sich schließlich auf eine Mitgliederbefragung.

Müllers Einzug in den Bundestag ist mit dem Ergebnis der Befragung, dem noch eine offizielle Nominierung folgen muss, keinesfalls gesichert. Der Wahlkreis war 2017 an die CDU gegangen. Es wird erwartet, dass Müller seine Kandidatur über einen Platz auf der Landesliste absichert. Allerdings könnte den ersten Platz erneut Kühnert für sich beanspruchen.

Quelle: ntv.de