Politik

Biden da, aber wo steckt Trump? Bewegende Szenen beim 9/11-Gedenken

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US-Präsident Biden war ebenso am Ground Zero wie der frühere Präsident Obama (l.). George W. Bush sprach in Pennsylvania. Donald Trump glänzte mit Abwesenheit.

(Foto: AP)

Dort, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen, beginnt nun das Gedenken an die Katastrophe vom 11. September 2001. Dabei kommt es zu bewegenden Szenen, als Angehörige der Opfer das Wort ergreifen. Und ein logischer Gast fehlt.

In bewegenden Trauerfeiern zum 20. Jahrestag der verheerenden Anschläge des 11. September haben die Vereinigten Staaten von Amerika der Opfer gedacht. Im Beisein von US-Präsident Joe Biden leitete um 8.46 Uhr (Ortszeit) der Klang einer Glocke eine Schweigeminute am Anschlagsort im Süden Manhattans in New York ein - genau zu der Zeit, an der islamistische Terroristen vor 20 Jahren das erste von vier entführten Flugzeugen in einen der Zwillingstürme des World Trade Centers geflogen hatten.

Nach der Schweigeminute verlasen Angehörige die Namen der fast 3000 Getöteten teilweise unter Tränen. Die Terroristen hatten am 11. September 2001 vier Flugzeuge gekapert. Nachdem sie American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers gesteuert hatten, flog kurze Zeit später ein weiteres Flugzeug in den Südturm. American-Airlines-Flug 77 lenkten die Angreifer dann in das Verteidigungsministerium in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem die Menschen an Bord Widerstand gegen die Entführer geleistet hatten.

Auch am Pentagon und der Absturzstelle in Shanksville fanden Trauerveranstaltungen statt. In Pennsylvania nahm George W. Bush teil, der am 11. September US-Präsident war. Zur Trauerfeier an der heutigen Gedenkstätte in New York kamen neben Präsident Biden und First Lady Jill Biden auch zahlreiche Angehörige von Opfern sowie Überlebende. Auch die ehemaligen Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton waren mit ihren Ehefrauen anwesend.

Der direkte Vorgänger Bidens, Donald Trump, fehlte hingegen bei den offiziellen Gedenkfeiern. Die "New York Post" berichtete, er wolle Ground Zero nach dem Ende der offiziellen Gedenkfeiern besuchen. Der gebürtige New Yorker hatte an diesem Samstag bereits Biden in einer Videobotschaft wegen des Abzugs aus Afghanistan kritisiert. Am Abend soll er einen Boxkampf im Fernsehen kommentieren.

Springsteen singt, Biden schweigt

Bei der offiziellen Gedenkfeier solle an "ganz normale Menschen" gedacht werden, sagte zum Auftakt Mike Low, dessen Tochter Sara als Flugbegleiterin arbeitete. Sie kam in einer der gekaperten Maschinen am 11. September ums Leben. "In den vergangenen 20 Jahren hat meine Familie unglaubliches Leid erfahren bei dem Gedanken an die Leben, die nicht mehr gelebt werden konnten", sagte er. Danach sang Bruce Springsteen sein Lied "I'll See You In My Dreams". Eine Rede Bidens war nicht vorgesehen.

Ex-Präsident Bush beschrieb den 11. September als einen Tag extrem gemischter Gefühle beschrieben. Es habe Entsetzen geherrscht "angesichts des Ausmaßes der Zerstörung" und "der Kühnheit des Bösen", gleichzeitig habe es wegen des Heldenmutes der Einsatzkräfte, des Militärs und der plötzlichen Solidarität und gegenseitigen Hilfe unter Amerikanern "Dankbarkeit" und "Ehrfurcht" gegeben, sagte Bush am Samstag bei einer Gedenkveranstaltung. "Wir waren stolz auf unser verwundetes Land", sagte Bush, der zum Zeitpunkt der Anschläge Präsident war. Bei der Veranstaltung in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania dankte Bush ausdrücklich allen, die seit den Anschlägen im Dienst des US-Militärs gegen den Terrorismus und für den Schutz des Landes gekämpft hätten. "Sie haben ihre Mitbürger vor Gefahren geschützt", sagte Bush. "Sie sind für diese Welt eine Kraft des Guten gewesen."

Die nationale Einheit sei die größte Stärke der Vereinigten Staaten, hatte Biden anlässlich des Gedenkens bereits im Vorfeld per Videobotschaft gesagt. In den Tagen nach den Anschlägen sei heldenhaftes Handeln, Widerstandskraft und "ein wahres Gefühl der nationalen Einheit" demonstriert worden. Ex-Präsident Obama sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und gedachte der damaligen Einsatzkräfte. Auch der Mut des Militärs in den vergangenen 20 Jahren habe geholfen, Osama Bin Laden zur Strecke zu bringen. Obama war Präsident, als eine Spezialeinheit des Militärs den damaligen Al-Kaida-Chef in Pakistan tötete, der die Anschläge initiiert hatte.

Bush beschrieb den Tag der Anschläge vom 11. September als einen Tag extrem gemischter Gefühle. Es habe Entsetzen geherrscht "angesichts des Ausmaßes der Zerstörung" und "der Kühnheit des Bösen", gleichzeitig habe es wegen des Heldenmutes der Einsatzkräfte, des Militärs und der plötzlichen Solidarität und gegenseitigen Hilfe unter Amerikanern "Dankbarkeit" und "Ehrfurcht" gegeben, sagte er bei der Gedenkveranstaltung in Pennsylvania. "Wir waren stolz auf unser verwundetes Land", sagte Bush, der zum Zeitpunkt der Anschläge Präsident war. In Shanksville dankte Bush ausdrücklich allen, die seit den Anschlägen im Dienst des US-Militärs gegen den Terrorismus und für den Schutz des Landes gekämpft hätten. "Sie haben ihre Mitbürger vor Gefahren geschützt", sagte Bush. "Sie sind für diese Welt eine Kraft des Guten gewesen."

Nach den Schockwellen, die der 11. September in die Welt aussendete, wurde zum ersten und bislang einzigen Mal in der Bündnisgeschichte der NATO der Artikel 5 aktiviert, nach dem ein bewaffneter Angriff auf ein NATO-Mitglied als Angriff gegen alle Mitglieder gewertet wird. Dies führte dazu, dass Deutschland und zahlreiche andere NATO-Staaten sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida in Afghanistan beteiligten. Dieser Einsatz ging vor wenigen Tagen nach einem chaotischen und als überstürzt kritisierten Abzug der Truppen zu Ende - die Taliban eroberten das Land innerhalb kurzer Zeit zurück und sind erneut die faktischen Herrscher Afghanistans.

Ein verändertes Land

Kein Ereignis in der jüngeren Geschichte hat die USA und seine Gesellschaft mehr geprägt als jener verhängnisvolle Dienstag vor 20 Jahren. Nach dem 11. September wurde die Terrorabwehr grundlegend ausgebaut, der staatliche Apparat massiv umgeformt. In der Folge veränderten sich die USA deutlich. Bürgerrechte wurden durch den "Patriot Act" zum Teil empfindlich beschnitten, das Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba eingerichtet und neue Behörden und Einheiten gegründet. Im Land sind manche Veränderungen gut sichtbar, etwa die Kontrollen an den Flughäfen oder die Polizeipräsenz auf den Straßen. Vieles aber geschieht im Verborgenen, wie die ausgeweitete Überwachung und die intensive Kontrolle von Daten.

Die USA zogen nach den Anschlägen in den "Krieg gegen den Terror". Nach dem Einmarsch in Afghanistan folgte 2003 der Krieg im Irak, dessen Auswirkungen letztlich auch die Gründung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begünstigten. Koordinierte Attacken wie die vom 11. September haben danach vermutlich auch die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen in den USA vereitelt. Trotzdem aber kam es vor allem 2015 und 2016 zu tödlichen Angriffen von Einzeltätern in den Vereinigten Staaten.

An dem Ort, an dem die Türme des World Trade Center standen, plätschern heute Wasserfälle im Gedenken an die Opfer des 11. September - das Viertel drumherum ist wieder aufgebaut worden und ein neues Hochhaus, das "One World Trade Center", thront als höchstes Gebäude New Yorks über der Stadt. Aber die Erinnerung bleibt wach in New York - auch weil nach wie vor immer noch Menschen, die damals vor Ort waren, vor allem Rettungskräfte, an Folgeerkrankungen durch Schadstoffe in der Luft sterben.

Merkel verteidigt NATO-Reaktion auf Anschläge

Am 20. Jahrestag der Terroranschläge verteidigte Bundeskanzlerin Angela Merkel die damalige militärische Reaktion der NATO. "Wir wussten damals, dass wir uns gegen diese terroristischen Gefahren gemeinsam wehren mussten in der Nato", sagte sie bei einem Besuch in Warschau. "Vor 20 Jahren haben wir diese erschreckenden Bilder gesehen von der Attacke auf die Vereinigten Staaten von Amerika, auf das World Trade Center, durch islamistischen Terrorismus", sagte die Kanzlerin. Zwei Jahrzehnte nach dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan sei jedoch deutlich geworden, dass "zwar der Terrorismus zum jetzigen Zeitpunkt" besiegt werden konnte, "aber dass wir nicht alle unsere Ziele erreicht haben".

Eine Reihe weiterer Persönlichkeiten äußerten sich in Botschaften zum 11. September. "Heute gedenken wir eines dunklen Tages, der sich in die Köpfe von Millionen Menschen weltweit eingebrannt hat", sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Der britische Premier Boris Johnson betonte, die Anschläge hätten ihr Ziel nicht erfüllt, den Glauben an Freiheit und Demokratie zu untergraben. Während SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz mitteilte, dass Terror keinen Platz in der Welt haben dürfte, mahnte Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, dass es auch immer wieder einen kritischen Blick auf die Entwicklung brauche, die der Kampf gegen den Terror genommen habe.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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