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Handelskrieg mit China Bislang funktioniert Trumps Strategie nicht

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Vor einem Jahr, bei seinem Besuch in Peking, sagte Donald Trump, er freue sich darauf, die Freundschaft zwischen den USA und China zu vertiefen.

(Foto: REUTERS)

Die USA drohen für diese Woche neue Strafzölle gegen China an. Peking will dann weitere Gespräche aussetzen. US-Finanzminister Mnuchin ist aus chinesischer Sicht ohnehin als Verhandlungspartner diskreditiert.

China musste erneut öffentlich klar machen: Wir werden im Handelskonflikt mit den USA nicht einknicken. Denn nur wenige Tage nach der Einladung von US-Finanzminister Steven Mnuchin an China zu Gesprächen stehen die Zeichen wieder mal auf Eiszeit.

US-Präsident Donald Trump möchte voraussichtlich diese Woche - vielleicht schon heute - seine angedrohten Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar verhängen. Mit einer Pistole am Kopf werde man nicht verhandeln, sagte ein ungenannter chinesischer Beamter am Wochenende dem "Wall Street Journal". Und die amtliche Zeitung "China Daily" betonte in einem Editorial, die US-Regierung irre, wenn sie auf eine Kapitulation Chinas hoffe: "Wir haben genug Treibstoff für unsere Wirtschaft - auch dann, wenn sich der Handelskrieg länger hinzieht."

Damit führt an weiteren Zöllen wohl kein Weg vorbei. Die USA stören sich an Subventionen und der großen Rolle der Staatswirtschaft in China. Trump schiebt das US-Handelsdefizit von zuletzt 375 Milliarden Dollar (2017) vor allem auf diese Gründe. China weist dies zurück. Seit Anfang Juli haben Washington und China jeweils bisher 25 Prozent Strafzölle auf je 50 Milliarden Dollar Warenwert importierter Güter verhängt. Die USA belegen vor allem Industriekomponenten, Autos, Halbleiter, Plastik und Chemikalien mit Zöllen. China wiederum verlangt Zölle auf Sojabohnen, Früchte, Fisch und Autos aus den USA.

Die von Trump nun angedrohten neuen Zölle würden diese Liste gewaltig verlängern: Der dann auf 250 Milliarden Dollar anwachsende Gesamtwert betroffener Güter entspricht etwa der Hälfte der chinesischen Exporte in die USA. Dazu gehören dann Produkte aus Elektronik, Internet-Technologie, Beleuchtung, weitere Chemikalien, Plastik- und Halbleiterprodukte sowie verschiedenste Konsumgüter von Möbeln über Fahrräder bis zu Meeresfrüchten. Unklar ist noch, ob diese Zölle dann bei 10 oder auch 25 Prozent liegen sollen. China hat bereits eine Liste mit Vergeltungszöllen auf 5000 Produkte bereit - die allerdings "nur" US-Waren im Wert von zusätzlichen 60 Milliarden Dollar treffen. Der Gesamtwert betroffener US-Exportwaren liegt dann bei 110 Milliarden Dollar.

Einzelne Firmen in China werden leiden

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Vize-Ministerpräsident Liu He leitet die Verhandlungen auf chinesischer Seite.

(Foto: REUTERS)

Peking stellt sich auf längere Konflikte ein. Aus chinesischer Sicht ist Mnuchin als Verhandlungspartner diskreditiert, seit Trump im Mai dessen Verhandlungsergebnisse mit Chinas Chef-Unterhändler, Vize-Ministerpräsident Liu He, sofort durch neue Droh-Tweets unterlief. Liu He soll wenig Interesse an einem neuen Besuch in den USA haben, solange nicht mit Trump direkt verhandelt wird. Der US-Präsident hatte Liu im März gar den Handschlag verweigert.

Chinas Wirtschaftswachstum wird unter dem Handelskrieg leiden, aber voraussichtlich nicht dramatisch einbrechen. So rechnet Brad Setser vom amerikanischen Council on Foreign Relations damit, dass der Konflikt Chinas Wachstum 2019 etwa 0,5 Prozentpunkte kosten könnte. In Export-Hochburgen wie der als "Werkbank der Welt" bekannten Provinz Guangdong könnten die Einbußen nach Ansicht lokaler Experten indes einen vollen Prozentpunkt vom Wachstum streichen.

Härter sind die Folgen für einzelne Firmen mit großem Exportportfolio - vom HighTech-Startup bis zum Autozulieferer. Die Gewinne betroffener Firmen werden selbst im günstigsten Fall um 10 bis 14 Prozent einbrechen, schätzen Ökonomen der Investmentbank China International Capital Corp (CICC). Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" zitiert anonym die Managerin einer Firma, die Formen für General Motors produziert: "Wir haben ohnehin nur einen kleinen Preisvorteil. Dieser wird durch die Zölle vernichtet." Der Unternehmensberatung Axios zufolge fürchten chinesische Manager, dass ihre Kunden künftig in Malaysia oder Vietnam bestellen. Lokalpolitiker planen daher bereits, in ihre bilateralen Industriezonen an der Grenze zu Vietnam gezielt betroffene Firmen einzuladen: Die Löhne in Vietnam sind deutlich niedriger als in China.

"China muss mit den Hardlinern sprechen"

Auch ausländische Firmen mit Produktionen in China befürchten Probleme. Ford stoppte kürzlich Pläne, eine Kombi-Version des Ford Focus aus China in die USA zu bringen. General Motors beantragte in den USA eine Ausnahme auf die Zölle für den in China produzierten Buick Envision. Der Antrag wird derzeit geprüft. Weniger dramatisch ist die Lage bei Chinas Konsumgütern, die vor allem für den Binnenmarkt produziert werden. Chinas Stärke liege vor allem in heimischer Nachfrage und Investition, sagte kürzlich Joe Tsai, Vize-Aufsichtsratschef vom Online-Kaufhaus Alibaba.

Umgekehrt leiden chinesische Unternehmen auch unter Zöllen, die China selbst erhoben hat. Schweinezüchter etwa suchen nach Alternativen zum US-Sojamehl für ihr Tierfutter. Internationale Automarken fanden sich auf einer Achterbahnfahrt wieder, als China zunächst die Zölle auf alle Importwagen senkte - und sie wenig später für Wagen aus den USA infolge des Handelskriegs wieder auf 25 Prozent anhob. Betroffen sind etwa Tesla aus den USA, aber auch BMW, das mehrere in Amerika gebaute SUV-Modelle nach China einführt.

China gibt sich trotzig und betont weiterhin die Bedeutung seiner Staatsunternehmen für seine Ökonomie. Mancher Beamte in China sieht bereits eine Eindämmungspolitik wie im Kalten Krieg am Werk - vor allem, nachdem Hardliner in den USA wie der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer die Strafzölle auch als Mittel einer langfristigen Entflechtung der Wirtschaftsbeziehungen darstellten. Viele Offizielle Chinas sehen daher nur eine Möglichkeit, sagt der frühere China-Chef des Internationalen Währungsfonds und heutige Professor an der Cornell-Universität, Eswar Prasad: "Nur wenn sie mit den Hardlinern direkt verhandeln, kann es Fortschritte geben." Zu diesen gehört Mnuchin nicht. Und so wird es wohl diese Woche neue Zölle geben.

Quelle: n-tv.de

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