Politik

Schavans Doktortitel in Gefahr Blogger lässt nicht locker

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Die gebundene Dissertation der Bundesbildungsministerin.

(Foto: dpa)

Schavan schweigt zu ihrer Doktorarbeit und will die Überfügung durch die Uni abwarten. Doch der anonyme Plagiatsjäger legt nach und auch beim Unionsnachwuchs regt sich Unmut über die Bildungsministerin. Die will vorerst nichts mehr sagen, muss sich aber Kritik von der Opposition anhören.

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Die Ministerin will sich zunächst nicht mehr zu den Vorwürfen äußern.

(Foto: dpa)

Der anonyme Plagiatsjäger von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat seine Vorwürfe bekräftigt und von ihr schnelle Aufklärung über angeblich abgeschriebene Stellen ihrer Doktorarbeit verlangt. In einem - schriftlich geführten – "Spiegel"-Interview versicherte der Internet-Blogger, er glaube fest, dass die Universität Düsseldorf Schavan den Doktortitel entziehen werde. Schavan sagte, sie wolle zu den Vorwürfen bis Abschluss der Überprüfung durch den Promotionsausschuss nichts mehr sagen.

Unterdessen setzt auch der CDU-Nachwuchs Schavan unter Druck. "Dass eine Bildungsministerin über jeden wissenschaftlichen und moralischen Zweifel erhaben sein muss, ist für uns eine Selbstverständlichkeit", sagte der Bundesvorsitzende des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten, Frederik Ferreau. Der Landeschef der Jungen Union Baden-Württemberg, Nikolas Löbel, sagte in Stuttgart: "In der Südwest-CDU brodelt es." Schavan habe dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit ihrer öffentlichen Kritik an den Plagiaten in dessen Dissertation den "Todeskuss" gegeben. Die Südwest CDU ist Schavans CDU-Heimatverband.

Der anonyme Blogger, der sich hinter dem Pseudonym "Robert Schmidt" verbirgt, verwies besonders auf zwei Textpassagen in Schavans 1980 eingereichter Dissertation, bei der die Ausführungen "durch die sehr spezielle Wortwahl eindeutig einer Quelle zugeordnet werden" könnten, die aber in der ganzen Arbeit nicht erwähnt worden sei. Es geht dabei um Interpretationen der Ausführungen Sigmund Freuds über Eros, das Streben nach Lust und die Vermeidung von Unlust durch den Psychologen Ernst Stadter.

Unklarheit über Schwere des Vergehens

Mit nur einer Stimme Mehrheit hatte das Recherchenetzwerk "VroniPlag" entschieden, die Vorwürfe gegen Schavan nicht zu veröffentlichen – da ihr wissenschaftliches Fehlverhalten nicht so schwerwiegend sei wie das von Guttenberg. Der anonyme Blogger veröffentlichte daraufhin seine Recherchen im Alleingang auf der Internet-Seite "Schavanplag" des US-Anbieters "wordpress.com".

Insgesamt listet der Blogger auf 56 der 325 Seiten Dissertation angebliche Plagiatsfälle auf. Überwiegend geht es dabei nach seiner Darstellung um Fehler beim Quellennachweis.

Der Münchner Rechtswissenschaftler Volker Rieble geht davon aus, dass Schavan ihren Titel abgeben muss. Es hätten "schon Leute für weniger ihren Doktortitel verloren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Berliner Jura-Professor Gerhard Dannemann warf Schavan im "Focus" "gravierendes wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Dannemann gehört zum "VroniPlag"-Team. Bei der Überprüfung von Schavans Arbeit sei man sehr gründlich vorgegangen und habe mehr als 100 Quellen gesichtet.

Forderungen nach einer exakten Überprüfung von Schavans Doktorarbeit kamen auch von SPD und Grünen. "Anonyme Hinweise hin oder her, Frau Schavan muss das jetzt aufklären", sagte Grünen- Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck der "Bild am Sonntag". Sein SPD-Amtskollege Thomas Oppermann forderte Schavan auf, ihr Schweigen zu brechen. Sie selbst müsse das größte Interesse an einer schnellen Aufklärung haben.

Quelle: ntv.de, dpa