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Plagiatsaffäre kostet den Posten: Karl-Theodor zu Guttenberg gibt auf

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Karl-Theodor zu Guttenberg gibt auf. Am 1. März 2011 erklärt er seinen Rückzug von allen politischen Ämtern. (Foto: dpa)

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt auf. Am 1. März 2011 erklärt er seinen Rückzug von allen politischen Ämtern.

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt auf. Am 1. März 2011 erklärt er seinen Rückzug von allen politischen Ämtern.

Die Plagiatsaffäre kostet ihn das Amt als Verteidigungsminister, "an dem sein Herzblut hängt", wie er selbst erklärte. Der Rücktritt kam für viele überraschend.

Noch am Vortag hatte er erklärt, nicht zurücktreten zu wollen.

Doch er hielt dem öffentlichen Druck und der Kritik an seiner Person nicht stand.

Dabei hatte man gerade in den letzten Tagen den Eindruck, Guttenberg sei ein Politiker, an dem Kritik einfach abperlt. Und die Plagiatsaffäre ist nicht der erste Punkt, der ihm auch negative Schlagzeilen einhandelte.

Damals ahnte noch niemand, dass es gut zwei Jahre später ein jähes Ende mit dem Minister nehmen würde.

Seine Dissertation, die ihn zu Fall bringen wird, hat er zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben. Doch sie findet kaum Beachtung.

Am 28. Oktober 2009 wird er zum Bundesverteidigungsminister ernannt. Er wird Nachfolger von Franz Josef Jung.

Von Jung übernimmt er auch die "Kundus-Affäre". Das Bombardement in Afghanistan, bei dem zahlreiche Zivilisten getötet wurden, sei "vor dem Gesamtbedrohungshintergrund als militärisch angemessen zu sehen", sagt Guttenberg am 6. November 2009.

Guttenbergs eigene Kundus-Affäre beginnt am 26. November mit einer Meldung der "Bild"-Zeitung. Das Blatt berichtet über einen Feldjäger-Report vom 14. September, der der offiziellen Darstellung in einigen Punkten zuwiderläuft. Danach war der Bundesregierung schon früher als von ihr eingeräumt bekannt, dass bei dem Luftangriff auch Zivilisten ums Leben kamen.

Guttenberg entlässt Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert (Bild). Begründung: Er selbst habe den Feldjäger-Bericht erstmals am Vortag zu Gesicht bekommen.

Am 3. Dezember korrigiert Guttenberg seine Bewertung des Luftschlags. Im Bundestag nennt er den Angriff "militärisch nicht angemessen".

Am 9. März 2010 rückt Guttenberg von dem Vorwurf ab, Schneiderhan (Bild) und Wichert hätten ihm bewusst wichtige Dokumente vorenthalten. Der Fall verläuft im Sande.

Das Muster der "Kundus-Affäre" scheint sich im Fall der "Gorch Fock" zu wiederholen. Eine 25-jährige Soldatin war im November 2010 bei einer Übung tödlich verunglückt.

Am 20. Januar 2011 sagt Guttenberg: "Es wird von meiner Seite keine Vorverurteilungen geben." Mit der Klärung der Vorwürfe wird ein Ermittlerteam der Marine beauftragt.

Zwei Tage später suspendiert Guttenberg den Kapitän der "Gorch Fock". "Der Kommandant ist von seiner Führungsaufgabe entbunden, ich habe das angewiesen", sagt der Minister bei einer verteidigungspolitischen Veranstaltung in Koblenz. Grund sei die Häufung von "erschütternden Berichten" über Drangsalierungen von Offiziersanwärtern.

Wiederum zwei Tage später liefert Guttenberg eine andere Begründung: "Die Entbindung des Kommandierenden hat nichts mit einem Bauernopfer zu tun, sondern dient der sachlichen Aufklärung und auch dem Schutz des Betroffenen selbst", erklärt er in einer Sitzung des Unionsfraktionvorstands.

Altkanzler Helmut Schmidt kritisiert Guttenbergs Vorgehen: "Zu den Regeln gehört beispielsweise auch, dass über niemandem der Stab gebrochen wird, ehe er angehört wurde." Schmidt betont, sein Ratschlag beziehe sich nicht nur auf den Umgang mit Schatz, sondern auch auf die Entlassung von Wichert und Schneiderhan.

In diese Zeit fallen zwei weitere Vorfälle: Nach dem Unfalltod eines Soldaten in Afghanistan im Dezember kursierten unterschiedliche Versionen über die Art des Unfalls.

Und noch immer ist unklar, wer die Feldpost nach Afghanistan geöffnet hat.

Öffentlich bleibt Guttenberg verbindlich. Bei einer Sitzung des Verteidigungsausschusses Ende Januar jedoch reagiert er gereizt. Selbst der CDU-Abgeordnete Ernst-Reinhard Beck räumt ein, dass Guttenberg zumindest in "einigen Situationen" einen dünnhäutigen Eindruck gemacht habe.

Guttenberg selbst nennt die Debatten "Hauptstadt-Theater". Die Vorwürfe gegen ihn seien "infam und fallen auf denjenigen zurück, der sie ausspricht".

Nur einen Fehler räumt er ein: Das Parlament sei zunächst "unvollständig" über den tödlichen Schießunfall in Afghanistan unterrichtet worden.

Bei all diesem Gezänk rückt die Finanzierung der Bundeswehr in den Hintergrund. Acht Milliarden Euro soll das Verteidigungsressort einsparen. Vorschläge dazu hat der Minister bislang nicht vorgelegt.

Am 16. Februar 2011 legt die "Süddeutsche Zeitung" den Grundstein für den Skandal, der Guttenberg zu Fall bringen wird. Das Blatt berichtet, der Minister habe in seiner Dissertation an mehreren Stellen Passagen aus anderen Texte übernommen, ohne dies zu kennzeichnen. Ein eklatanter Verstoß gegen die guten wissenschaftlichen Sitten, möglicherweise gar ein Grund, ihm den Doktortitel abzuerkennen.

In der Folge werden immer mehr Textstellen gefunden. Die FAZ meldet, selbst die einleitenden Worte der Arbeit seien abgeschrieben. Und zwar bei der FAZ.

Guttenberg bleibt sich zunächst treu. Er weist die Vorwürfe als "abstrus" zurück. Dann taucht er ab. Er fährt nach Afghanistan, übernachtet dort. Einen Wahlkampftermin in Sachsen-Anhalt sagt er ab.

Am Abend des 17. Februar trifft er die Bundeskanzlerin im Kanzleramt. Tags darauf bekundet Merkel ihr "volles Vertrauen" in ihren Minister.

Dann tritt Guttenberg vor die Presse.

Bis zum Ergebnis der Prüfung seiner Doktorarbeit durch die Uni Bayreuth will er "vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten".

Die Arbeit sei in mehreren Jahren neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter und Pflichten als Familienvater "in mühevollster Kleinarbeit" entstanden. Er räumt "Fehler" in seiner Doktorarbeit ein, betont jedoch, sie sei kein Plagiat.

Zu keinem Zeitpunkt habe er bei der Erstellung der Arbeit bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft einzelner Teile der Dissertation nicht kenntlich gemacht - eine wichtige Formulierung. Wenn die Universität Guttenbergs Argumentation folgt, dürfte er seinen Titel behalten.

"Jede weitere Kommunikation über dieses Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen." Doch das hält der Minister nicht lange durch.

Schnell erklärt Guttenberg, "nach erneuter Durchsicht seiner Arbeit" sei er zu dem Schluss gekommen, seine Arbeit enthalte gravierende Mängel. Er fordert in einem Brief an die Universität Bayreuth, ihm den Titel abzuerkennen. Eine Täuschungsabsicht streitet er allerdings weiter ab.

Die Universität reagiert prompt: In einem Schnellverfahren entzieht sie Guttenberg den Doktortitel.

Doch der Minister hat sich offenbar innerhalb seiner kurzen Zeit auf dem öffentlichen Parkett einen großen Vertrauensvorschuss erarbeitet. In Umfragen sprechen sich die meisten Deutschen gegen einen Rücktritt aus, ...

... und auch die Kanzlerin steht weiter, wie viele in der Union, hinter dem angeschlagenen Minister.

Doch die Stimmen, die seinen Rücktritt fordern, verstummen nicht.

Im Bundestag muss sich der Minister kritischen Fragen der Opposition stellen. Für eine Aufklärung der Affäre kann er nicht sorgen; zu groß sind die Fragen und Zweifel an dem, was er sagt.

Die Luft für Guttenberg wird immer dünner, denn am Ende kommen Rücktrittsforderungen nicht mehr nur aus der Opposition.

Der Rückhalt bröckelt nun auch in der Bevölkerung, ...

... und gar in den eigenen Reihen.

Tausende Professoren und Doktoranden fordern schließlich öffentlich den Rücktritt Guttenbergs. Schließlich distanziert sich - einen Tag vor dem Rücktritt - auch sein Doktorvater von ihm.

Guttenberg ist am Ende seiner Kräfte.

Er findet schließlich den Griff der Notbremse ...

... und zieht daran.

Der Minister tritt ab.

Vorerst? Vielleicht. Fest steht: Guttenberg ist jetzt 39 Jahre alt und wenn er noch einmal auf die politische Bühne zurückkehren will, muss er wieder von vorne anfangen.

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