Politik

Jüdische Seelsorger Bundeswehr erhält Militärrabbiner

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Gut 300 Soldaten jüdischen Glaubens sollen in der Bundeswehr dienen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang verfügen die rund 300 Bundeswehrsoldaten jüdischen Glaubens über keine eigenen Seelsorger. Nach dem Willen der Bundesregierung wird sich das bald ändern. In der Zukunft sollen auch muslimische Soldaten eine geistliche Betreuung erhalten.

Die jüdischen Soldaten in der Bundeswehr sollen künftig durch Militärrabbiner betreut werden. Dazu schließt die Bundesrepublik Deutschland mit dem Zentralrat der Juden einen Staatsvertrag ab, wie das Bundeskabinett entschied. Der geplante Staatsvertrag solle "das Grundrecht der jüdischen Soldatinnen und Soldaten auf freie Religionsausübung gewährleisten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bisher gibt es bei der Bundeswehr lediglich evangelische und katholische Seelsorger, und zwar seit 1957.

Der Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden soll am 20. Dezember unterzeichnet werden. Das vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz regelt die Zustimmung der Regierung zu dem Vertrag. Als nächstes wird laut Seibert daran gearbeitet, "auch für muslimische Angehörige der Bundeswehr eine geistliche Betreuung zu gewährleisten". Wie genau dies organisiert werden könne, werde derzeit geprüft. Nach Schätzungen dienen knapp 300 Soldaten jüdischen Glaubens in der Bundeswehr.

Die Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz und Tobias Lindner werteten den geplanten Staatsvertrag als "ein positives Zeichen für die Förderung des aktiven jüdischen Lebens in Deutschland". Auch der derzeit größten nichtchristlichen Gruppe in der Bundeswehr, den rund 3000 Menschen muslimischen Glaubens, müsse eine entsprechende Seelsorge zur Verfügung stehen.

"Feldrabbiner" gab es im deutschen Kaiserreich schon im Ersten Weltkrieg. Der Rabbiner Leo Baeck, zu seiner Zeit der bedeutendste Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland, war einer von ihnen. Die Nazis schafften die Praxis später ab. In den USA, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gibt es bereits jüdische Seelsorger in den Streitkräften. Und natürlich in Israel, wo es nach Angaben der Armee rund 120 aktive Militärrabbiner gibt.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa