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Taliban fahren Großangriff Bundeswehrlager in Kundus beschossen

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Kämpfer der radikalislamistischen Taliban haben die nordafghanische Stadt Kundus angegriffen - und ein Bundeswehr-Lager.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die radikalislamistische Terrorgruppe Taliban greift die afghanische Stadt Kundus an. Auch ein Bundeswehr-Lager wird beschossen. 80 Soldaten aus Deutschland sind noch dort.

Während der Gespräche zwischen den USA und den Taliban im Golfemirat Katar über den Frieden in Afghanistan kommt es zu mehreren Angriffen. Auch das Bundeswehr-Lager in Kundus wurde beschossen. Ein noch nicht näher identifiziertes Geschoss schlug am Morgen auf dem Gelände nahe dem Stadtgebiet ein, ohne jemanden zu treffen oder zu verletzen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mitteilte. Einen Zusammenhang zu dem zeitgleich laufenden Taliban-Großangriff auf die Provinzhauptstadt konnte der Sprecher zunächst nicht bestätigen.

Im Lager "Pamir" sind derzeit rund 80 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Im ganzen Land sind es etwa 1200. Kundus-Stadt war bereits im Herbst 2015 und 2016 kurzzeitig an die Taliban gefallen. Provinzräte sagten am Samstag, sie hätten in den vergangenen Wochen und Monaten mehrmals vor einem erneuten Angriff der Taliban auf die Stadt gewarnt.

Nach Angaben des Provinzrats Maulawi Abdullah war mittags weiterhin sporadisches Gewehrfeuer in der Stadt zu hören. Die afghanische Polizei und Armee befänden sich in der Defensive, da sie das Leben von Zivilisten schützen wollten, sagte Provinzrat Ghulam Rabbani. Der Strom in der Stadt sei abgestellt worden, Telekommunikationsverbindungen seien unterbrochen.

Die Taliban kontrollieren weite Teile der Provinz Kundus, in der bis vor einigen Jahren die Bundeswehr als Schutzmacht stationiert war. Im Rahmen der Nato-Mission "Resolute Support" ist noch eine kleine Gruppe deutscher Soldaten dort, um die afghanische Armee zu beraten. Einem Regierungssprecher zufolge wurden Spezialkräfte der afghanischen Polizei in die Stadt entsandt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei den Luftschlägen und Bodenoperationen rund 40 Taliban-Kämpfer getötet. Diese Zahlen konnten jedoch nicht überprüft werden. Regierungsbeamte sind dafür bekannt, Opferzahlen der Taliban zu übertreiben.

Unterschiedliche Angaben von beiden Seiten

Sowohl die Taliban als auch die Sicherheitskräfte der Regierung erklärten, Kämpfer der jeweils anderen Seite hätten sich ihnen ergeben. In einem von den Taliban geteilten Video waren Kämpfer zu sehen, die einen verlassenen Polizeiposten ausräumten und Munition, kugelsichere Westen und Computerausrüstung in ein Polizeiauto luden. Die Echtheit dieses Videos konnte aber nicht überprüft werden.

Im Zentrum der Stadt hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Das berichteten lokale Medien. Demnach brachte der Angreifer seine Sprengstoffweste zur Detonation, als sich mehrere Sicherheitskräfte an einem Ort versammelt hatten. Der lokale TV-Sender ToloNews berichtete, mindestens zehn Menschen seien getötet und mehrere weitere verletzt worden.  Die Taliban reklamierten den Anschlag für sich. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid schrieb auf Twitter, ein "Märtyrerangriff" im Zentrum von Kundus habe den Polizeichef der Stadt sowie Spezialkräfte zum Ziel gehabt.

Die jüngste Gesprächsrunde zwischen den Taliban und den USA hatte vor acht Tagen in Doha begonnen. Bei den Gesprächen geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terrorismus wird. Die Gespräche sollen in offizielle Friedensgespräche der Regierung in Kabul mit den Taliban münden.

Quelle: ntv.de, joh/dpa