CDU-Kandidat übt KritikHagel beklagt Wahlkampf "unter der Gürtellinie"

Manuel Hagel wollte der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs werden. Am Wahlabend folgt die Ernüchterung. Der CDU-Spitzenkandidat kritisiert derweil den Stil des Wahlkampfs der vergangenen Tage.
Monatelang führte die CDU mit komfortablem Vorsprung in den Umfragen. Mit Hoffnungsträger Manuel Hagel sollte endlich wieder ein Christdemokrat Baden-Württemberg lenken - so, wie es vor Winfried Kretschmann knapp 60 Jahre lang der Normalzustand im Ländle war. Doch es sollte anders kommen: Die Grünen liegen aktuell knapp vor der CDU - nach einer rasanten Aufholjagd in den Umfragen der vergangenen Wochen. Das geht aus Hochrechnungen von ARD und ZDF hervor.
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat derweil den Stil in den letzten Tagen des Wahlkampfs kritisiert. Der CDU sei es immer wichtig gewesen, "dass wir unseren Wahlkampf mit Anstand führen, mit Stil führen und vor allen Dingen entlang von den Inhalten, wo wir überzeugt sind, dass sie für unser Land wichtig sind". Leider hätten aber in den letzten Tagen dieses Wahlkampfs eher andere Themen eine Rolle gespielt - "zum Teil mit Angriffen weit unter der Gürtellinie". "Aber das ist nicht mein Thema. Das müssen andere für sich verantworten und nach dem 8. März kommt der 9. März. Da müssen alle wieder runter vom Baum."
In der heißen Wahlkampfphase hatte Hagel schlagartig bundesweite Bekanntheit erlangt - auf eine Art, auf die er sicher gern verzichtet hätte. Eine grüne Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe postet vor knapp zwei Wochen ein altes Video aus dem Jahr 2018, in dem der 29-jährige Hagel von einer Schülerin schwärmt von - und ihren "rehbraunen Augen". Hagel räumt zwar gleich ein, dass das "Mist" gewesen sei - doch das Video ging viral, verbunden mit Sexismusvorwürfen.
Für jemanden, dem nachgesagt wird, dass er immer alles unter Kontrolle haben will, kam das einer Katastrophe gleich. Nur weniger Tage später ein weiteres Video und noch mehr Ärger: Hagel gerät beim Besuch einer Schule vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander und macht ebenfalls keine gute Figur. "Ich bin ja jetzt auch kein Roboter, sondern ein Mensch mit ganz normalen Gefühlen", rechtfertigt er sich danach.