Politik

Reaktion auf Rezos Video CSU blamiert sich auf Youtube

Rezo wollte die Union zerstören - jetzt soll's Armin retten. Mit einer Youtube-Show versucht die CSU-Landesgruppe bei Jugendlichen zu punkten. Damit reagiert sie auch auf die Kritik des Youtubers Rezo. Das Ergebnis: populistisch und wenig hilfreich. Auch die Zielgruppe findet es "lächerlich".

Zackiges Flimmern, schnelle Schnitte, dazu Beats und ein fröhliches "Servus" - so will die CSU-Landesgruppe Youtube erobern. Die Landesgruppe hat eine eigene "Youtube-Show" gestartet, um junge Menschen zu erreichen: #CSYOU. Das erste Video ist erst seit wenigen Tagen online, über 480.000 Nutzer haben es alleine auf Youtube bereits angeklickt, auf Facebook weitere 95.000, auf Instagram sind es gut 7500. Vielen, so legen die Reaktionen nahe, gefällt es jedoch überhaupt nicht: Auf Youtube bewerten es die meisten negativ, die Kommentare dominiert Spott. Kritik gab es auch, weil manche davon mittlerweile gelöscht wurden.

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Die CSU-Landesgruppe versteht ihre Youtube-Offensive als Antwort auf "die Zerstörung der CDU". Kurz vor der Europawahl Mitte Mai brachte ein 55-minütiges Video mit diesem Titel die Union aus dem Konzept. Der Youtuber Rezo nahm darin die Partei auseinander. Mittlerweile hat es fast 16 Millionen Klicks, CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer brachten ihre Aussagen dazu heftige Kritik ein.

Jetzt, mehr als drei Monate später, reagiert die CSU. Auf Twitter heißt es dazu selbstbewusst: "Die Antwort auf @rezomusik heißt Armin." Dieser Armin hat in der analogen Welt zwar einen Nachnamen, doch der klingt wohl nicht hip genug: Petschner. Der 30-jährige Social-Media-Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin moderiert das fünfminütige Video. Zwischen schnellen Schnitten, Sprechblasen- und "Fail"-Einblendungen hampelt er durchs Bild. Sein Ton: mal motiviert, mal hochironisch.

Fünf Minuten Aufreger und Eigenlob

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Zunächst empört sich Petschner in dem Video. Der "Aufreger der Woche": Greta Thunbergs Fahrt per Segelboot nach New York zum UN-Klimagipfel. Petschner prangert an: Wäre Greta geflogen, "hätte sie unterm Strich sehr viel weniger CO2 produziert". Tatsächlich hatte die Klimabilanz der Reise bereits für Kritik gesorgt, medial war die Überfahrt dennoch ein Erfolg für das Anliegen der jungen Schwedin. Doch davon will Petschner nichts wissen und zwinkert stattdessen gönnerhaft in die Kamera: "Liebe Greta, wenn du das nächste Mal in die USA reist, nimm einfach den Flieger - ist besser fürs Klima."  Was die CSU hingegen für mehr Klimaschutz - die Kern-Forderung der jungen Aktivistin - tut, das zeigt keiner der knalligen Effekte von CSYou.

Auch über die Grünen regt sich Petschner in dem Clip auf. Kürzlich listete die Bundestagsverwaltung die Flugreisen von Abgeordneten im Rahmen ihres Mandats auf. Die Grünen haben Petschner zufolge die meisten Einzelflugreisen unternommen, nämlich "satte" 126. Relativ zur Größe der 67-köpfigen Fraktion stimmt das - nicht jedoch in absoluten Zahlen. Da lagen Abgeordnete der Union und SPD vorne. Außerdem hatten die Grünen wenig später erklärt, für dienstliche Flugreisen werde eine CO2-Kompensation gezahlt.

Schließlich knöpft sich Petschner die #Unteilbar-Demonstration in Dresden Mitte August vor. "Deutschlandflaggen waren ausdrücklich nicht erwünscht, hä?", ätzt er. Tatsächlich hieß es von den Organisatoren der Demo, dass Deutschlandfahnen "gerade unglaublich von rechts konnotiert" seien. Daher riefen sie dazu auf, diese nicht zu verwenden. An dieser Stelle verzettelt sich die Logik des CSU-Videos jedoch. So ist etwa von "DDR-Symbolen" die Rede - gezeigt werden die im Video jedoch überhaupt nicht. Außerdem bleibt Petschner einen Vorschlag schuldig, wie Flaggen vermeintlicher "Extremisten" - damit meint Petschner etwa die Antifa - hätten verhindert werden sollen, wenn er schon gegen ein Verbot ist.

Populistische Halbwahrheiten

Zum Ende sonnt sich die CSU-Landesgruppe noch in den eigenen Leistungen. Petschner zitiert etwa eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die GroKo sei besser als ihr Ruf. "In den ersten 15 Monaten der Regierungsarbeit hat unsere Koalition schon fast zwei Drittel der Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag teilweise oder vollständig umgesetzt." Doch die präsentiert er stark verkürzt und entsprechend populistisch. So sei der "Flüchtlingszustrom begrenzt" worden. Was er nicht sagt: Die Zahl der Asylanträge sank bereits vor der Amtszeit der aktuellen Großen Koalition. Und die Mietpreisbremse, die Petschner der jetzigen GroKo gutschreiben will, war ein Projekt der vorherigen Regierung.

Fakten und weiterführende Links, mit denen das Rezo-Video glänzen konnte, bleiben aus. Stattdessen gibt es Haue für Greta Thunberg, die Grünen und #Unteilbar sowie Lobhudelei für die eigene Partei. Politik- und Kommunikationsberater Leif Neugebohrn sagt gegenüber n-tv: "Ich finde die Themenauswahl absolut gruselig." Das Video sei "völlig überladen - auf mich wirkt es eher lächerlich."

Kommt das Video wenigstens bei der Zielgruppe an? n-tv hat Jugendliche gefragt, was sie von der CSU-Youtube-Offensive halten. Ein Jugendlicher bringt es auf den Punkt: Die Video-Antwort komme "ein bisschen spät". Ein weiterer sagt, er halte "nicht viel" von dem Video. Es sei "ein bisschen Fremdscham erregend und ein ziemlich trauriger Versuch der CSU".

Quelle: n-tv.de