Ex-Terrorist in Frankreich verurteiltCarlos sitzt lebenslang ein

Ex-Terrorist Carlos ist zum ersten Mal wegen Terrorismus verurteilt worden. Ein Pariser Gericht befindet den Venezolaner schuldig, vier Anschläge in Frankreich verübt zu haben. Er soll lebenslang im Gefängnis sitzen - ohne Chance auf vorzeitige Freilassung bis 2029. Ein deutscher Komplize wird zu lebenslänglich verurteilt, wird aber nicht ausgeliefert.
Ein Gerichtsurteil bringt den venezolanischen wohl für immer hinter Gitter.Wegen vier Anschlägen auf französischem Boden hat ein Sondergericht in Paris den "Schakal" zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft und schloss eine vorzeitige Entlassung des 62-Jährigen, der mit richtigem Namen Ilich Ramírez Sánchez heißt, für die kommenden 18 Jahre aus. Die Verteidigung des Terroristen kündigte Berufung an.
Carlos stand seit Anfang November vor dem Gericht. In dem Verfahren ging es um vier Anschläge in den Jahren 1982 und 1983 in Frankreich, bei denen elf Menschen starben und fast 150 verletzt wurden. Mit den Attentaten wollte Carlos nach den Erkenntnissen der Anklage seine damals in Frankreich inhaftierte deutsche Ehefrau Magdalena Kopp freipressen. In seinem Plädoyer zum Abschluss des Prozesses zeigte Carlos keine Reue, sondern entschuldigte sich lediglich bei ihm nahestehenden Menschen. "Es lebe die Revolution", rief er. Seine Anwältin Isabelle Coutant-Peyre kündigte Berufung gegen das Urteil an.
"Heidi" freigesprochen
Mitangeklagt war der ehemalige Komplize des Venezolaners, Johannes Weinrich. Der heute 64-Jährige sitzt in Berlin wegen des Anschlags auf das französische Kulturinstitut Maison de France im Jahr 1983 lebenslang in Haft. Ein Berliner Gericht lehnte Ende 2009 eine Auslieferung nach Frankreich ab, weil Weinrich in Deutschland bereits zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt sei. Weinrich wurde in Paris in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Neben Weinrich richtete sich die Anklage auch gegen die heute 69-jährige Deutsche Christa Fröhlich, die unter dem Decknamen "Heidi" bekannt ist und in Deutschland leben soll. Dabei ging es um ein Attentat vom 22. April 1982 auf ein Büro einer arabischen Zeitung. Das Gericht sprach Fröhlich frei. Der vierte Angeklagte, der Palästinenser Ali Kamal al Issawi, ist auf der Flucht. Auch er wurde zu einer lebenlangen Haftstrafe verurteilt.
Stasi-Akten belasten Carlos
Ramírez operierte in den 70er und 80er Jahren weltweit. Seine Gruppe war mit der deutschen und den italienischen Roten Brigaden vergleichbar. 1994 wurde Carlos im Sudan festgenommen und bereits drei Jahre später in Paris zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung zweier Geheimdienstagenten und eines V-Mannes verurteilt. Nun lautete die Anklage erstmals auf Terrorismus. In dem Prozess sagte im Dezember auch der deutsche Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein aus. Klein, der sich schon im Jahr 1977 vom Terrorismus losgesagt hatte, beschrieb Carlos als skrupellosen Söldner.
Dokumente des früheren DDR-Staatssicherheitsdiensts belasteten Carlos zusätzlich. Die Stasi-Akten verstärkten den Verdacht, dass er in Anschläge verwickelt gewesen sei, sagte ein Geheimdienstagent Ende November. Dem Terroristen wird auch der Überfall auf die OPEC-Zentrale in Wien im Jahr 1975 angelastet, für den er nie verurteilt wurde. Im Prozess kündigte Carlos an, nach Venezuela zurückkehren zu wollen. "Der Kampf ist nicht beendet", sagte er.
Neben dem Anschlag gegen die arabische Zeitung ging es in dem zu Ende gegangenen Prozess um drei weitere Attentate. Am 19. März 1982 wurde ein Anschlag auf einen Zug von Paris nach Toulouse verübt, für den auch Weinrich verantwortlich gemacht wurde. Zudem ging es um zwei Attentate auf den Bahnhof von Marseille und auf einen Zug von Marseille nach Paris, die sich am 31. Dezember 1983 ereigneten.