Politik

Neues Heft mit Rekord-Auflage "Charlie Hebdo" ist nicht am Ende

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(Foto: imago/IP3press)

Die Redaktion in Trümmern, acht Journalisten tot: Nach dem Anschlag stand die Zukunft der "Charlie Hebdo" auf der Kippe. Aber die überlebenden Mitarbeiter geben nicht auf. Sie produzieren schon das nächste Heft. Es dürfte reißenden Absatz finden.

Die neue Ausgabe der "Charlie Hebdo" sucht man in Frankreich vergebens. Sie ist ausverkauft, schon am Donnerstag waren alle 60.000 Hefte vergriffen. Nach dem Anschlag auf die Redaktion des französischen Satireblatts werden die Hefte in Online-Auktionen versteigert und für bis zu 100.000 Euro angeboten.

Noch am Mittwoch wagte kaum jemand zu sagen, ob die aktuelle Ausgabe womöglich sogar die letzte gewesen sein könnte. Doch die 1970 gegründete islamkritische Zeitschrift ist nicht tot. Ganz im Gegenteil. Zwar wurden acht Journalisten ermordet, aber die übrig gebliebenen Mitarbeiter wollen weitermachen. Auf der Internetseite ist eine große gezeichnete Faust zu sehen, die einen Zeichenstift umgreift. Daneben steht, die Kraft der Karikatur sei stärker als die "Barbarei".

Die Überlebenden haben mit der Arbeit an der nächsten Ausgabe begonnen. Die linke französische Tageszeitung "Libération", deren Redaktion nur ein paar Straßen vom "Charlie-Hebdo"-Büro entfernt ist, stellt dafür Räume zur Verfügung. "Wir empfangen sie bei uns, denn sie haben noch nicht einmal mehr einen Stift. Ihre Computer und ihre gesamte Ausrüstung wurden versiegelt", sagte Pierre Fraidenraich von "Libération".

Die neuen Macher von "Charlie Hebdo" planen einen ganz besonderen Coup. Wie Anwalt Richard Malka erklärte, soll die für Mittwoch geplante achtseitige Sonderausgabe eine Million Mal gedruckt werden. Die Ausgabe würde damit um mehr als das Fünfzehnfache steigen.

Bei der Produktion des neuen Heftes kann die Redaktion von "Charlie Hebdo" auf massive Hilfe setzen. Französische Medien wie der Fernsehsender "Canal Plus" und die Zeitung "Le Monde" sagten bereits Hilfe zu. Der Internetkonzern Google will 250.000 Euro spenden. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ruft auf WirsindCharlie.de zu Solidarität auf. Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, der wegen seiner Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 noch immer unter Polizeischutz lebt, unterstützt die Kollegen in Paris mit dem Verkauf einer Zeichnung. "Ich mache das als Geste ", sagte er dem dänischen Fernsehsender TV2 Østjylland.

Quelle: ntv.de, cro