Politik

Bizarre Posse um Meng China stellt Interpol-Chef unter Aufsicht

Das Rätsel um den verschwundenen Interpol-Chef scheint aufgeklärt. Peking meldet, gegen Meng Hongwei werde ermittelt. Er stehe unter Aufsicht der Behörden. Unterdessen gibt Interpol bekannt, der 64-Jährige sei von seinem Posten zurückgetreten.

Nach tagelangen Spekulationen über das Schicksal von Interpol-Präsident Meng Hongwei hat China offiziell eingeräumt, dass der 64-Jährige in der Volksrepublik unter staatlicher Aufsicht steht und gegen ihn ermittelt wird. Die internationale Polizeiorganisation erhielt zudem eine Erklärung des Chinesen, in der dieser seinen sofortigen Rücktritt erklärte.

Die chinesischen Anti-Korruptions-Wächter gaben in einer kurzen Erklärung bekannt, dass Meng verdächtigt werde, das Gesetz gebrochen zu haben. Er stehe unter "Aufsicht" - damit ist in der Regel gemeint, dass er festgehalten wird. Meng ist auch Vizeminister für öffentliche Sicherheit seines Heimatlandes. Was ihm vorgeworfen wird, blieb zunächst offen.

Meng war am 25. September zu einem Besuch nach China aufgebrochen. Seine Frau gibt an, seitdem nichts mehr von ihm gehört zu haben. In einer Erklärung hatte sie sich zuletzt an die Öffentlichkeit gewandt: "Diese Angelegenheit betrifft die internationale Gemeinschaft", sagte sie in Lyon. Aus Sorge um ihre Sicherheit hatte sie den Kameras den Rücken zugedreht und mit zitternder Stimme gesprochen.

Emoticon geschickt, das Gefahr ausdrückt

Am Rande ihrer Erklärung in Lyon erzählte Mengs Frau Journalisten, dass sie zuletzt am 25. September von ihrem Mann gehört habe: Er habe ihr eine Nachricht geschrieben, dass sie auf seinen Anruf warten solle - und dann ein Emoticon hinterhergeschickt, das eine Gefahrensituation ausdrücke.

*Datenschutz

Die französische Justiz hatte am Freitag öffentlich erklärt, dass sie zum Verbleib des Behördenchefs ermittle. Laut einem Bericht der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" von vergangener Woche wurde der 64-Jährige bei seiner Ankunft in Peking von Vertretern der nationalen Disziplinarkommission abgeführt. Er soll in Gewahrsam genommen worden sein, direkt nachdem er in China gelandet war.

Diese Behörde gab nun die Ermittlungen gegen Meng bekannt. Sie ist unter anderem für die Verfolgung von Korruption in den Reihen der Staatsbediensteten zuständig. Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze von Interpol gewählt worden. Zuvor war der studierte Jurist in China stellvertretender Minister für Öffentliche Sicherheit.

Erster Chinese an Interpol-Spitze

Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden - eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

Der Interpol-Präsident wird immer für vier Jahre ernannt und steht dem Exekutivausschuss der Organisation vor. Dieses Gremium wacht über die Umsetzung der Entscheidungen der jährlichen Generalversammlung der Organisation. Für die Führung der Alltagsgeschäfte von Interpol ist Generalsekretär Stock verantwortlich.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP/dpa

Mehr zum Thema