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Parlament voller Elektroschrott? Cyber-Angriff womöglich aus Russland

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(Foto: REUTERS)

Der Bundestag ist sich nicht sicher, wie schwer die Schäden an seinem Netzwerk sind. Vielleicht braucht er nur 15 neue Computer. Vielleicht aber auch 20.000.

Es klingt beunruhigend: Seit mehreren Wochen weiß der Bundestag, dass sich ein Trojaner auf seinen Rechnern befindet, doch er kann ihn nicht stoppen. Noch immer fließen Daten ab, möglicherweise an den russischen Geheimdienst SWR. Trojaner sind Programme, die auf fremden Computern installiert werden und von dort aus Daten an ihren Urheber senden. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert einen geheimen Bericht, nachdem die beste Lösung diese wäre: Das Netzwerk soll nicht gesäubert, sondern ganz verschrottet und neu aufgebaut werden. Dieser Vorschlag werde zumindest in einem geheimen Papier gemacht.

CDU-Politiker finden diese Forderung absurd: "Es geht im Wesentlichen um Software", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Bernhard Kaster. Zwar müssten Computersysteme und Server in Teilen neu aufgesetzt werden. "Das darf aber nicht verwechselt werden mit einem kompletten Austausch der Hardware." Sein Fraktionskollege Thomas Jarzombek sagte "Zeit Online": "Eine übersichtliche Zahl von Servern muss neu installiert werden, die Hardware ist nicht betroffen." Es gehe um nur 15 betroffene Rechner. Laut "Süddeutscher Zeitung" ist allerdings auch der "Verzeichnisdienst" des Bundestags betroffen, der ein Knotenpunkt für die rund 20.000 Computer von Abgeordneten, deren Mitarbeitern und Verwaltungsangestellten sei.

Die unterschiedliche Bewertung der Situation kommt auch daher, dass noch unklar ist, wie groß der Schaden genau ist. Mehrere Gigabyte an Daten sollen abgesaugt worden sein. Das ist keine große Menge. Der Wert der Daten könnte dennoch groß sein. Passwörter beispielsweise verbrauchen praktisch keinen Speicherplatz, sind aber extrem wertvoll. Außerdem könnte es sein, dass auch heute noch Daten abfließen und niemand dies nachverfolgen kann. So berichtet es die "Süddeutsche Zeitung". Laut "Spiegel Online" ist sogar bekannt, dass noch immer Daten abfließen. CDU-Mann Jarzombek bezeichnete dies als "Unsinn".

Doch nicht nur über die Schwere des Schadens wird gestritten, auch über die Form der Ermittlungen sind sich die Fraktionen nicht einig. Die Koalition würde gerne den Verfassungsschutz einsetzen, damit dieser den Angreifer ausfindig machen kann. Die Opposition ist dagegen, weil der Verfassungsschutz den Bundestag grundsätzlich nicht überwachen darf. Damit soll verhindert werden, dass ein Geheimdienst die Institution kontrolliert, die eigentlich den Geheimdienst kontrollieren soll. Die Grünen meinen, der Verfassungsschutz könne beratend tätig werden.

Wer der Angreifer ist, kann bislang nur vermutet werden. Von osteuropäischen Geheimdiensten ist die Rede, namentlich vom russischen. Allerdings ist es auch möglich, dass Hacker falsche Fährten legen, also etwa Anmerkungen in einer bestimmten Sprache in den Quellcode schreiben. Welche Indizien die Behörden für den Verdacht haben, dass es sich um russischen Geheimdienst handle, legten sie nicht offen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte in diesem Zusammenhang: "Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyberangriffe von russischen Diensten hochqualifiziert sind und uns große Sorge bereiten." Auch wie sensibel die Daten sind, die genau ausgelesen wurden, ist bislang nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de

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