Politik

"Es war eine persönliche Abrechnung" Das Trauma mit dem "Heide-Mörder"

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Heide-Mörder nennen sie den anonymen Abweichler, der Simonis 2005 die Stimme verweigerte. Deren CDU-Widersacher Carstensen zeigte damals Schadenfreude.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Vor sieben Jahren lässt ein bis heute nicht identifizierter Abweichler die damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Simonis bei ihrer Wiederwahl auflaufen: Sie erhält keine Mehrheit. 2012 soll alles anders werden: Simonis' designierter Nachfolger Albig will nur einen Wahlgang mitmachen - und vorher mit den Piraten sprechen.

Das Jahr 2005 war traumatisch für die schleswig-holsteinische SPD. Der "Heide-Mörder", ein bis heute nicht identifizierte Abweichler in der Regierungskoalition, sorgte damals dafür, dass Ministerpräsidentin Heide Simonis keine Mehrheit bekam und nach zwölf Jahren ihr Amt aufgeben musste.

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Heide Simonis und Torsten Albig. Der 49-Jährige soll der Nachfolger der 2005 nicht wiedergewählten SPD-Ministerpräsidentin werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die an diesem Dienstag erinnert in vielerlei Hinsicht an die Konstellation vor sieben Jahren. Auch damals sollte eine Koalition aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) mit nur einer Stimme Mehrheit Simonis wiederwählen.

Doch trotz mehrerer Vorabstimmungen, aufgrund derer die Mehrheit im März 2005 zustandezukommen scheint, verweigert ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete Simonis im Parlament die Stimme. Nach vier Durchgängen wird die Wahl vertagt. Die schwer getroffene Heide Simonis kündigt wenig später an, nicht wieder antreten zu wollen. Sechs Wochen später wird Peter Harry Carstensen von der CDU als Ministerpräsident einer schwarz-roten Koalition gewählt.

Die "Tätersuche" beschäftigt die SPD bis heute

Die Suche nach dem Abweichler macht der SPD in Schleswig-Holstein in der Folge zu schaffen. Verdächtigt wird unter anderem Ralf Stegner, der in der vorangegangenen Legislaturperiode Finanzminister unter Simonis war. Das Gerücht verselbstständigt sich. "Es gab verschiedene Gruppen innerhalb der Fraktion. Die einen sagten, es könne nur eine Frau gewesen sein, die anderen, es könne nur ein Mann gewesen sein", sagt ein SPD-Insider, mit dem n-tv.de gesprochen hat. Seinen Namen möchte er auch so viele Jahre nach dem Wahldrama nicht geschrieben sehen.

Der Insider sagt: "Man wird nie wissen, wer es wirklich war." Sicher sei aber, dass derjenige nicht aus politischem Kalkül gehandelt habe. "Da ging es um eine persönliche Abrechnung, politisch ergab das überhaupt keinen Sinn." Simonis selbst weiß es wohl, sie hat es nur nie öffentlich gesagt. "Sie hat ihren Verdacht nie ausgesprochen, weil es nicht zu beweisen wäre", sagt ihr Bekannter.

Dieses Mal soll es klappen

Die Wahl Torsten Albigs zum neuen Ministerpräsidenten im Norden an diesem Dienstag soll ohne derlei Pannen ablaufen. Wieder reicht es für die "Dänen-Ampel" aus SPD, Grünen und SSW nur zu einer Stimme Mehrheit. 35 Abgeordnete müssen Albig wählen, damit er Ministerpräsident werden kann. Zumindest im Vorfeld scheint alles zu klappen: Die drei Parteien billigten am Wochenende in Neumünster und Flensburg ohne Gegenstimme den . Nur bei den Grünen gab es eine Enthaltung. Dieses Mal ist auch die Gesamtkonstellation eine andere: CDU und FDP kommen zusammen nur auf 28 Sitze im Landtag. Vor sieben Jahren waren es 34. Die verlorenen 6 Sitze gehören nun den Piraten.

Gleich der erste Versuch soll klappen: Albig will nur einmal antreten, verlautet aus der SPD. Die CDU schickt - anders als 2005 mit Peter Harry Carstensen - ihren Spitzenkandidaten Jost de Jager nicht ins Rennen. Ob Albig auch Stimmen der Piratenpartei bekommt, ist offen. Am heutigen Montag will er mit ihnen sprechen.

Quelle: ntv.de, mit dpa