Politik

US-Präsident betritt Nordkorea Dealmaker Trump auf dem Drahtseil

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Trump und Kim während des historischen Moments.

(Foto: imago images / Xinhua)

Nordkoreas Machthaber Kim wird sich freuen über die schönen Fotos vom Treffen mit Trump. Doch auch der US-Präsident profitiert, kann er sich doch als Dealmaker präsentieren. War also alles nur eine Show? Nein - wenn beide Seiten die Chance nutzen.

Donald Trump ist nicht für seine diplomatische Etikette bekannt. Regelmäßig stößt der US-Präsident Verbündete vor den Kopf, stellt gewachsene Allianzen in Frage oder bricht mit der halben Welt Handelsstreits vom Zaun. Kritiker sehen in ihm deshalb einen Elefanten im Porzellanladen. Anhänger loben dagegen seine ungeschminkte Art.

Trump will sich abheben vom etablierten Politikbetrieb, das ist das Markenzeichen mit dem er wuchert, so kommt er bei seinen Wählern an. Er sieht sich als Dealmaker, der hart verhandelt und wenn nötig auch mal ausfallend wird, der vor allem aber bereit ist, ungewohnte Wege zu gehen, um ans gewünschte Ziel zu kommen.

Das beweist er nun erneut, ausgerechnet bei einer der brutalsten Diktaturen der Welt: Nordkorea. Zum dritten Mal hat er Machthaber Kim Jong Un getroffen, mutmaßlich völlig überraschend und spontan, nach einer Einladung auf Twitter. Und wieder haben beide ihre hervorragende persönliche Beziehung gelobt. Trump ist sogar ein historischer Moment gelungen: Als erster amtierender US-Präsident hat er Nordkorea betreten, den einstigen Kriegsgegner, mit dem immer noch kein Friedensvertrag geschlossen ist. Zudem lud er Kim nach Washington ein, ins Weiße Haus. An Schlagzeilen mangelt es also nicht.

Ein Fototermin - oder ernsthafte Chance?

Auf Einträge in Geschichtsbücher kommt es in diesem Konflikt jedoch nicht an. Man könnte dieses Treffen deshalb als Show abtun, als Fototermin, der vor allem Kim nutzt, weil er sich ernstgenommen fühlen kann neben dem mächtigsten Staatschef der Welt. Es war auffällig, wie emsig nordkoreanische Vertreter Fotos und Videos von dem Grenzübertritt machten. Und auch Trump kann profitieren, ist er doch mittlerweile wieder voll im Wahlkampfmodus und kann sich seinen Anhängern als der Mann präsentieren, der als Dealmaker auch noch den schärfsten Konflikt beilegt.

Gleichwohl sollte man das heutige Treffen nicht so einfach abtun. Denn das bilaterale, fast einstündige Gespräch der beiden Staatschefs könnte den Anstoß zu neuen Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm geben. Man habe die Bildung von Arbeitsgruppen vereinbart, die weitere Gespräche vorbereiten sollen, verkündete Trump nach dem Treffen. Das ist eine gute Nachricht. Denn nichts ist gefährlicher als die Funkstille, die zuletzt zwischen beiden Seiten herrschte. Seit dem überhasteten, letztlich gescheiterten Gipfel von Hanoi im Februar gab es keine Verhandlungen mehr, der gesamte Prozess lag auf Eis. Dass nun wieder gesprochen wird, ist ein Fortschritt, wenn auch ein unsicherer.

Interessant ist Trumps heutige Aussage, dass er Hanoi - anders als die Medien - gar nicht als Misserfolg sehe. Für einen Dealmaker gehören solche Rückschläge vielleicht einfach dazu. Und auch weitere Äußerungen des US-Präsidenten lassen aufhorchen: Nach dem Mini-Gipfel sprach er nicht nur in der ihm typischen Art von einem "sehr, sehr positiven Treffen", einem "großartigen Tag" und einem "legendären Moment". Er betonte auch: "no hurry", keine Eile. Offenbar will man sich Zeit nehmen, die kleinen Schritte gehen.

Denuklearisierung? Erwähnt Trump nicht

Vor dem ersten Trump-Kim-Gipfel vor gut einem Jahr hatte der US-Präsident noch Druck gemacht. Man wolle die vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, hieß es da. Diesmal sagte er das D-Wort gar nicht. Und auch von einem Friedensvertrag ist nicht mehr die Rede. Hat Trump dazugelernt? Hat er begriffen, dass dieser komplexe Konflikt nicht von heute auf morgen zu lösen ist? Dass der Prozess zehn Jahre dauern könnte und erst abgeschlossen ist, wenn Trump selbst im Falle einer Widerwahl längst nicht mehr im Amt ist? Man sollte nicht zu optimistisch sein, schließlich ist Trump für seine Sprunghaftigkeit bekannt. Aber seine Aussagen, so er sie denn ernst meint, haben verdient, beachtet zu werden.

Nur mit kleinen Schritten, mit einer vorsichtigen Annäherung kann der Nordkorea-Konflikt gelöst werden. Dabei muss man die Wünsche und Sicherheitsinteressen Pjöngjangs ernst nehmen - genau wie die Chinas. Ohne Peking sind weder ein Friedensvertrag noch eine dauerhafte Sicherheitsarchitektur in der Region möglich. Das ist eine Herkulesaufgabe, die erfahrene Diplomaten braucht. Trump täte gut daran, sich dabei zurückzuhalten.

Zumal der US-Präsident durch Auftreten und Aussagen suggeriert, dass die Fortschritte in den Verhandlungen vor allem seiner freundschaftlichen Beziehung zu Kim geschuldet seien. Es wäre jedoch ein grober Fehler, den Friedensprozess darauf aufzubauen.

Es ist längst nicht ausgemacht, dass die Verhandlungen diesmal erfolgreich sind. Dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten, sowohl auf US- als auch auf nordkoreanischer Seite. Für Trump, der so viel investiert hat und nicht an freundschaftlichen Worten für einen Diktator spart, steht dabei viel auf dem Spiel. Nicht zuletzt sein Image. Der Dealmaker wandelt im Umgang mit Nordkorea auf dem Drahtseil.

Quelle: n-tv.de