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Die USA erhöhen den Druck "Der Iran wird nicht kapitulieren"

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US-Kriegsschiffe im Golf von Aden.

(Foto: REUTERS)

Ein US-Angriff auf den Iran sei vorerst vom Tisch, nun versuche Präsident Trump, das Land wirtschaftlich in die Knie zu zwingen - vergeblich prognostiziert Nahost-Experte Michael Lüders im Interview mit n-tv.

n-tv: Der Iran wird niemals eine Atombombe besitzen, sagt Donald Trump. Heißt das, im Notfall wird er militärisch eingreifen?

Michael Lüders: Er hätte es ja fast im vorigen Monat schon getan, ist dann aber im letzten Moment wahrscheinlich vom Pentagon davon überzeugt worden, dass ein solcher Angriff auf den Iran gravierende Konsequenzen haben könnte und nicht zuletzt seine eigene angestrebte Wiederwahl gefährden könnte. Ein Angriff auf den Iran ist erst einmal vom Tisch. Die USA versuchen, den Iran wirtschaftlich in die Knie zu zwingen und gewissermaßen in die Kapitulation zu treiben. Das wird aber nicht geschehen. Die Iraner leiden zwar immens unter den US-Wirtschaftssanktionen. So ist etwa der Export des Erdöls von rund 2,5 Millionen Barrel am Tag vor einem Jahr noch auf rund ein Zehntel geschrumpft. Das ist wirklich gravierend für die iranische Volkswirtschaft. Aber das Land wird nicht kapitulieren. Insoweit gibt es eigentlich keinen Ausweg aus der Krise, es sei denn, die Amerikaner sind bereit, wieder zum Atomabkommen zurückzukehren.

Jetzt erklärt aber der Iran, Uran stärker anzureichern als bisher vereinbart. Ärgert das Land damit nicht die letzten Schlichter im Streit und Anhänger des Atom-Deals wie Japan oder die Europäische Union?

Das Problem mit der Europäischen Union ist, dass Staaten wie Großbritannien, Frankreich oder Deutschland zwar auf der Ebene von Lippenbekenntnissen am Atomabkommen festhalten, aber de facto seit der Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA im Mai vorigen Jahres nichts unternommen haben, um die wirtschaftlichen Folgen für den Iran abzuschwächen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Europäer eine große Abneigung dagegen haben, sich mit den USA in wirtschaftlichen oder politischen Fragen zu überwerfen. Im Zweifel gibt man nach. Das kann man auch daran ermessen, dass die Institution, über die der Warenverkehr mit dem Iran seitens der EU abgewickelt werden soll - Instex genannt - viel zu spät ins Leben gerufen worden ist. Und nach amerikanischem Druck soll nun nicht mehr der gesamte europäische Warenverkehr darüber abgewickelt werden, um US-Sanktionen zu umgehen, sondern nur noch sogenannte humanitäre Güter wie Medikamente und Lebensmittel.

Werden jetzt weiterhin nur Drohungen ausgetauscht?

In der Tat, das ist im Moment der Stand der Dinge: Drohung gegen Drohung. Und es gibt verschiedene Akteure in der Region, die diesen Showdown mit dem Iran wollen. Es ist wirklich eine gefährliche Lage. Kriegswolken hängen in der Luft und es braucht nur eine der beteiligten Konfliktparteien im falschen Moment das Falsche zu tun, dann kann dieses Pulverfass in die Luft gehen; solange es keine Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gibt, die wirklich auf ein Ende der Krise hinauslaufen.

Mit Michael Lüders sprach Christopher Wittich.

Quelle: n-tv.de

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