Politik

Frühstart in Sachsen-Anhalt Der Ministerpräsident wunderte sich

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Edith Kwoizalla war die erste, die in Deutschland gegen Corona geimpft wurde.

(Foto: dpa)

In ganz Deutschland wird heute offiziell mit den Corona-Impfungen begonnen - nur in Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurde gestern schon geimpft. Das wunderte auch den Gesundheitsminister und den Ministerpräsidenten.

Für leichte Verwirrung hat am Samstag der vorgezogene Impfstart in einem Pflegeheim in Halberstadt gesorgt. Dass dort einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Impfkampagne bereits Corona-Impfungen durchgeführt wurden, erfuhr Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff erst per SMS von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Beim offiziellen Impfstart in seinem Bundesland sagte Haseloff am Nachmittag in einem Pflegeheim in Dessau-Roßlau: "Hier ist der Start. Ich kann das nur zur Kenntnis nehmen. Auf der anderen Seite geht es darum, dass so schnell wie möglich geimpft wird in Sachsen-Anhalt." Und: "Ich habe es per SMS vom Bundesminister erfahren und habe mich so wie er genauso gewundert. Aber ich kann es nur so erklären, dass sich dort der Druck so aufgestaut hat, so schnell wie möglich loszulegen."

In dem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt waren bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter geimpft worden, allen voran die 101-jährige Edith Kwoizalla, die damit vermutlich die erste Deutsche ist, die gegen Corona geimpft wurde. Die Verantwortlichen im Landkreis Harz und der Heimleiter hatten angesichts der dramatischen Lage keine Zeit verlieren wollen. "Es wurde immer gesagt: Bei Corona zählt jeder Tag", sagte der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis Harz, Immo Kramer, der "Bild"-Zeitung. "Wir hatten den Impfstoff am Samstag und waren bereit - warum sollten wir dann bis Sonntag warten? Das versteht kein Mensch."

Frühstart auch in Ungarn und der Slowakei

40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 10 Mitarbeiter ließen sich impfen. "Es geht allen gut", sagte der Betreiber der Einrichtung, Tobias Krüger, am Vormittag.

Die Impfdosen hatten am Samstag nach und nach die Bundesländer erreicht. Eigentlich war abgesprochen, dass der bundes- sowie europaweite Impfstart am Sonntag ist. Ebenfalls einen Frühstart der Impfungen hatte es in Ungarn und der Slowakei gegeben. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte, dass nicht in ganz Europa unmittelbar nach der Freigabe des Impfstoffs am 22. Dezember mit dem Impfen begonnen wurde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer versicherte, es werde von staatlicher Seite keine Sonderrechte für Geimpfte geben. Ansonsten komme dies einer Impfpflicht gleich und er sei gegen einen Zwang, betonte der CSU-Politiker in der "Bild am Sonntag". Er lehnte auch Ungleichbehandlungen durch private Unternehmen wie zum Beispiel Fluggesellschaften ab.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte mehr Tempo bei der Produktion von Impfstoffen. "Es gibt einfach zu wenig Impfstoff", sagte Söder der "BamS". Daher müsse das Tempo der Produktion massiv verstärkt werden. Bisher wird davon ausgegangen, dass frühestens im dritten Quartal 2021 genug Impfstoff für alle Impfwilligen zur Verfügung steht.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa/AFP