Politik

"Diese Waffe ist nicht trivial" Panzerhaubitze 2000 - hochmodernes Geschütz

31323773.jpg

Die Panzerhaubitze 2000 wurde von der Bundeswehr auch in Afghanistan eingesetzt.

(Foto: dpa)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Mit sieben Panzerhaubitzen 2000 will die Bundesregierung die ukrainischen Truppen im Kampf gegen die russischen Angreifer unterstützen. Das Waffensystem gilt als eines der modernsten, die in der Bundeswehr im Einsatz sind. Aber was kann es und wie schwer ist der Umgang damit zu erlernen?

Auf der Website der Bundeswehr wird die Panzerhaubitze 2000 als "ein hochmodernes Artilleriegeschütz" beschrieben. Und tatsächlich ist diese Artilleriewaffe in der Mitte der 1990er Jahre entwickelt worden. Wollte man sie mit einem russischen Waffensystem vergleichen, wäre ihr Pendant wohl die 2S19. Ebenfalls eine Panzerhaubitze mit einem 152-Millimeter-Geschütz, die erstmals auf der Luft- und Raumfahrtausstellung in Schukowski bei Moskau im August 1992 vorgestellt wurde. Die fahrende Basis bilden hier die russischen Panzer T-72 oder T-80.

Deutschland hat sich jetzt entschlossen, der Ukraine sieben seiner Panzerhaubitzen 2000 zu liefern, die direkt aus der Instandsetzung kommen und so der Bundeswehr nicht unmittelbar fehlen sollen. Das jedenfalls erklärte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in Sliac in der Slowakei. Die sieben sollen eine bereits angekündigte Lieferung von fünf Panzerhaubitzen aus den Niederlanden ergänzen.

Crashkurs für ukrainische Soldaten

Die Ausbildung von 20 ukrainischen Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 soll in Idar-Oberstein stattfinden und bereits nach 43 Tagen abgeschlossen sein. Vor nicht allzu langer Zeit wies Kai Rohrschneider, Generalleutnant des Heeres der Bundeswehr, darauf hin, dass die Ausbildung an diesen Geschützen nicht trivial sei, da es auch darum gehe, wie die Panzerhaubitze in ein Aufklärungs- und Zielsystem eingebunden werden könne. Ein Grund, warum die auszubildenden Ukrainer bereits Vorkenntnisse haben.

214919782.jpg

Die Ausbildung an der Panzerhaubitze 2000 ist nicht trivial.

(Foto: dpa)

Im ersten Quartal 2021 hatte die Bundeswehr ungarische Soldaten im Artilleriebataillon 131 an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet. Allerdings war der Zeitraum hier deutlich länger. Drei Monate wurden veranschlagt, bevor ein Offizier den Chefgang durchlaufen hatte und vier weitere Soldaten zum Zugführerlehrgang entsandt wurden, der dann nach weiteren drei Monaten abgeschlossen war. Insofern sind die 43 Tage, die zur Ausbildung der ukrainischen Soldaten veranschlagt sind, ein wahrer Crashkurs.

Was zeichnet die Panzerhaubitze 2000 aus?

Hergestellt wird die Panzerhaubitze 2000 von den deutschen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Sie ist das Standardgeschütz der Bundeswehr, gilt mit ihrer 155-Millimeter-Kanone, die mit einem gepanzerten Kettenfahrzeug bewegt wird, als enorm wendig und kann in den auch in schwerem Gelände eingesetzt werden.

43087605.jpg

Mit Standardmunition überwindet die Haubitze Entfernungen von bis zu 30 Kilometern.

(Foto: dpa)

Wie schon erwähnt, gehört die Panzerhaubitze 2000 zu den modernsten Artilleriegeschützen weltweit. Ihre Stärke liegt vor allem in der Präzision und der großen Kampfentfernung, die mit der 155-Millimeter-Langrohrkanone überbrückt werden können. Mit der Standardmunition werden Schussentfernungen von bis zu 30 Kilometern erreicht. Mit reichweitengesteigerter Munition sind es sogar 40 Kilometer. Dabei können sechs Granaten so abgefeuert werden, dass sie zeitgleich im Ziel einschlagen. Ebenso ist es möglich, Munition mit sogenannten tempierbaren Zündern, also Geschossen, die erst beim Aufschlag oder über dem Ziel detonieren, zu verschießen.

Selbstschutz durch Nebelwurfanlage

Das Geschossmagazin der Panzerhaubitze 2000 befindet sich in der Wanne des gepanzerten Kettenfahrzeugs und ist um den Geschosstransporter angeordnet, der Teil der automatisierten Munitionszuführungsanlage ist. Das Magazin fasst 60 Schuss. Zu den Selbstschutzsystemen der Panzerhaubitze 2000 gehört eine Nebelmittelwurfanlage, die acht 76-Millimeter-Wurfbecher umfasst. Je eine Vierergruppe befindet sich rechts und links der 155-Millimeter-Kanone. Als Sekundärbewaffnung ist zudem ein Maschinengewehr am Platz des Munitionskanoniers montiert.

255807491.jpg

Die Panzerhaubitze 2000 nutzt moderne Hilfsmittel, um die Zielgenauigkeit zu steigern.

(Foto: dpa)

Mithilfe eines sogenannten VO-Messgerätes, also eines Geschwindigkeitsmessers, wird die Mündungsfeuergeschwindigkeit eines Geschosses ermittelt. Die kann nämlich aus verschiedenen innenballistischen Gründen variieren. Sie hat Einfluss auf die Treffgenauigkeit, wird für jedes Geschoss ermittelt und für die Berechnung von Korrekturwerten genutzt. Zudem wird die Schussgenauigkeit durch weitere Systeme erreicht, die aus den Daten eines Wettertrupps - der Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Windgeschwindigkeit - und der Pulver- und Rohrtemperatur entsprechende Feuerbefehle errechnen.

Um die Lage im Raum festzustellen, verfügt das Fahrzeug neben dem VO-Messgerät über ein Kurs-Lage-Gerät und einen Weggeber. Während das Kurs-Lage-Gerät während des Marsches als Zusatz zum GPS fungiert, um auch bei Schräglage des Fahrzeuges präzise feuern zu können, misst der Weggeber die Entfernung, die die Panzerhaubitze 2000 zurückgelegt hat.

Antrieb mit 1000 PS

256393766.jpg

Die Panzerhaubitze 2000 ist in der Lage, auch schweres Gelände zu überwinden.

(Foto: dpa)

Der Triebwerksblock der Panzerhaubitze 2000 befindet sich vorn links in der Wanne. Er besteht aus dem MT881Ka-500 Dieselmotor mit einer Nennleistung von 1000 PS und einem hydromechanischen Schalt-, Wende- und Lenkgetriebe mit je vier Vor- und Rückwärtsgängen. Die Reichweite beträgt auf der Straße 420 Kilometer. Hier kann die Panzerhaubitze 2000 dann auch eine Spitzengeschwindigkeit von 60 erreichen. Im Gelände sind es immer noch 45 km/h. Dieses Tempo entspricht ungefähr der Beweglichkeit eines Kampfpanzers.

Wichtig für den eigenen Schutz ist, dass die Panzerhaubitze 2000 nach dem Abschuss ihrer Granaten schnell den Standort wechseln kann, um nicht in ein mögliches Konterbatteriefeuer zu geraten. Dank des panzerähnlichen Unterbaus ist die Panzerhaubitze zudem in der Lage, Gewässer bis zu einer Tiefe von 1,1 Metern ohne Vorbereitung zu durchqueren. Bei eingeschalteter Tauchhydraulik sollen es sogar 1,5 Meter sein.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen