Politik

Bis zu sieben Grad mehr möglich Die Erde kocht

Die Erderwärmung vollzieht sich nach Einschätzung führender Klimaforscher schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet.

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Ein großer Eisblock, der vom Upsala-Gletscher abgebrochen ist, schwimmt in Patagonien im Süden Argentiniens.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ohne eine deutliche Verminderung des Treibhausgas-Ausstoßes könnte bis zum Jahr 2100 der Meeresspiegel um bis zu zwei Meter und die weltweite Durchschnittstemperatur um bis zu sieben Grad steigen, heißt es in ihrer "Kopenhagen-Diagnose" zum bevorstehenden Klimagipfel in der dänischen Hauptstadt. Nötig seien deshalb rasche Schritte zur Senkung der Emissionen, forderten die 26 Wissenschaftler.

Die Erderwärmung sei ungebrochen, heißt es in dem Bericht. Der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen müsse in spätestens fünf bis zehn Jahren seinen Gipfel überschritten haben und danach schnell abnehmen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch abzuwenden. "Um das Klimasystem zu stabilisieren, müssen die Emissionen von Kohlendioxid und anderen langlebigen Treibhausgasen noch in diesem Jahrhundert fast auf Null gesenkt werden", warnten die Forscher, von denen die meisten auch an den Berichten des Weltklimarats (IPCC) mitgearbeitet haben.

Der letzte wissenschaftliche Aufruf

"Der Meeresspiegel steigt rascher und das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als erwartet", erklärte der Ozeanforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Leider zeigen uns diese Daten, dass wir die Klimakrise bislang unterschätzt haben." PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber warnte: "Dies ist der letzte wissenschaftliche Aufruf an die Unterhändler von 192 Staaten, den Klimaschutz-Zug in Kopenhagen nicht zu verpassen. Sie müssen die ganze Wahrheit über die globale Erwärmung und die damit verbundenen nie dagewesenen Risiken kennen."

In der jetzigen Studie berücksichtigten die Wissenschaftler auch Forschungsergebnisse, die in den 2007 veröffentlichten vierten Sachstandsbericht des IPCC noch nicht eingegangen waren. So hätten Messungen gezeigt, dass das arktische Meereis deutlich schneller schmelze als noch kürzlich erwartet. Auch der tatsächlich gemessene Anstieg des Meeresspiegels sei durch das Schmelzwasser von Eisschilden an den Polen und Gebirgsgletschern weit stärker als noch vor einigen Jahren projiziert. "In den nächsten Jahrhunderten muss mit einem weiteren Anstieg um mehrere Meter gerechnet werden", folgern die Forscher für den Fall einer weiter wachsenden Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre. Unabsehbare Gefahren drohten auch von abrupten Störungen komplexer Systeme wie des Amazonas-Regenwalds oder des Monsuns in Westafrika.

Quelle: ntv.de, rts