Politik

"Keine Knappheit auf dem Markt" Drogenhandel floriert trotz Corona

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Eine Drehscheibe für den Drogenhandel sind nach wie vor die Niederlande. Hier eine Kokain-Wäscherei, die in einer umgebauten Reithalle untergebracht war.

(Foto: dpa)

Die Vertriebswege für illegale Rauschmittel sind vielfältig: von der Bestellung eines "Koks-Taxis" bis zum Handel im Darknet und der Lieferung per Post. Auch die Corona-Pandemie stört die Geschäfte nicht.

Während normale Branchen Probleme haben, ist der Handel mit illegalen Drogen in der Corona-Zeit in Deutschland keineswegs rückläufig. Mehr denn je werden Rauschmittel auf Social-Media-Plattformen, aber auch im Darknet angeboten. Verschickt werden Pillen, Pulver oder Gras dann oft per Post.

Das geht aus dem Lagebericht zur Drogenkriminalität hervor, den der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sowie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, vorstellten. Münch sagte dabei, die Zahl der Drogendelikte in Deutschland steige seit mittlerweile neun Jahren. Das liege vor allem daran, dass mehr konsumiert werde.

Der mit Abstand größte Anstieg - plus 12,2 Prozent - wurde 2019 bei Delikten im Zusammenhang mit Kokain verzeichnet. "Wir stellen fest, dass es keine Elite-Droge mehr ist", so Münch. Insgesamt beschlagnahmten die Ermittler zehn Tonnen Koks, 2017 waren es noch acht Tonnen. Die größte bislang in Deutschland sichergestellte Menge Kokain hatte der Zoll im Juli 2019 bei einer Routinekontrolle im Hamburger Hafen entdeckt. In einem Container mit Sojabohnen, der aus Uruguay über Hamburg nach Belgien transportiert werden sollte, waren 4,5 Tonnen Kokain versteckt. Geschätzter Straßenverkaufswert: fast eine Milliarde Euro.

Obwohl der Drogenschmuggel durch Kuriere und der Straßenverkauf von Rauschgift in diesem Jahr durch Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie erschwert wurden, hat das BKA in den vergangenen Monaten "keine Knappheit auf dem Markt festgestellt", wie Münch sagte. Rauschgift sei weiter hergestellt sowie per Luftfracht und auf dem Seeweg transportiert worden. Auch der Konsum sei wohl konstant geblieben. Die Drogenhändler hätten sich sehr schnell umgestellt: Die Bestellung über Internet-Plattformen und der Versand kleinerer Mengen per Post - bevorzugt an Packstationen - hätten weiter zugenommen.

Zahl der Drogenlabore nimmt ebenfalls zu

In Deutschland sind seit etwa zwei Jahren Social-Media-Plattformen wie Instagram und Telegram beliebte Handelsplätze. So funktionieren seit Jahren auch "Koks-Taxis" in Berlin, die bei Bedarf illegale Drogen gegen Bargeld vor die Haustür bringen. Auch solche Geschäfte werden über Messengerdienste angebahnt.

Münch betonte, auch im Internet sei es den Strafverfolgungsbehörden möglich, "Tatverdächtige zu identifizieren und illegale Handelswege sowie Straftaten aufzuklären". Er verwies auf die vor etwa einem Jahr von den Sicherheitsbehörden abgeschaltete deutsche Onlinedrogenplattform "Chemical Revolution". Mehrere mutmaßliche Betreiber des im Darknet betriebenen Onlinehandels müssen sich derzeit vor Gericht verantworten. Bezahlt wurden die Drogenhändler mit Bitcoins, verschickt wurde die Ware per Post - bevorzugt an Packstationen.

Auch die Zahl der Drogenlabore in Deutschland hat zugenommen: 31 von ihnen nahmen Ermittler im vergangenen Jahr hoch. Das sind 63 Prozent mehr als 2018. Vor allem seien sie in Nordrhein-Westfalen zu finden gewesen, wo auch zunehmend Chemikalien zur Herstellung synthetischer Drogen in den Niederlanden gelagert würden. Der Heroin-Handel stieg ebenfalls leicht an. Das sei aber jedes Jahr schwankend, so Münch. Die beliebteste Droge der Deutschen ist dem Bericht zufolge nach wie vor Marihuana.

Einen Erfolg sieht die CSU-Politikerin Ludwig in Sachen Crystal Meth: Die Straftaten im Zusammenhang mit der stark süchtig machenden Droge sieht sie in erfolgreicher Präventionsarbeit. So sei das Thema mehr an Schulen angesprochen worden und vor allem abhängige Mütter behandelt worden. Der "Trend" Kokain müsse ähnlich angepackt werden: "Wir werden bei der Prävention noch eine Schippe drauflegen", sagte sie.

Quelle: ntv.de, lko/hvo/dpa/AFP

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