"Moskau sollte Signal hören"Drohnen treffen zwei Ölanlagen tief im russischen Hinterland

In den vergangenen Wochen intensiviert die Ukraine ihre Schläge gegen Moskaus Ölsektor. Nun treffen Kiews Drohnen russische Anlagen Tausende Kilometer von der Grenze entfernt. Präsident Selenskyj lobt die Wirkung der Fernwaffen und fordert den Kreml zu Verhandlungen auf.
Die Ukraine hat in ihrer Serie von Gegenangriffen auf die russische Ölindustrie Anlagen in den Städten Perm und Orsk am Ural getroffen. Russische Stellen bestätigten laut Meldungen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass die Angriffe, äußerten sich aber nicht zu Schäden.
In Perm deuten Videos aus der Region darauf hin, dass die Pumpstation einer wichtigen Ölpipeline getroffen wurde. Die Bilder zeigen über dem Brandherd eine dicke schwarze Rauchwolke. Der ukrainische Geheimdienst SBU bestätigte später auch, dass die Pumpstation Ziel des Angriffs war. Vorläufigen Informationen zufolge stünden fast alle Öltanks der Anlage in Flammen, hieß es. In Orsk ganz im Süden des Ural-Gebirges galt der Angriff höchstwahrscheinlich der dortigen Ölraffinerie, wie der russische Telegramkanal Astra berichtete. Beide Orte liegen zwischen 1.500 und 1.800 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte auf der Plattform X ein Video, das eine große Rauchwolke zeigt. Die Aufnahmen stammen wahrscheinlich aus Perm. Selenskyj sprach von einer neuen Phase beim Einsatz ukrainischer Waffen, um die russische Fähigkeit zur Kriegsführung einzuschränken. Die Ukraine werde die Reichweite ihrer Angriffe in Russland weiter erhöhen, kündigte Selenskyj an. Jeder Treffer verringere die Leistungsfähigkeit der russischen Militärindustrie sowie der Logistik und beeinträchtige die Ölexporte. "Es ist Zeit, zur Diplomatie überzugehen, und Moskau sollte dieses Signal hören", so Selenskyj.
Die Regierung in Kiew hat ihre Angriffe auf russisches Gebiet in den vergangenen Wochen verstärkt. Ziel ist es, Ölraffinerien, Tanklager und Häfen auszuschalten und Moskaus wichtigste Finanzierungsquelle für den Krieg zu treffen. Dies geschieht vor dem Hintergrund weltweit steigender Ölpreise aufgrund des Iran-Krieges. Erst am Dienstag hatte ein ukrainischer Drohnenangriff ein Großfeuer in einer russischen Ölraffinerie in der Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer ausgelöst. Es war die dritte Attacke auf die Anlage in weniger als zwei Wochen. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete dies als Beweis für verstärkte ukrainische Angriffe auf zivile Ziele.
Seit dem Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 hat die Ukraine ein Arsenal an im Inland produzierten Langstreckenwaffen aufgebaut. Dem ukrainischen Verteidigungsministerium zufolge hat das Land die Reichweite seiner Angriffe gegen Russland seitdem um 170 Prozent erhöht. Im Februar hatten ukrainische Drohnen nach Angaben regionaler Behörden die Raffinerie Uchta in der russischen Republik Komi getroffen, die rund 1750 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt.