Politik

Erst die Birne, nun der Beutel? EU bekämpft die Plastiktüte

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Praktisch - und vor als Abfall äußerst langlebig: In Deutschland liegt der Durchschnittsverbrauch pro Kopf bei etwa 70 Plastiktüten im Jahr.

(Foto: REUTERS)

Diese Entscheidung wird den Alltag von Millionen EU-Bürgern verändern: Mit einem mühsam ausgehandelten Kompromiss will die Europäische Union Obergrenzen für den persönlichen Gebrauch von Einweg-Plastiktüten einführen.

Im Streit um die Reduzierung der Zahl von Plastiktüten haben sich die EU-Institutionen am Abend in Brüssel auf einen Kompromiss geeinigt. Wie eine Sprecherin im Europaparlament mitteilte, soll demnach der durchschnittliche Verbrauch von Tüten pro Jahr und pro Kopf von derzeit rund 200 bis zum Jahr 2019 auf etwa 90 verringert werden.

Bis zum Jahr 2025 sollen die EU-Bürger dann im Durchschnitt jährlich nur noch rund 45 Tüten verbrauchen. Alternativ zum Verbot können die EU-Staaten demnach auch verbindliche Gebühren für Plastiktüten einführen, wie dies beispielsweise in Irland bereits erfolgreich geschah. Dort ging nach Angaben aus dem Europaparlament die Zahl der Einwegplastiktüten binnen wenigen Monaten um etwa 90 Prozent zurück.

In den vergangenen Jahren hatten ähnliche Richtlinien aus Brüssel europaweit für Unmut gesorgt. Vor zwei Jahren etwa trat die letzte Stufe des Herstellungs- und Vertriebsverbots für klassische Glühbirnen in Kraft. Die unpopuläre Maßnahme sollte die beliebten Beleuchtungskörper zugunsten effizienterer Leuchtmittel aus dem Markt drängen.

Entscheidung Ende der Woche

Noch ist der europäische Plastiktütenvorstoß nur ein Entwurf: Der zu Wochenbeginn erzielte Kompromiss muss noch vom Rat abgesegnet werden, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind. Weil die Brüsseler Kommission eine verbindlichen Zielvorgabe ablehnte, müssten die Staaten die Vorlage einstimmig billigen.

Die Abstimmung darüber ist für kommenden Freitag geplant. Anschließend geht der Text noch ins Europaparlament, wo er vom Plenum verabschiedet werden muss. Änderungen sind damit durchaus noch möglich - wenn nicht sogar zu erwarten.

Ausnahmen für Fleisch, Fisch und Obst

in ihrer aktuellen Form betrifft die geplante Neuregelung Einwegtüten, die Verbraucher derzeit noch oft kostenlos an der Kasse enthält - sei es im Supermarkt, im Schuhgeschäft oder in der Modeboutique. Ausgenommen sind dünnwandige Tüten, in die etwa Frischfleisch, Wurst, Fisch oder auch Obst verpackt werden. Diese Ausnahme wird vor allem damit begründet, dass ein Verbot noch schädlichere Verpackungen wie etwa Schalen aus Schaumstoff fördern könnte.

Nach Angaben des Europaparlaments werden in der EU jährlich rund hundert Milliarden Plastiktüten verwendet. Etwa acht Milliarden Tüten gelangen durch achtloses Wegwerfen in die Weltmeere, wo sie Tiere töten, Strände verschmutzen oder nach ihrem Zerfall in winzige Plastikfetzen über Fische bis in die menschliche Nahrungsmittelkette gelangen können.

Im Jahr 2010 verbrauchte dem Parlament zufolge jeder EU-Bürger im Durchschnitt 200 der umweltschädlichen Plastiktüten. Die Deutschen lagen mit rund 70 Tüten pro Kopf im Mittelfeld, das Schlusslicht bildeten Polen und Portugiesen mit 450 Tüten pro Kopf und Jahr.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP

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